Leider nicht Los Angeles

17. Mai 2011, 17:42
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Die Dokumentation beobachtet in Interviews, Reportagen und Filmausschnitten das in die Krise geratene Blockbuster-Segment

Nein, ich wandere nicht aus und werde Drehbuchautorin in Los Angeles. Sicher nicht. Das vormittägliche Fernsehprogramm auf Arte hat mir diese Vorstellung vergällt. Zwar hätte man von den Hollywood Hills einen schönen Blick auf die Filmstadt, doch man trifft dort de facto ja nur auf andere Drehbuchautoren und Schauspieler: Beim Joggen, im Waschsalon, auf der Parkbank. Und das Kinobusiness ist auch nicht mehr so schön, wie es angeblich einmal war.

Die Dokumentation "Made in Hollywood" von Anne Feinsilber beobachtet in Interviews, Reportagen und Filmausschnitten das in die Krise geratene Blockbuster-Segment samt seinen zum Teil pensionierten Protagonisten. Drehbuchseminarleiter Robert McKee etwa definiert einen Blockbuster als Mythenerzählung; es gehe immer um das Überleben der ganzen Menschheit wie in "Star Wars", "Top Gun" oder "Jurassic Park". Man braucht 300 Millionen Dollar, die im Fall von "Avatar" dann 2,8 Milliarden Dollar einspielen; mittlerweile sind die Studiobosse in erster Linie führende Marketingstrategen.

Eine Autorin sagt, noch nie wurde ein Drehbuch von ihr verfilmt, und wenn es so wäre, dann hätten es andere bis zur Unkenntlichkeit umgeschrieben. Deprimierend ist das. Sogar der Ex-Präsident von Tristar Pictures, Mike Medavoy, wird nachdenklich, wenn er rekapituliert, dass viele der großen Hollywood-Filme aus dem Nichts kamen, also ohne aggressives Marketing und sogar gegen den Willen der Studios entstanden sind: "Einer flog über das Kuckucksnest", "Platoon", "Das Schweigen der Lämmer". Heute aber sind Blockbuster Teil des Shoppertainments. Ach.

Also ich bleib da und schau mir das weiter im Fernsehen an. (Margarete Affenzeller/DER STANDARD; Printausgabe, 18.5.2011)

  • Blockbuster, "Made in Hollywood".
    foto: arte

    Blockbuster, "Made in Hollywood".

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