Mehrere Tierschutzorganisationen werfen Umweltministerium vor, Pro-Jagd-Lobbyisten zu bevorzugen
Wien - Mit der Einladung zu einem Fachsymposium hat sich das Umweltministerium den Unmut mehrerer Tierschutzorganisationen zugezogen. Denn zu der Tagung zum Thema Artenschutz und Armutsbekämpfung dürfen hauptsächlich "Befürworter von Trophäenjagd und Wildtierhandel" kommen, wie Vertreter von Vier Pfoten, Pro Wildlife, WDCS und IFAW beanstanden.
Das Symposium wird vom Ministerium gemeinsam mit der EU-Kommission veranstaltet. 90 internationale Experten sollen von Mittwoch bis Freitag in Wien darüber diskutieren, wie Artenschutz und Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern in Einklang zu bringen sind. "Alle neuen Erkenntnisse des Symposiums sollen in laufende, internationale Prozesse eingespeist werden" heißt es vonseiten des Ministeriums, vor allem geht es um das Washingtoner Artenschutzübereinkommen Cites (dem Österreich 1982 beigetreten ist).
Befürchtungen
Genau hier liegt die Befürchtungen der Tierschützer: Sie vermuten, dass durch das einseitige Teilnehmerfeld, das überwiegend mit Trophäenjagd-Lobbyisten bestückt sei, der Schutz gefährdeter Tierarten gelockert werden könnte. Bereits im Vorfeld gab es Aufregung wegen eines Interviews, das Max Abensperg-Traun, ein Mitarbeiter der Abteilung für Artenschutz im Umweltministerium, dem Spiegel gegeben hatte: Darin bezeichnete er Cites als "verlogene Artenschutz-Doktrin" und sprach sich für eine nachhaltige Jagd auf geschützte Tierarten aus. Auf Anfrage wollte der Beamte dazu nicht Stellung nehmen.
Sorge bereite den Tierschützern auch die Position Österreichs in Bezug auf den Elfenbeinhandel: "Österreich hat sich bei der letzten Cites-Konferenz vehement dafür eingesetzt, dass dieser gelockert wird", behauptet der Internationale Tierschutzfonds IFAW, der übrigens am Symposium teilnehmen darf - im Gegensatz zu den anderen drei Organisationen.
Beim Lebensministerium betont man, wie wichtig eine breites Teilnehmerfeld sei. Man wolle "schonungslos alle Meinungen und Ansätze diskutieren". (kali/DER STANDARD-Printausgabe, 18.5.2011)