Kopf des Tages

Benjamin Brafman, Strauss-Kahns Anwalt

17. Mai 2011, 18:07
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    foto: ap

    Benajamin Brafman (li.) und Dominique Strauss-Kahn

Er ist der Mann für heikle Jusztizfälle, der Jackson-Anwalt soll auch Strauss-Kahn rausboxen

Wie schnell Dominique Strauss-Kahn den Eiffelturm wiedersieht, liegt nicht zuletzt an dem Mann, der ihm im Gerichtssaal zur Seite steht: Benjamin Brafman. Ihm eilt der Ruf voraus, dass er Fälle gewinnt, die Kollegen für aussichtslos halten. Schlagfertig ist er, ausgestattet mit bissigem Witz, vor allem aber ein Menschenkenner.

Der gefeierte Anwalt besitzt die Gabe, sich so perfekt in die Gedankenwelt von Geschworenen hineinzuversetzen, dass er sie allein durch seine Art für sich einzunehmen weiß - und manchmal auch für einen Mandanten. Seine geringe Körpergröße, scherzte er einmal, sei doch wohl ein Indiz dafür, wie "down to earth", also wie bodenständig, er sei.

Brafman hat den Popsänger Michael Jackson gegen den Vorwurf des Kindermissbrauchs verteidigt. Er hat sich des Falls von Plaxico Burress angenommen, des Footballprofis der New York Giants, dem in einem Nachtclub ein versteckter Revolver aus der Hose fiel, wobei sich prompt ein Schuss löste. Für Burress handelte er zwei Jahre Gefängnis aus, eine vergleichsweise niedrige Strafe, während er für den Rapper Sean "Puff Daddy" Combs sogar einen Freispruch erreichte. Zwar hatten Dutzende bezeugt, dass Combs in einem Lokal an einer Schießerei beteiligt gewesen war, doch Brafman zog alle Register. "Ladies and Gentlemen", appellierte er an die Geschworenen, "Sie können ihn Sean nennen. Sie können ihn Mr. Combs nennen. Sie können ihn Puff Daddy nennen." Nur schuldig, setzte er die Pointe, schuldig dürfe man den Burschen auf der Anklagebank nicht nennen.

Was den 62-Jährigen auszeichnet, ist eine Lebensklugheit, die sich einer erwirbt, der aus schwerer Kindheit seinen Weg machte. Seine Mutter Rose floh 1938 aus der Tschechoslowakei, um der Judenverfolgung durch die Nazis zu entkommen. Sie war die Einzige in ihrer Familie, die rechtzeitig Papiere erhielt. Sein Vater Sol kam kurz vor dem Zweiten Weltkrieg aus Wien in die Neue Welt.

Nach schwierigen Teenagerjahren besuchte Brafman Abendschulen, studierte Jus an der Ohio Northern University, fing bei einer Anwaltskanzlei an und arbeitete vier Jahre für die Staatsanwaltschaft in Manhattan, bevor er ein eigenes Büro gründete. Mit einem Mafia-Fall katapultierte er sich 1985 ins Rampenlicht. Sein Leitspruch lautet: "Wenn jemand wie ich damit anfängt, moralische Urteile zu fällen, dann sollte er lieber den Beruf wechseln." (Frank Herrmann, DER STANDARD, Printausgabe, 18.5.2011)

anton b
00
20.5.2011, 21:27

Das fragwürdige amerikanische Geschworenen-System führt dazu, dass man Strafprozesse vor allem durch die Emotionalisierung des Falls gewinnt. Siehe der erste O. J. Simpson-Prozess. Die Beweislage war ziemlich eindeutig - aber kompliziert und daher langweilig. Die Geschworenen sind dann schnell überfordert. Ein guter Anwalt hat unter diesen Umständen nebst einem Talent für das Melodramatische vor allem die Kunst der Schleimerei zu beherrschen.

Juan Reigh
00
19.5.2011, 18:34
Ausgerechnet dieser Anwalt ???

Zen59
00
20.5.2011, 00:05
besseren

No Sie koennen ja versuchen DSK einen besseren zu vermitteln, falls Ihnen Bravman nicht gut genug scheint. Haben's schon eine Wiener Lokalgroesse ins Auge gefasst? Ganev ( oder heisst sie Genaf ) oder gar den blauen Boehm Dorfer ?

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