IWF-Nachfolger

Der lachende Dritte in Washington

András Szigetvari, 17. Mai 2011, 18:01
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Ein Europäer, ein Asiate oder doch ein Südamerikaner: Immer mehr Staaten beanspruchen den Chefposten beim Internationalen Währungsfonds

Wien - US-Finanzminister Timothy Geithner könnte es bei der Diskussionen über die Nachfolge von Dominique Strauss-Kahn leicht passieren, dass er grinsen muss. Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel hat Europas Anspruch auf den IWF-Chefposten gleich zu Wochenbeginn angemeldet. Brasilianische Diplomaten schlugen Dienstag einen der ihren oder Inder vor. Selbst China brachte sich ins Spiel: Pekings Außenministerium verwies dezent darauf, dass der künftige IWF-Chef ja nicht wie bisher ein Europäer sein müsse.

Berlin gegen Peking, Brüssel gegen Brasilia: Die Wortmeldungen zum vermutlichen Abgang von Strauss-Kahn muten an, als ob sich Europäer, Asiaten und Südamerika die Posten beim Internationalen Währungsfonds frei ausschnapsen könnten. Dabei sind sich Insider und Ökonomen ziemlich einig: Die wahren Machthaber beim IWF sind die Amerikaner. Und daran dürfte sich nichts ändern und zwar ganz gleichgültig, wer Strauss-Kahn nachfolgt.

Soweit das die Stimmrechte bei der wichtigsten Finanzorganisation der Welt betrifft, wird die US-Dominanz schon am Papier offensichtlich. Die Amerikaner haben den größten Anteil am IWF-Stammkapital eingezahlt. Sie halten 17 Prozent der IWF-Anteile und verfügen bei wichtigen Abstimmungen über ein Vetorecht. Auch das Gentlemen's Agreement zwischen den USA und der EU, wonach die Weltbank stets von einem Amerikaner und der IWF von einem Europäer geleitet wird, ist nur die halbe Wahrheit. Denn Teil der Vereinbarung war bisher auch, dass die Amerikaner den IWF-Vizeposten erhalten. Dass die USA auf diese Position verzichtet, gilt als unwahrscheinlich.

Doch die Gründe für die US-Dominanz reichen tiefer. Währungsfonds wie Weltbank werden in Wirklichkeit von einer großen Schar an Top-Ökonomen gemanagt. Sie geben die Richtung bei konkreten Programmen vor. Diese Experten kommen zwar aus unterschiedlichen Ländern. Gemein ist den meisten aber, dass sie an US-Eliteunis in Cambridge und Chicago ausgebildet worden. "Diese Uni-Absolventen bilden spezielle Seilschaften. Diese Gruppen sind vom Mainstreamdenken der US-Eliteunis dominiert und ihre Mitglieder sind in Amerika sozialisiert worden", weiß ein Washingtoner Insider.

Uneinige Europäer

Nun ist es zwar richtig, dass die Europäer die Macht hätten, diese Dominanz zu brechen. Zusammengenommen verfügen die EU-27 über größeres Stimmgewicht als die Amerikaner. "Doch nützt das nicht viel, denn die Europäer sind bei vielen zentralen Fragen gespalten", meint Nicolas Véron, vom Brüsseler Thinktank Bruegel.

Dabei spielen nicht nur Auffassungsunterschiede zwischen London, Berlin und Paris eine Rolle. Erschwerend hinzu kommt die Art und Weise, wie beim IWF Entscheidungen getroffen werden. Die meisten EU-Staaten sind in Stimmrechtsgruppen zusammengeschlossen. Der Chef der Gruppe, vertritt die Interessen der Gruppenmitglieder bei Abstimmungen. Diese "constituencies" wurden unter dem Eindruck des Zusammenbruchs der Sowjetunion neu gebildet. Ost und West sollten sich vermischen. So sitzt Österreich in einer Gruppe mit nicht EU-Staaten wie Weißrussland, Kosovo und der Türkei und muss deren Interessen mitvertreten. Die Niederländer repräsentieren Bosnien und die Ukraine.

Das Durcheinander ist bei den Schwellenländern allerdings noch größer und "Brasilien, China sowie Indien verfügen im Gegensatz zur EU nicht einmal über einen Mechanismus, um ihre Meinungsunterschiede zu koordinieren", sagt Véron. Die Chancen, dass sich Asien und Südamerika auf keinen gemeinsamen Kandidaten für die Nachfolge Strauss-Kahns einigen können, stehen laut Véron nicht schlecht.

Hilfreich beim anstehenden Postenschacher ist nur, dass gleich mehrere Plätze frei werden. 2012 endet auch die Amtszeit von Weltbankchef Robert B. Zoellick und damit dürfte auch diese Personalie Teil jeden Deals werden. (András Szigetvari, DER STANDARD, Printausgabe, 18.5.2011)

Kommentar posten
13 Postings
entenfutallesgut
00
18.5.2011, 05:46
Schickt Gio Hahn

dann haben wir wenigstens wieder beim Hearing was zu lachen :-o

Ich bin der Meinung...
00
18.5.2011, 11:26
Oder jenen Bluzer

für den Vorarlberg "to small for me" ist.

Pullutbay
00
17.5.2011, 23:40
Waere ein schoenes Zeichen

Waere eigendlich schon ein schoenes Zeichen, wenn endlich ein Repraesentant aus den Entwicklungslaendern entweder der Weltbank oder dem IWF vorsitzen wuerde. Der Artikel ist korrekt in dem er sagt, dass das Macht auf der Managementebene zu finding ist, aber es wuerde trotzdem klare Zeichen setzen. Schlussendlich sind die Organisationen dazu da, die Entwicklungslaender zu unterstuetzen und nicht umgekehrt.

Detail am Rande. Dem IWF war es untersagt, die sogenannten Country assessments ueber die USA zu machen. Alle anderen Staaten kamen zum Handkuss. Und promt die USA produzierten den 2008 Finanzkollaps.

Diese und andere Ungereimtheiten und Arroganz muesste ein Riegel vorgeschoben werden. Ich bin fuer einen Prasidenten aus Obervolta...

Warentester
00
18.5.2011, 03:51

Ein noch schöneres Zeichen wäre es, wenn alle Staaten außer den USA ihr Geld aus diesen Institutionen abziehen würden, und einen neuen IWF und eine neue Weltbank gründen würden. Mit einer moderneren Ausrichtung, ohne Veto, mit Gleichberechtigung nach Anteilen, und Rotation des Vorsitzes nach Staatengruppen. Das wäre zwar nicht ganz einfach und billig, würde aber langfristig viel bringen. Aber dazu sind unsere Politiker... "Treichl Zitat".

Besser Wisser
04
17.5.2011, 23:36
Genau auf den Punkt getroffen.

War ja auch exakt der richtige Zeitpunkt, um DSK zum Bauernopfer zu machen. Durch diesen Kommentar wird leichter verständlich, warum dieser nun in Einzelhaft auf einer Gefängnisinsel sitzt - auch wenn dies in nichts die bis dato beispiellose Vorgangsweise gegen eine einflussreiche und enorm wichtige Person der weltweiten Finanzpolitiksteuerung erklärt.
Wie naiv kann man eigentlich sein, um nicht zu erkennen, dass DSK nicht nur in eine üble Falle gestolpert ist, sondern obendrein die wesentliche Frage nicht zu stellen: Warum zum gegenwärtigen Zeitpunkt? Und: Welchen Interessen stand er entgegen?
Glaubt da echt noch wer, dass es um Sex ging?

Agnostiker1
11
17.5.2011, 23:09
Am lautesten schreit die Fekter über die Nachfolge von......

von Strauss-Kahn, völlig ungeachtet der Unschuldsvrmermutung. Sie ist ein lebendes Spiegelbild für unsere verlotterte Einstellung zu den Essentials eines Rechtsstaates.

Und gerade wir, die einen Mikro-Anteil am IWF halten, machen uns am wichtigsten. Treichl hat genau richtig sich geäusert.

Ungeachtet der Schuldfrage, ist es eine Fehlleistung der Amis, den Straiiss-Kahn wie ein Stück Vieh vorzuführen.

Paul Kat
02
18.5.2011, 00:12
wundert Sie das?

Sie hat ihr Urteilsfaehigkeit zur Genüge als Innenministerin und Ausländerfeindin zur Schau gestellt. Rechtstaatlichkeit wie Unschuldsvermutung etc. wurde und wird von ihr systematisch in Frage gestellt.
Schliesslich und endlich ist der DSR ja Ausländer, Sozi und Jude dazu. Und symphatisch ist er auch nicht.

Agnostiker1
10
18.5.2011, 11:07
Nein, wundert mich nicht. Gewundert hätte mich, wenn....

....Sie diei Fahne des Rechtsstaates hoch gehalten hätte.

Ggg14
05
17.5.2011, 19:48

So wie in fast allen wesentlichen Bereichen der Weltpolitik. Die Europäer hätten zwar das Gewicht, ganz entscheidend mitzubestimmen, und überlassen die Bühne freiwillig den Amerikanern, weil jeder Herr über seinen eigenen Schrebergarten bleiben will. Neuerdings sogar wieder mit Grenzbalken.

Krawuzi Kabuzi
05
17.5.2011, 20:31
Divide et impera

Das wußten bereits die alten Römer.

Agnostiker1
21
17.5.2011, 23:00
Völlig unpassend.

Wer herrscht? Wer teilt?

dryeti
01
18.5.2011, 02:22
die neoliberalen herrschen,

die paar Europäer die nicht dazu gehören werden in Gruppen mit anderen zusammengefasst die dazugehören.

Agnostiker1
10
18.5.2011, 11:12
Sie sollten sich einmal mit der Organisations- und ....

...Entscheidungsstruktur des IWF beschäftigen. Ausserdem haben Sie Ihre Antwort mit Gewalt zurecht gezimmert. Meine Frage ist nach wie vor, unbeantwortet.

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