Jugend & Gesundheit

Wohlfühlen ist wichtiger als Gesundsein

17. Mai 2011, 18:52
  • Artikelbild
    foto: apa/matthias rietschel

    Jugendliche betrachten Sport nicht unter dem Gesundheits-, sondern unter dem Gemeinschaftsaspekt.

Vorarlberger Jugendliche wollen sich bei ihrem Lebenswandel nicht dreinreden lassen - Spaß- und Gemeinschaftsfarktor zählen

Dornbirn - Jugendliche können mit dem Begriff "Gesundheit" wenig anfangen. Er ist für sie negativ besetzt, weil meist mit Verzicht oder Reglementierung verbunden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die von fünf Vorarlberger Gemeinden in Auftrag gegeben und vom Ludwig Boltzmann Institute for Health Promotion Research mit Jugendlichen und Jugendeinrichtungen realisiert wurde. 

Statt von Gesundheit sprachen die 50 Jugendlichen in den Gruppengesprächen lieber von Wohlbefinden. Wo und wie sie sich wohlfühlen, zeigten sie in einem sogenannten Photovoice-Prozess, bei dem sie Fotos ihrer Lebenswelten machten. Bilder und Gespräche wurden professionell ausgewertet und sollen künftig wie auch Ideen zu Gesundheitsangeboten, die in Workshops entworfen wurden, den Gemeinden Bregenz, Dornbirn, Lustenau, Hohenems und Bludenz als Entscheidungsgrundlage dienen. Ziel des Projekts ist, so die Leiterin des Forschungsprozesses, Martina Eisendle, die Akzeptanz für Gesundheitsangebote zu erhöhen. 

Um die Gesundheit der österreichischen Jugend sei es nicht gut bestellt, verweist die Sozialarbeiterin auf den aktuellen Bericht zur Lage der Kinder- und Jugendgesundheit. Im Europavergleich haben die Jugendlichen hierzulande mehr Gewalt- und Drogenerfahrung, leiden stärker unter psychosomatischen Beschwerden. 

Gesund ist ziemlich öd 

"Gesund ist man, wenn man so lebt, wie man will", erklärte ein Studienteilnehmer bei der Präsentation kurz und bündig. Wie die Fotos der Burschen und Mädchen zeigen, prägt ihre Lebenswelten ein wesentlicher Faktor: das (ungestörte) Zusammensein mit Freunden. Ob im öffentlichen Raum, in der Natur oder privat ist dabei nebensächlich. Sport wird nicht unter dem Gesundheits-, sondern unter dem Gemeinschaftsaspekt gesehen. 

Erwachsenen-Appelle für gesunde Ernährung oder gegen Drogen kommen bei den jungen Menschen nicht wirklich an. "Wenn ich einen Joint rauche oder was trinke, ist das nicht gesund, aber ich fühle mich wohl dabei", begründet ein junger Mann. Ein zweiter, der sein Wohlfühl-Foto bei McDonald's geschossen hat: "Gesund ist das Essen vielleicht nicht, aber ich gehe mit den Freunden gemeinsam hin, und das macht Spaß." 

Studienautor Johannes Marent rät Entscheidungsträgern, dass die Orientierung an Gleichaltrigen bei künftigen Angeboten durch "Peer to Peer Support" genutzt werden sollte. Das Wort Verzicht sollte in der Gesundheitsförderung gestrichen werden, das psychische Wohlbefinden in den Vordergrund rücken. Wesentlich für die Akzeptanz sei die Beteiligung der Jugendlichen.
Das Projekt Jugend und Gesundheit, in dessen Rahmen die Studie durchgeführt wurde, ist ein Beteiligungsprojekt. Jugendliche zeichnen für äußere und innere Gestaltung mitverantwortlich. Der Projekttitel "alls im grüana" (alles im grünen Bereich) kommt aus der Szenesprache und ist die übliche Antwort auf die Frage: "Wia goht's?" (jub, DER STANDARD Printausgabe, 18.05.2011)

Kommentar posten
10 Postings
A. Sieberer
03
18.5.2011, 08:51

Wenn Kinder in einer durchschnittlich gesundheitsorientierten Familie aufwachsen - mit regelmäßigem gemeinsamem, frisch gekochtem, vielfältigem Essen, Aktivitäts- und Ruhezeiten und freudvollem Umgang miteinander, bei dem Wohlbefinden über Dogmen steht - halten die sie es leicht aus, wenn sie in ihrer Jugendzeit über die Strenge schlagen.
Später setzt das Streben nach Wohlbefinden ganz von selbst wieder engere Grenzen ;-).

Lilith Boessse
 
19
17.5.2011, 20:27
schön!

da können sich die erwachsenen was abschaun.

diese ewigen reglementierungen und neuen erkenntnisse was - noch - gesund ist, was - nicht mehr - was doch anders wirkt aber auch nicht schlecht oder vielleicht sogar katastrophal ....

"gesund ist man, wenn man so lebt, wie man will" mag etwas kurzgegriffen oder naiv sein, gleichzeitig ist es ungemein weise!

Chat long
20
18.5.2011, 13:55
diskutabel!

Allein die Tatsache, dass man "lebt wie man will", greift viel zu kurz. Es gibt ja doch wohl genug (schon kranke) Menschen, die zwar so leben, wie sie "wollen", kurz- oder mittelfristig aber die bösen Konsequenzen einfahren.

(Beispiel: die vielen adipösen Jugendlichen und Erwachsenen, die zwar offensichtlich "so leben, wie sie wollen", aber sicher nicht "gesund" sind)

erich1963
00
18.5.2011, 08:48
Das wird jeder chronisch Kranke, der...

..immer sogelebt hat, wie er wollte, anders sehen.

Lilith Boessse
 
00
18.5.2011, 08:52
was hat das jetzt damit zu tun?

erich1963
11
18.5.2011, 13:03
Die meisten chronisch Kranken haben genau den Fehler gemacht,...

...sich jahre- und jahrzehntelang, was ihren Lebensstil betrifft, sich alle Freiheiten genommen zu haben und jedes Augenmaß verloren zu haben. Stichworte: Rauchen, Alkohol, Bewegungsarmut.

Das Zitat "Gesund ist man, wenn man so lebt, wie man will" liest sich gut, solange man es nicht hinterfragt. Jugendliche haben zwar tatsächlich oft noch viel Spielraum, aber die Lebensrealität der meisten Erwachsenen sieht leider anders aus.

Im Grunde geht es ja um ein erfülltes Leben und nicht nur ein gesundes.

Peter Widzky
13
18.5.2011, 13:34
ja ich schlage auch vor

dass wir uns vom zehnten lebensjahr an kasteien, auf dass wir freudlose hundert jahre werden...

erich1963
11
18.5.2011, 15:15
Wer fordert das?

MZ3
00
17.5.2011, 22:33

für den letzten satz gibts von mir grün. meine rede...

Lilith Boessse
 
00
18.5.2011, 08:52
=o)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.