Auswirkung auf Zivilgesellschaft

Tierschützer-Prozess wird Forschungsgegenstand

17. Mai 2011, 17:48

Projekt des Instituts für Ethik und Wissenschaft im Dialog

Wien - Der Tierschützer-Prozess, der Anfang Mai mit nicht rechtskräftigen Freisprüchen für alle 13 wegen Beteiligung an einer kriminellen Organisation angeklagten Aktivisten geendet hat, wird nun auch zum Forschungsgegenstand. Das Institut für Ethik und Wissenschaft im Dialog (IEWD) an der Fakultät für Philosophie der Uni Wien wird rechtliche Aspekte und die Auswirkungen des - umstrittenen - Verfahrens auf die Zivilgesellschaft untersuchen.

"Wir wollen wissen, ob die Einschränkung zivilgesellschaftlichen Engagements ein Kollateralschaden dieses Prozesses ist", erklärte Jurist Eberhart Theuer, der einer der Projektverantwortlichen ist, am Dienstag in einer Pressekonferenz in Wien. Er wird sich mit dem rechtlichen Teil der Forschungsarbeit beschäftigen: der Aufbereitung der Rechtslage, den Interpretationsmöglichkeiten des sogenannten Mafia-Paragrafen 278a StGB, dessen Erforschung in der Praxis anhand der Erfahrungen aus dem Prozess - Theuer war an sämtlichen der 88 Verhandlungstage anwesend - und vor allem auch den Änderungsmöglichkeiten für den Straftatbestand.

"Strukturellen Schwachstellen"

Hier dürfte er nach Meinung des Verfassungsexperten Bernd Christian Funk, der als einer der wissenschaftlichen Beiräte fungiert, auch ein weites Betätigungsfeld finden. Das Verfahren habe eine "Reihe von strukturellen Schwachstellen zutage gebracht", meinte er. Die Paragrafen 278, 278a und 278b seien "dringend reformbedürftig", viel zu weitläufig und führten zu einem "Verdachtsstrafrecht" bzw. zur "faktischen Beweislastumkehr" - nämlich dass sich Beschuldigte freibeweisen müssen statt umgekehrt. Aber auch viele rechtliche Strukturen im Umfeld - etwa die Strafprozessordnung - hätten sich als problematisch erwiesen, so Funk.

Anhand der internationalen Forschung und Literatur vor allem im nord- und angloamerikanischen Raum will der zweite Projektverantwortliche Erwin Lengauer vom philosophischen Institut die Auswirkungen des Verfahrens bzw. des Paragrafen auf die Zivilgesellschaft untersuchen. Eine empirische Studie in Österreich sei aufgrund der personellen und finanziellen Einschränkungen nicht möglich, erklärte IEWD-Leiter Peter Kampits. Lengauer will darstellen, wie Freiheiten durch die Untersuchungen eingeschränkt werden können, bei den Tierschützern eingeschränkt wurden und wie leicht man "durch ein wenig zivilgesellschaftliches Engagement in ein Fadenkreuz gelangen kann".

Ziel der Arbeit soll "die Einmischung der Bürger in ihre eigenen Angelegenheiten sein", sagte Kampits. Demokratie müsse getragen und gefördert, aber auch kritisch betrachtet werden. Mit dem Projekt wolle man dazu einen Beitrag leisten. Eine erste Publikation von Ergebnissen ist in etwa einem Jahr geplant. (APA)

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