Webshops waren gefakt: Schaden von 20 Millionen Euro

17. Mai 2011, 18:30
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100.000 Kunden soll eine deutsch-österreichische Bande mit gefälschten Webshops um zwanzig Millionen Euro geprellt haben

Dass auf der US-Auto-Import-Seite hauptsächlich Audi, BMW, Porsche oder Ferrari angeboten werden, sollte eigentlich stutzig machen. Aber gegen das Schnäppchenfieber hat der Hausverstand oft keine Chance. Eine Gruppe von acht mutmaßlichen Internetbetrügern soll mit hunderten gefakten Webshops mindestens 100.000 Personen im deutschsprachigen Raum um zwanzig Millionen Euro geprellt haben. Sieben der Verdächtigen wurden in Bayern festgenommen, der achte in einer kleinen Ortschaft im Weinviertel. Es ist der bisher spektakulärste Schlag der Polizei gegen Massenabzocke im deutschsprachigen Raum.

Der heimische Verdächtige ist gerade erst 20 Jahre alt, hat vor zwei Jahren eine höhere Schule mit EDV-Ausbildung abgeschlossen und lebt laut Polizei seither von Gaunereien via Mausklick. Konkret soll der junge Mann aus Niederösterreich als Provider der Bande den Weg ins Web geebnet haben. "Er wusste, dass seine Kundschaft falsche Webseiten für Handel mit Waren aller Art ins Netz stellte und wurde dafür auch bezahlt. Außerdem war er das Mastermind hinter der Abschirmung gegen misstrauisch gewordene Kunden und gegen polizeiliche Ermittlungen", erklärte Rudolf Unterköfler, der Chef der Wirtschaftsfahnder im Bundeskriminalamt, am Dienstag.

Nur wenige Wochen online

Wie das Netzwerk funktionierte, haben die Kriminalisten gemeinsam mit Kollegen vom bayrischen Landeskriminalamt in eineinhalbjährigen Ermittlungen herausgefunden: Die Bande soll laufend neue Webshops kreiert haben, insgesamt mindestens 800, die jeweils immer nur für mehrere Wochen online waren. Angeboten wurde eine breite Palette: von Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräten über Autos bis hin zu Ferienhäusern.

Verlangt wurde Vorauszahlung, zumindest eine Anzahlung - "bei einem Gebraucht-Pkw für 5000 Euro wurden beispielsweise 25 Prozent sofort fällig", schildert Unterköfler. Die bestellten und bezahlten Sachen kamen aber nie. Bei Reklamation mussten die Kunden feststellen, dass es den Online-Shop gar nicht mehr gab. Die deutsche Polizei warnt davor, dass manche der entdeckten Seiten aus technischen Gründen noch nicht gesperrt worden seien.

Eine weitere Spezialität waren Online-Verkäufe von Software, die im Netz eigentlich gratis verfügbar ist. Und das gleich mit Abofallen, also der Verpflichtung, pro Monat um einen bestimmten Betrag einzukaufen; Freeware wohlgemerkt. In nur fünf Monaten gingen auf einer dieser Abzocke-Seiten mehr als 35.000 Registrierungen ein. "Auch wenn viele Kunden den Schwindel wahrscheinlich bemerkt haben, es reicht aus, wenn sich nur jeder Zehnte von Klagsdrohungen per E-Mail einschüchtern lässt und zusätzlich auch die Mahngebühr zahlt", so Unterköfler.

Netz von Finanzagenten

Um das ergaunerte Geld möglichst ohne Spuren verschwinden zu lassen, soll die Bande in einschlägigen Foren sogenannte Finanzagenten angeworben haben. Also Personen, die kurzfristig Konten eröffneten, auf denen die Auftraggeber zeichnungsberechtigt waren. Rund 1000 solcher Finanzagenten, die jeweils eine Belohnung erhielten, soll es gegeben haben. Die Polizei wird Monate brauchen, um auch dieses Netzwerk, das bis Ungarn und in die Tschechische Republik reicht, zu entwirren. Wahrscheinlich liegen die gescheffelten Millionen noch auf mehreren Konten irgendwo in einem Steuerparadies.

Eine eigene Abteilung Internetpolizei soll sich künftig nur um die boomende IT-Kriminalität kümmern. Im Vorjahr gab es 4450 Anzeigen - mehr als 100-mal so viele als noch vor zehn Jahren. (Michael Simoner/DER STANDARD Printausgabe, 17. Mai 2011)

  • Diese Seite soll zum Imperium der Webshop-Fälscher gehören. Das bayerische Landeskriminalamt warnt ausdrücklich davor, über usa-auto-kaufen.de Geschäfte abzuwickeln.
 
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    Diese Seite soll zum Imperium der Webshop-Fälscher gehören. Das bayerische Landeskriminalamt warnt ausdrücklich davor, über usa-auto-kaufen.de Geschäfte abzuwickeln.

     

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