Arbeit, Bildung und Friede

17. Mai 2011, 17:18
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Eine Produktion über das Wesen der Arbeit und die Krise des Kapitalismus, durch die der Krupp'sche Geist wabert: "Tauschgeschäft" beim Viertelfestival Niederösterreich

Berndorf - "Reich an Erfolgen, wie an Kummer und Sorgen", das ließ Arthur Krupp (1856-1938) auf seine Todesanzeige schreiben.

Unter dem Erben der Metallwarenfabrik wuchs das kleine Berndorf von 2.000 auf fast 13.000 Einwohnern an. Krupp polierte die Infrastruktur auf: Der Protestant baute eine katholische Kirche, einen Schlachthof, einen Konsumverein, ja sogar ein Freibad. Der Patron ließ Arbeiterhäuser im Stil einer Gartenstadt bauen, residierte selbst aber in einer großzügigen Villa. Bereits die Volksschüler wurden auf sein Bestreben in Stilkunde unterrichtet.

Nicht zu vergessen: Er ließ das erste Arbeitertheater der österreichisch-ungarischen Monarchie errichten. Dennoch war der väterliche Wohltäter mit dem Wahlspruch "Arbeit, Bildung und Friede" auch Firmenchef mit kapitalistischen Interessen. Und so stieß das Krupp'sche Unternehmertum mit der aufkommenden Arbeiterbewegung auch auf Kritik.

Der Arbeitgeber, der obendrein noch verlangt, geliebt zu werden, ist nur eines von vielen Motiven der Produktion Tauschgeschäft, die beim Viertelfestival Niederösterreich am Donnerstag einmalig zu sehen ist.

Ausgangspunkt der Produktion war das Kunstprojekt Company (2009) von Beatrix Zobl und Wolfgang Schneider. Zwei Jahre lang besuchten die Künstler das Betriebsgelände der heutigen Berndorf AG und führten Interviews auf allen Ebenen, die nun Material für die "waghalsige Revue" (realisiert mit Seppo Gründler, Ed. Hauswirth, Rubert Lehofer) rund um Arbeit, Industrie, Clowns und Kapitalismus sind. Laut Lehofer geht es stark um die Frage "Was ist Arbeit?", um die Identität des Arbeitnehmers, Ängste vor "Freisetzung" und Umstrukturierung. Alltägliche Themen also, die mit Absicht "gar nicht revuetauglich sind". Es sind nicht die typischen Ingredienzen einer Show, aber doch wesentlich. (Anne Katrin Feßler/DER STANDARD, Printausgabe, 18. 5. 2011)


Stadttheater Berndorf, Info, Shuttlebus: 02672/ 82253-43, www.zoblschneider.net, einmalig Do, 19. 5., 19.30

  • Ein Unternehmen, Arbeiter, Angestellte, Manager, Wissenschafter, 
Künstler und die Frage nach dem Wesen der Arbeit: "Tauschgeschäft"
    foto: zobl/schneider

    Ein Unternehmen, Arbeiter, Angestellte, Manager, Wissenschafter, Künstler und die Frage nach dem Wesen der Arbeit: "Tauschgeschäft"

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