Bronzewaffe stammt aus dem Umfeld des Fundortes der Himmelsscheibe von Nebra
Halle - Bei Grabungen an der künftigen ICE-Strecke
Erfurt-Halle-Leipzig in Deutschland ist Archäologen ein Glücksfund gelungen: Die Historiker entdeckten ein 3.400 Jahre altes Bronzeschwert aus
dem Umfeld des Fundortes der Himmelsscheibe von Nebra. Die etwa 35
Zentimeter lange Waffe wurde am Dienstag im Landesmuseum für Vorgeschichte in
Halle präsentiert. Der Fund soll voraussichtlich ab dem kommenden Jahr in der
Dauerausstellung des Museums zu sehen sein.
"Das Bronzeschwert lag als Beigabe im Grab eines regionalen Herrschers der
mittleren Bronzezeit", sagte Landesarchäologe Harald Meller. Die Archäologen
hatten über das bereits 2009 in Oechlitz (Saalekreis) gefundene Bronzeschwert
bisher nicht berichtet. Bei den Grabungen wurde auch ein etwa 400 Meter langer
prähistorischer Weg mit zwei Fahrspuren aus der Bronzezeit entdeckt.
Herrscher kontrollierte Verkehrswege
"Die Funde sind ein Glücksfall, weil wir dadurch die Menschen der
Himmelsscheibe besser verstehen", sagte Meller. "Diese Herrscher kontrollierten
offenbar die Verkehrswege und damit auch die Warenströme durch das
mitteldeutsche Gebiet." Aber nach dem Bedeutungsverlust der Scheibe vor 3.600
Jahren sei die Macht der Herrscher vermutlich zurückgedrängt worden, was anhand
der nicht mehr so prunkvollen Grabbeigaben erkennbar sei, sagte Meller.
Entlang der 64 Kilometer langen ICE-Strecke durch den Süden Sachsen-Anhalts
wurden zwischen 1994 und 2010 insgesamt mehr als 400.000 Funde aus über 1.000
Gräbern und früheren Siedlungen geborgen. Die ältesten Funde sind 7.300 Jahre
alte Keramikscherben aus der Jungsteinzeit. (APA)