GB: Forderungen nach Versuchsverzicht - USA: Wider das Hühnerschlachten - Finnland: Gegen Pelzzuchtpraktiken - Spanien: Hungerstreik gegen Hundetod
England: Streit um Europas größtes Tierlabor
An Tierliebe lassen sich die Engländer nur ungern überbieten. Während Millionen von jeher als friedliche Advokaten ihrer vierbeinigen oder geflügelten Schützlinge agieren, bildete sich auf der Insel in den vergangenen Jahrzehnten auch ein harter Kern militanter Tierschützer. Auf rund 50 schätzen Experten die Zahl jener Aktivisten, die für die Abschaffung aller Tierversuche eintreten. Als gewaltbereit gilt ein gutes Dutzend.
Graffiti mit falschen Anschuldigungen ("Pädophiler") in der Nachbarschaft, Telefonterror, Brandbomben und sogar eine Grabschändung - sechs Jahre lang terrorisierte etwa eine Gruppe namens Shac Kunden und Zulieferer von Europas größtem Tierlabor. Ihr Ziel: die Schließung von Huntingdon Life Sciences. Mittlerweile wurden die Rädelsführer zu langen Haftstrafen verurteilt. "Sie haben unserer Sache keinen Gefallen getan", analysiert Nick Palmer vom Verband BUAV, der sich mit friedlichen Mitteln für ein Tierversuchsende einsetzt.
Deren Zahl ist nach langem Rückgang wieder angestiegen, was auf mehr Experimente mit gentechnisch veränderten Medikamenten zurückgeht. "Informationen sind schwer zu erhalten", klagt Palmer. Hingegen beteuert Simon Festing: "In Großbritannien gelten die weltweit schärfsten Regeln. Nirgends sonst wird so genau zwischen Nutzen und Auswirkung auf Tiere abgewogen." Festing ist Sprecher der Lobbygruppe UAR, die auch von Pharmafirmen bezahlt wird.
USA: Rotbemalt wider das industrielle Hühnerschlachten
Neulich in Tallahassee, der Hauptstadt Floridas. Die demonstrierenden Frauen, die vor einem Imbiss von McDonald's standen, trugen nichts weiter als rote Bikinis. Ihre Haut hatten sie rötlich gefärbt, es war ein Protest gegen die Art, wie Lieferanten der Fast-Food-Kette Hühner schlachten. "Wir wollten illustrieren, wie es aussieht, wenn Hühner zu Tode verbrüht werden", begründete die Tierschutzorganisation Peta die ungewöhnliche Aktion und rief zum Boykott von McDonald's auf.
Es gibt in den USA nur wenige Initiativen, die so aktiv sind wie Peta (People for the Ethical Treatment of Animals). Auf deren Druck hat die Weltraumbehörde Nasa vor kurzem ein 1,75 Millionen Dollar teures Experiment abgeblasen, in dem dutzende Affen einer schädlichen Strahlungsdosis ausgesetzt gewesen wären. Frühere Astronauten hatten sich ebenso für den Stopp eingesetzt wie Ex-Beatle Paul McCartney.
Eine Schule in Naples (Florida) wiederum reagierte auf Elternproteste, indem sie einer Biologielehrerin eine Zwangspause verordnete. Sie hatte einen toten Frosch auf die Bank einer Schülerin gelegt, die sich weigerte, beim Sezieren von Tierkadavern mitzumachen. Seit April, so die Peta, muss sie in einem Sonderkurs lernen, wie man "sensibler auf die Gefühle von Schülern eingeht".
Finnland: Wo sich Nerz und Blaufuchs Gute Nacht sagen
Dass Finnland Weltmarktführer bei Handys ist, weiß so gut wie jeder. Kaum jemand ist dagegen bewusst, dass das nordeuropäische Land auch bei der Produktion von Pelzen eine Weltmacht ist. Jährlich werden in den rund 1000 Zuchtbetrieben, die 22.000 Jobs bieten, vier Millionen Fuchs- und Nerzfelle produziert. 99 Prozent gehen in den Export.
Angesichts dessen hatten es Tierschützer in Finnland stets schwer, gegen Zuchtpraktiken zu protestieren, die den behaupteten ethischen Prinzipien oft nicht gerecht werden. Eine Debatte gelang ihnen erst 2010, als im finnischen TV Bilder von verstümmelten Füchsen aus 30 Betrieben gezeigt wurden. Experten, Grüne und die Linkspartei fordern strenge Regeln für Züchter und langfristig den Ausstieg aus der Zucht, so wie in Großbritannien und Österreich.
Einer, die die katastrophalen Zuchtbedingungen nahe der Stadt Kokkola dokumentierte, war der Österreicher Martin Balluch. Er und Mitstreiter wurden 2003 von wütenden Farmern gestellt und in U-Haft genommen. Im folgenden Prozess wurden sie nach einer Verurteilung erster Instanz 2007 von allen Vorwürfen freigesprochen. Vor zwei Wochen begann im westfinnischen Kristinestad wieder ein Prozess - diesmal aber gegen einen der Farmer, deren Betriebe gefilmt worden war.
Spanien: Hungerstreik gegen Hundetod in den Tierasylen
Spaniens Tierschützer haben eine neue Heldin: Beatriz Menchén. Die junge Frau protestiert mit einem Hungerstreik gegen die Politik in den Tierheimen des Landes. Viele der Tiere, die dort eingeliefert werden, überleben dies nicht. In Getafe, dessen Tierasyl Menchén vorstand, werden zwei Drittel aller Hunde eingeschläfert. Es gibt niemand, der sie abholt. Das Heim wurde privatisiert. Wirtschaftlichkeitsdenken und fehlende Zuschüsse führen zu dieser für Menchén unhaltbaren Situation.
Spanien hat ein eigenartiges Verhältnis zu Tieren. Das zeigte das Erdbeben in Lorca. Viele Familien, die ihre beschädigten Wohnungen verlassen mussten, setzten ihre vierbeinigen Lieblinge aus. Auch auf Dorffesten geht es wenig korrekt zu. Da werden Stiere mit Lanzen gejagt, Ziegen vom Kirchturm geworfen.
Klassisches Szenario für Tierschützerproteste sind die Stierkampfarenen. Auch wenn sich laut Umfrage nur 30 Prozent der Spanier für den Stierkampf interessieren, kann sich kaum jemand ein Gemeindefest ohne einen solchen vorstellen. Einzig in Barcelona wurde die Arena geschlossen. Das katalanische Autonomieparlament wollte das so - nicht aus Tierliebe, sondern weil der Stierkampf als "spanisch" gilt. (sbo, rw, ast, fh/DER STANDARD-Printausgabe, 18.5.2011)