Staatsbesuch in Irland

Die Queen kommt als Nachbarin

18. Mai 2011, 12:54
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    foto: reuters/cathal mcnaughton

    "Königin unerwünscht" lautet die Botschaft dieses jungen irischen Vaters. Vollständig ausgeräumt sind die Ressentiments noch nicht.

Die erste englische Invasion liegt fast 1000 Jahre zurück, die letzte Visite eines britischen Königs ist 100 Jahre her. Nun besucht die Queen Irland - Schlusspunkt eines langen Konflikts

Zum ersten Mal seit fast einem Jahrtausend ist am Dienstag eine englische beziehungsweise britische Monarchin nicht als Eroberin oder als koloniale Herrscherin nach Irland gekommen - sondern als freundschaftlich verbundene Nachbarin. Seit die 26 südlichen Grafschaften Irlands sich vor 90 Jahren aus dem Vereinigten Königreich verabschiedeten, gab es das noch nie. Zu Recht sprach die irische Präsidentin Mary McAleese von einem außerordentlichen Moment in der irischen Geschichte.

Symbolträchtig legte Queen Elizabeth II - passend im smaragdgrünen Mantel und Hut - am Dienstagnachmittag einen Kranz im Gedenken an irische Rebellen nieder, also für jene Iren, die seit 1798 die britische Krone in Irland aktiv und schließlich erfolgreich bekämpft hatten.

Die irischen Sicherheitskräfte überließen nichts dem Zufall. 40 Kilometer Absperrgitter wurden in Dublin aufgestellt, Straßen gesperrt, ja sogar der Dubliner Zoo schloss seine Tore - was er sonst nur am Weihnachtstag tut.

Bombe entschärft

Am Vorabend des Besuchs entschärften Experten eine funktionsfähige Bombe an Bord eines Linienbusses auf dem Weg nach Dublin. Doch die Saboteure, vermutlich aus den Reihen einer Splittergruppe der Irish-Republikanischen Armee (IRA), vertreten niemanden mehr, sie verkörpern nicht mehr die schlummernden antienglischen Leidenschaften der meisten Iren, sondern gelten als gefährliche Spinner.

Der erste englische König, Heinrich II., landete 1171 an der Spitze einer Invasionsarmee an der irischen Küste. Doch erst die Glaubensspaltung verwandelte die feudale Militäroperation in ein koloniales Verhältnis, denn Irland blieb katholisch, während England, Schottland und Wales sich diversen protestantischen Bekenntnissen zuwandten.

Die englische Krone siedelte zu Beginn des 17. Jahrhunderts gewaltsam protestantische Wehrbauern im irischen Nordosten an. Blutige Übergriffe gegen diese Eindringlinge provozierten eine erbarmungslose Vergeltungsaktion des englischen Diktators Oliver Cromwell.

An deren Ende waren die meisten katholischen Grundeigentümer in Irland enteignet. Die stillen Hoffnungen der Iren auf einen Katholiken auf dem englischen Thron zerschlugen sich endgültig nach der Schlacht am irischen Fluss Boyne 1690, als Wilhelm von Oranien seine Thronfolge durchsetzen konnte.

Die britische Gleichgültigkeit gegenüber der verheerenden irischen Hungersnot in der Mitte des 19. Jahrhunderts ermutigte - im Verbund mit dem europäischen Zeitgeist - den irischen Nationalismus und damit den Wunsch nach Eigenstaatlichkeit. Nach zahlreichen Fehlschlägen löste sich Irland 1921/22 blutig aus dem Vereinigten Königreich heraus, zuerst als Freistaat, dann ab 1949 als Republik (siehe unten).

Doch die irische Fixierung auf das Feinbild England dauerte an. Erst die Teilnahme an der europäischen Integration seit 1973 vermochte allmählich den irischen Blickwinkel zu verbreitern und ein irisches Selbstbewusstsein zu nähren. Allein, der akute Nordirlandkonflikt warf nach 1969 die Normalisierung des bilateralen Verhältnisses wieder zurück: Instinktiv weckte jeder britische - oder auch protestantische - Willkürakt die schlummernden anti-englischen Leidenschaften der Iren.

Erst seit dem nordirischen Friedensabkommen von 1998 wurde ein Besuch der Königin in der Republik überhaupt denkbar. Denn bis dahin hatte Irland einen Gebietsanspruch auf das britische Nordirland erhoben. Seither wurden geduldig weitere Bausteine hinzugefügt.

Im vergangenen Jahr wurden die Kompetenzen über Justiz und Polizei an die nordirische Regierung übertragen, kurz danach entschuldigte sich der damals neue britische Premierminister David Cameron für ein Massaker britischer Fallschirmjäger an unbewaffneten Demonstranten in Derry im Jahre 1972.

Der Staatsbesuch ist damit die Besiegelung der guten Nachbarschaft, nicht erst deren Auftakt. (Martin Alioth aus Dublin/DER STANDARD, Printausgabe, 18.5.2011)

Kommentar posten
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Gianni Agnelli
01
18.5.2011, 12:07

Hm, und warum wir Heinrich II hier als erster Englischer König genannt? Erster Plantagenet, ok.

Weil er sich als erster "King of England" nannte? Muss man davon ausgehen, dass die vor ihm regierenden normanischen und angelsächsischen Könige, diese "Kings of the English", ihre Herrschaft nur vorgetäuscht haben?

philidor85
00
22.5.2011, 17:43

nun ja die normannen haben als erste einen straff geführten einheitsstaat geschaffen - verstanden sich aber in erster linie als vasallen des französischen königs

das bewusstsein hat sich erst langsam verändert

blue notes
01
18.5.2011, 11:52
Irland ist sowieso illegal.

Die haben ja nicht einmal die Unabhängigkeit wirklich fertiggebracht. Sind daher rechtlich quasi inexistent. Einerseits, weil sie die Verfassung von 1937 vermutlich gar nicht machen durften, zweitens weil die notwendige Unterschrift König Edwards fehlt - und wohl nie mehr nachgeholt werden kann. So ist das mit dem Whiskey. ;-)

Filicijo
11
18.5.2011, 10:28

NO ROYALS AT ALL !!!

Sixtus Jetzein
62
18.5.2011, 08:43
"Bild des jungen irischen Vaters"

Na, wenn das nicht ein indischer Sikh ist, will ich Hornpostel heißen! Von wegen Ire...

Timagoras
 
01
18.5.2011, 17:39

auch ein indischer Sikh kann ein junger irischer vater sein (abgesehen davon deuten barett und kilt nicht unbedingt auf einen Sikh hin).

behan
02
18.5.2011, 12:50

dieser auf der photographie abgebildete mann heißt john hackett und wohnt in der lower clanbrassil road, wo er auch ein wettbüro führt
sorry, herr hornpostel

ps: inder, pakistani, ... tragen nur in der armee kilts

insertnamehere
 
02
18.5.2011, 12:18
Wenn der keine weiße Strumpfhose unterm Rockerl trägt, schaun zumindest die Knie ziemlich irisch aus.

HA! Google is Dein Freund:

http://www.todayszaman.com/news-2441... visit.html

Hier is das Bild etwas größer und es sieht mir so aus, dass der Mann auch keinen Turban, sondern ein Barrett aufhat.

Insofern ohne Frage very questionable style, aber ziemlich definitiv kein Sikh.

Hornpostel is aber eh gar kein sooo schlimmer Name ...
;-)

Hornpostel aka Sixtus Jetzein
02
18.5.2011, 14:27
Kreisch!

aero seven
00
18.5.2011, 09:32

was genau hält ihn jetzt davon ab trotzdem Ire zu sein?
;-)

Igor Gassner
11
18.5.2011, 11:07
Genau da liegt der Hund begraben

der Über die Zukunft Europas aber auch der Welt entscheidet ist es oder ist ers nicht. Er ist irischer Staatsbürger. Fest steht er ist nicht katholisch. Wäre nun Irland noch Irland wenn es nur noch Siks in Irland gäbe ? Das ist die große Frage ? und wollen wir das oder wollen wir das nicht ?

trollkind
10
18.5.2011, 09:32
na und?

er kann ja trotzdem ire sein, dort geboren und aufgewachsen ... aber offensichtlich indischer abstammung und der tradition verhaftet. oder ist nach deiner meinung ein in österreich geborenes, türkischstämmiges mädchen, daß kopftuch und bodenlange röcke trägt keine österreicherin?

lg
dein trollkind

Sixtus Jetzein
50
18.5.2011, 09:44
Okay, ich sehe, die Dinge sind kompliziert

und man müsste die Menschen einzeln interviewen, als was sie sich selber verstehen. Ein irischer Sikh ist aber schon ein etwas komischer Repräsentant Irlands.

hier könnte ihr name stehen
02
18.5.2011, 11:14

was hast du dir erwartet? einen leprechaun?

snufkin
00
18.5.2011, 10:26

Sparts euch die Diskussion. Mit so weißen Haxn kann es nur ein Ur-Ire sein:

http://www.msnbc.msn.com/id/430488... elizabeth/

double standard
00
18.5.2011, 09:56

da ist es aber echt gemein dass entgegen dem allgemeinen vorurteil die iren mehrheitlich nicht rothaarige sommersprossige alkoholiker sind die an trolle und kelpies glauben

AntonUndAntonia
00
18.5.2011, 09:50

Wieso?

Whitey Whiteman
00
18.5.2011, 09:30
Hornpostel.

Vielleicht hat er die irische Staatsbürgerschaft, in dem Fall wär er Ire.

Sixtus Jetzein
10
18.5.2011, 11:54
Autsch!

double standard
00
18.5.2011, 08:07

ein kniefall a la brandt wäre auch eine nette geste gewesen

BuchbinderWanninger
 
11
18.5.2011, 00:01
Na ja Schlußpunkt........

nachdem ja Oliver Cromwell immer noch einer der populärsten Briten ist (allzeitmäßig gesehen), der ja seinerzeit halb Irland und Schottland hat umbringen lassen, ist die Begeisterung auf der grünen Insel über diesen Besuch wohl endenwollend. Und dass in der Regenbogenpresse der fehlende Hofknicks der irischen Präsidentin thematisiert wird spricht seinerseits Bände.........

Ben Hemmens
04
18.5.2011, 01:04
Protokollarisch müssen

Staatsoberhäupte sich vor ihrer Majestät offenbar nicht verbeugen. Das ist nichts Ungewöhnliches.

7._Zwerg
21
18.5.2011, 08:52

2011: Niemand muss sich mehr vor irgendjemandem verbeugen! Protokoll hin oder her...

vheissu
01
18.5.2011, 09:44

Auch gemäß aktuellem Hofprotokoll müssen sich nicht einmal mehr Her Britannic Majesty’s loyal subjects verbeugen/knicksen, sondern es ist ihnen anheimgestellt.

Ben Hemmens
01
18.5.2011, 11:19
Her Britannic Majesty’s loyal subjects

die es als rechtliche kategorie nicht mehr gibt: sie sind citizens of the united kingdom.

das wort "subject" kommt höchstens noch zeremoniell vor.

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