Leichtere Kost für den Stoffwechsel der Gesellschaft

17. Mai 2011, 20:36
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UN-Studie: Wirtschaft muss unabhängig von natürlichen Ressourcen wachsen - Einschränkungen nötig

An die zehn Tonnen natürlicher Ressourcen pro Jahr verbraucht jeder Erdenbürger im Schnitt. Dazu gehören pflanzliche Biomasse wie Holz genauso wie fossile Energieträger wie Kohle und Öl, Baustoffe wie Sand und Zement sowie Edelmetalle und Mineralien.

Wobei der Verbrauch sehr ungleich verteilt ist: Die Industrieländer, die 20 Prozent der Bevölkerung stellen, schlucken 80 Prozent der Ressourcen. Während in so manchem hochentwickelten Land jeder Einwohner bis zu 40 Tonnen im Jahr "verdaut", konsumiert der durchschnittliche Inder lediglich vier Tonnen jährlich.

Für den aktuellen Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) analysierten Marina Fischer-Kowalski vom Institut für Soziale Ökonomie der Alpen-Adria-Universität und der südafrikanische Nachhaltigkeitsforscher Mark Swilling Zeitreihen gesellschaftlicher Ressourcennutzung für das 20. Jahrhundert bis in die jüngste Gegenwart. Dabei zeigte sich, dass das Wirtschaftswachstum und damit das Einkommen immer unabhängiger von natürlichen Ressource geworden ist. Seit 1900 hat sich der globale Verbrauch fast verzehnfacht, während das Welt-Sozialprodukt im gleichen Zeitraum um den Faktor 23 stieg.

Bis zur Weltwirtschaftskrise 1929 ist der Pro-Kopf-Verbrauch nur wenig gestiegen, weil sich steigender Verbrauch und Bevölkerungswachstum in etwa die Waage hielten. Danach, insbesondere in der Nachkriegszeit, stieg der Pro-Kopf-Verbrauch rasant an, bis er ab 1973, zeitgleich mit dem "peak oil" in den USA, im Vergleich zum Einkommen zu stagnieren begann. Erst seit Beginn der Nullerjahre, mit dem wirtschaftlichen Aufholen der Entwicklungsländer, wächst der Ressourcenverbrauch wieder schneller (siehe Grafik).

Sollte sich die derzeitige Entwicklung fortsetzen, wird sich der weltweite Bedarf an Ressourcen bis 2050 auf 140 Milliarden Tonnen jährlich verdreifachen. Eine weitere Entkopplung vom Wirtschaftswachstum sei unumgänglich, um gewaltsame Ressourcenkämpfe zu vermeiden, so die Studienautoren. Sollten die Industrieländer ihren Verbrauch auf die Hälfte zurückschrauben und die Entwicklungsländer auf diesen Wert aufschließen, würden 2050 "nur" 70 Mrd. Tonnen im Jahr verbraucht. Damit der Ressourcenverbrauch auf dem derzeitigen Stand bleibt, müssten die Industrieländer zwei Drittel weniger verbrauchen. Enorme Anstrengungen sind so oder so nötig. (kri/DER STANDARD, Printausgabe, 18.05.2011)

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