Wiener Forschung und Linzer Kunst

17. Mai 2011, 20:18
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Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften dockt an Kunst-Uni Linz an

Veranstalter der ersten Carl E. Schorske Lecture ist das Internationale Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK), das dem Namensgeber in zumindest zweifacher Weise verbunden ist. Der US-amerikanische Kulturhistoriker war es, der mit vielfach ausgezeichneten Buch Fin-de-Siècle Vienna (1981) der kulturwissenschaftlichen Erforschung von Wien um 1900 nachhaltige Impulse gab.

Der 86-jährige Emeritus der Uni Princeton ist außerdem Ehrenvorsitzender des wissenschaftlichen IFK-Beirats, der in den vergangenen Monaten mit einer überraschenden Krisensituation konfrontiert war: Das Wissenschaftsministerium schien zunächst die Finanzierung (rund 900.000 Euro jährlich) des IFK wie von rund 70 anderen außeruniversitären Einrichtungen ganz einstellen zu wollen. Wenig später wurde ein Dreisäulenmodell präsentiert, das unter anderem die Eingliederung an Universitäten vorsah.

Zunächst schien es so, als ob das IFK an die Universität Graz wandern könnte. Doch diese Pläne zerschlugen sich. Vergangene Woche wurde nun aber auch ganz offiziell eine neue universitäre Andockstation gefunden: Das IFK wird ab demnächst mit der Kunstuniversität Linz kooperieren und kann dabei unter anderem seinen bisherigen Status als Verein behalten.

Für Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle, der selbst Altphilologe ist, werden mit dieser Lösung "die Kulturwissenschaften gestärkt", zumal "positive Synergien" absehbar seien. Die Kunst-Uni Linz soll in dieser auf Dauer angelegten Kooperation insbesondere in der Dissertantenausbildung von den Forschungskonzepten des IFK profitieren.

Für IFK-Direktor Helmut Lethen könnte das jedenfalls zu einer spannenden Herausforderung werden, da es dabei erstmals für das IFK auch zum Austausch von Kunstpraktiken und Forschung kommen wird - und im Idealfall zu einer "Dynamisierung der Kulturwissenschaften". (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 18.05.2011)

 

  • Partnerschaft mit Synergie-Potenzial: IFK-Direktor Lethen, Wissenschaftsminister Töchterle und Kunst-Uni-Rektor Kannonier.
    foto: pusch

    Partnerschaft mit Synergie-Potenzial: IFK-Direktor Lethen, Wissenschaftsminister Töchterle und Kunst-Uni-Rektor Kannonier.

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