Wohn- vs. Gewerbeimmobilien

"Wien hat nur gute Lagen"

Markus Böhm, 18. Mai 2011, 12:21
  • Artikelbild
    foto: premium immobilien ag

    Ein Zinshaus der Premium Immobilien AG in Wien. Durch die gute öffentliche Verkehrsanbindung gibt es in der Bundeshauptstadt kaum noch Unterschiede bei der Wertigkeit der Lage.

  • Artikelbild
    foto: premium immobilien

    Walter Wittmann: "Ich kann aus einem hundert Jahre alten Zinshaus natürlich kein Passivhaus machen. Dennoch ist Nachhaltigkeit ein Thema."

Warum Büros zwar höhere Renditen erzielen, man mit Wohnungen aber längerfristig planen kann, erläutert Premium-Immobilien-Vorstand Walter Wittmann

STANDARD: Wohnimmobilien hat die Krise bei weitem nicht so hart getroffen wie Gewerbeimmobilien. Wie lässt sich das erklären?

Wittmann: Gewerbeimmobilien sind viel stärker von der Konjunktur abhängig. Das ist bei Wohnungen nicht der Fall. Die Krise hat gezeigt: Ein Wohnungsmieter zahlt seine Miete weiter. Die Krise ist beinahe spurlos am Investor vorübergegangen. Gewerbeimmobilien und Büros bringen in der Regel eine höhere Mietrendite, doch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten haben sie eventuell damit zu kämpfen, dass die Räume nicht optimal oder gar nicht vermietet werden können. Die Leerstandsrate ist auch auf die Neubautätigkeit bei Büros zurückzuführen. Im Gegensatz dazu gibt es in Wien definitiv zu wenige Wohnungen. Deshalb wird jede Sanierung, jeder Neubau vom Markt begrüßt.

STANDARD: Gibt es die Tendenz, Büros in Wohnungen umzuwandeln, speziell in der Wiener Innenstadt?

Wittmann: Es gibt Büros, die von der Lage her interessant sind, deren Ausstattung aber keinen Mieter mehr anlockt. Alle fünf bis sieben Jahre sollte es bei Büros ein sogenanntes Refreshment geben - wenn das verabsäumt wird, bringt das Büro nicht mehr die Miete, die man anfangs kalkuliert hat. Als Alternative bietet sich an, diese in Wohnungen umzuwandeln, was allerdings einen hohen Baukostenanteil nach sich zieht. Das wird aber durch die potenziell höhere und langfristigere Mietauslastung wieder wettgemacht. Und da Wohnimmobilien in guten Lagen rar sind, greift man tendenziell auch auf Büros zurück.

STANDARD: Lässt sich die Qualität von Gewerbeflächen mit der von Wohnflächen vergleichen?

Wittmann: Nicht unbedingt. Es gibt selbstverständlich Abstufungen: Ein Fachmarktzentrum wird so konzipiert, dass es nach spätestens 15 Jahren Nutzung wieder abgerissen wird. Dementsprechend sind die Baukosten im Wohnbereich schon einmal höher anzusetzen, auch weil sie langfristiger angesetzt sind.

STANDARD: Nachhaltigkeit spielt bei Gewerbeimmobilien eine immer bedeutendere Rolle. Wie stellt sich die Lage bei Wohnungen dar?

Wittmann: Ich kann aus einem hundert Jahre alten Zinshaus natürlich kein Passivhaus machen. Dennoch ist Nachhaltigkeit ein Thema. Was die Wohnhaussanierung betrifft - dort, wo wir hauptsächlich tätig sind -, haben wir es beispielsweise mit einem Zinshaus mit 40 Wohnungen zu tun, die mit Holz- oder Ölöfen ausgestattet sind, schlechte Fenster haben und kaum gedämmt sind. Wir sanieren thermisch, schließen das Haus an die Fernwärme an. Das ist schon deshalb nachhaltig, weil der Effekt im Vergleich zwischen vorher und nachher sehr groß ist. Das Ziel ist immer, das Haus zeitgemäß zu sanieren. Was darüber hinaus noch möglich wäre, hätte kaum eine Auswirkung. Schließlich haben wir immer die Kosten-Nutzen-Relation vor Augen: Irgendwer muss es bezahlen.

STANDARD: Das heißt, es hätte Einfluss auf die Miete.

Wittmann: Richtig. Das Gleiche gilt letztendlich auch für die Anpassung von Büroflächen.

STANDARD: Wie fällt die Entscheidung, welches Objekt lohnenswert für eine Investition ist?

Wittmann: Wir sondieren ständig den Markt, entweder wir finden ein Zinshaus, oder es wird uns angeboten. Hinzu kommt eine gewisse Vorstellung von der Lage. Wobei der Faktor Lage in Wien mittlerweile untergeordnet ist.

STANDARD: Warum ist das so?

Wittmann: Das liegt an der guten öffentlichen Verkehrsanbindung - und je besser die ist, desto leichter ist es mit der Vermietung. Es gibt in Wien kaum Bezirke, die so gesehen benachteiligt sind. Natürlich gibt es so etwas wie Besitzerstolz. Aber davon abgesehen ist die Stadt flächendeckend zum Vermieten gut geeignet. Ob ein Objekt attraktiv ist, ob es sich auszahlt zu investieren, entscheiden nicht zuletzt mögliche Förderungen, Preisniveau sowie die Sanierungsbedürftigkeit.

STANDARD: Was passiert dann?

Wittmann: Bereits im Zuge der Konzeption finden sich private Investoren. Diese haben die Gewissheit, dass sie in ein Objekt investieren, das von Grund auf saniert wird und deshalb eine solide Anlage ist, in der sich keine versteckten Mängel finden.

STANDARD: Was schaut für einen Investor dabei heraus?

Wittmann: Früher wurde eine Immobilie immer nach dem Motto bewertet "Wie viel ist das Haus in 20 Jahren wert?". Von dem kommt man allmählich ab. Heute geht es vermehrt um die Mietrendite. Wir sprechen hier von einem langfristigen Investment. Wenn man der Sache Zeit gibt, kann man mit einer Mietrendite von fünf bis sieben Prozent rechnen.

STANDARD: Ihre Gesellschaft ist im Osten Deutschlands aktiv. Was macht diesen Markt attraktiv?

Wittmann: Es gibt ein Tochterunternehmen in Berlin, das Wohnhäuser angekauft hat. Diese bieten wir als "Private Placement" Investoren für einen Zeitraum von zehn Jahren an. Damals, 2004, waren diese Immobilien noch günstig zu haben. Das hat sich mittlerweile schon geändert. Berlin ist bereits auf dem Niveau von Wien. Außerdem boomt der deutsche Osten momentan. Porsche stellt in Leipzig beispielsweise tausend zusätzliche Arbeiter an. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt. Die Renditen sind auf hohem Niveau. Entscheidend ist die Mikrolage - die Nähe zum Arbeitsplatz, zu Einkaufsstraßen, zu Gewerbegebieten. (Markus Böhm, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15.5.2011)

WALTER WITTMANN (49) ist seit 2003 Vorstand der Premium Immobilien AG. Er studierte BWL an der WU Wien.

Wissen: Sanieren und platzieren

Die Premium Immobilien AG ist ein österreichischer Immobilienentwickler und Spezialist für "Wohnen als Geldanlage" für private und institutionelle Investoren. Seit 1995 konzipiert und entwickelt das Unternehmen Immobilienprojekte in Österreich und Deutschland. Bis dato wurden für Anleger über 150 Zinshäuser erworben. Darin befinden sich mehr als 4.400 Wohnungen mit einer umgebauten Gesamtfläche von 290.000 Quadratmeter. In Summe haben Anleger eine Mrd. Euro in Premium-Immobilien veranlagt. Kerngeschäft des Unternehmens ist es, sanierungsbedürftige Wohnimmobilien zu erwerben, diese - auch mit Mitteln der öffentlichen Hand - zu sanieren und für Investoren zu platzieren. (max)

Soph Isticus
41
18.5.2011, 18:35
Genau das, was der gute Mann sagt, sollte endlich die Politiker aufrütteln - auch Büros gehören - und zwar zur Gänze ins MRG! Einerseits hat es durch die Krisen Tausende Selbständige gegeben und gibt es diese noch,

die mehr oder weniger Tag&Nacht im Büro schuften u somit dieses als Wohnung (zwangs)benutzen. Eine eigene Wohnung könnten sie sich sowieso nicht leisten.

Schon aus dieser Überlegung täte der Gesetzgeber gut daran, von der Unterscheidung Wohnung-Büro abzurücken!

So kann es lt OGH einem Wohnungsmieter auch nicht vorgeworfen werden, wenn er ein PR-Unternehmen ausschließlich in seiner Wohnung führt.

Warum man die Kategoriemerkmale nur auf Wohnungen anwendet, aber nicht auf Büros wird hier massiv in Frage gestellt.

Wenn man nämlich so intensiv arbeiten muss, dass sich ein Wohnen nicht vermeiden lässt, man aber wegen widmungswidriger Verwendung (als Wohnung) gekündigt werden kann, ist de facto die Wirtschaftskrise der Kündigungsgrund.

stefan1981
32
18.5.2011, 18:54

das mrg ist veraltet und kommt einer enteignung der liegenschaftsbesitzer gleich.

die mietzinsbildung sollte außerhalb des geförderten bereichs dem markt überlassen werden.

weiters ist die unterscheidung in wohnungs und geschäftsraummiete durchaus sinnvoll.

außerdem kann man ja auch in der wohnung seinen 1 mann betrieb führen. da spricht ja nix dagegen. da brauchen sie sich kein büro zu mieten. wo ist das problem?

Soph Isticus
11
19.5.2011, 10:58
ich kann auch ein ...

... 2 oder Mehrmann Büro in meiner Wohnung führen. Alle Besucher sind eben keine Kunden, sondern meine Privatgäste.

Also?!

Wozu brauchen wir dann die Unterscheidung Wohnung-Büro noch?

Das MRG ist INSOFERN veraltet u realitätsfremd.

Sie haben die Sinnlosigkeit selbst erkannt, beharren aber weiter auf der Unterscheidung.

immofuchs
01
19.5.2011, 14:06
lieber sophisticus

wenn es keinen Unterschied gibt, kann man auch bei Büros alles totregeln oder den Wohnungsmietmarkt völlig freigeben. Wünschen sie sich und dem Wirtschafts und Bürostandort Ö das ernsthaft?

stefan1981
10
19.5.2011, 11:20

natürlich können sie das. wobei eine gänzlich widmungsfremde nutzung schon allein aufgrund der bauordnung "gefährlich" ist. ausserdem stellt das auch einen kündigungsgrund dar.

die unterscheidung ist insoferne schon wichtig. es muss einfach eine preisliche unterscheidung möglich sein ob jemand sein dringendes wohnbedürfnis in der wohnung befriedigt oder ob jemand in einem altbaupalais ein schönes büro haben will!

wie gesagt, ich bin grundsätzlich dafür die preise ausserhalb des geförderten bereichs dem markt zu überlassen. aber da das nicht passieren wird....

Susanne_B
10
18.5.2011, 12:51

Langfristig
Längerfristig

Redaktion derStandard.at/Immobilien
01
18.5.2011, 13:11
Danke für den Hinweis! ;-)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.