U-Haft auf "Rikers Island"

Strauss-Kahn: Einzelhaft auf Gefängnisinsel

17. Mai 2011, 18:35

3,5 mal 4 Meter große Einzelzelle "zu seiner eigenen Sicherheit" - IWF-Chef räumte laut Anwälten "einvernehmlichen Sex" ein

Washington - Die Anwälte des inhaftierten IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn basteln fieberhaft an einer Verteidigungslinie. Nach Informationen eines New Yorker Boulevardblatts soll "DSK", wie er in Frankreich genannt wird, "einvernehmlichen Sex" mit einer Hotelangestellten eingeräumt haben. "Frankreichs führender Präsidentschaftskandidat mag über ein Zimmermädchen in Manhattan hergefallen sein - aber sie wollte es", schrieb ein New Yorker Boulevardblatt am Dienstag.  "Es ist durchaus möglich, dass sie einverstanden war", zitiert die Zeitung "eine Quelle aus der Nähe der Verteidigung".

Einzelzelle in Rikers Island

Stunden zuvor war Strauss-Kahn in das berüchtigte New Yorker Gefängnis Rikers Island verlegt worden. Die Haftanstalt liegt auf einer Insel im East River (siehe Hintergrund).

Der unter dem Verdacht der versuchten Vergewaltigung stehende IWF-Chef habe zu seiner eigenen Sicherheit eine Einzelzelle, teilte die New Yorker Justizvollzugsbehörde mit. Die Zelle ist 3,5 Meter mal 4,0 Meter groß und verfügt über eine Basis-Ausstattung. Dazu gehören ein Bett, eine Trinktasse, Seife, Shampoo sowie Zahnpasta.

Kein Kontakt zu Mithäftlingen

Der Gefängniskomplex bietet Platz für rund 17.000 Gefangene. Strauss-Kahn werde aber keinen Kontakt zu anderen Insassen haben, sagte der Sprecher der New Yorker Justizverwaltung. Dies bedeute aber nicht, dass er immer in seiner Zelle bleiben müsse. Vielmehr werde er bei jedem Freigang von einem Gefängniswärter begleitet.

Der 62-jährige Franzose soll am Samstag versucht haben, in einem New Yorker Luxushotel ein Zimmermädchen zum Sex zu zwingen. Er wurde wenige Stunden später in einem Flugzeug festgenommen. Ihm werden nun versuchte Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und Freiheitsberaubung vorgeworfen.

Kaution wurde abgelehnt

Der nächste Gerichtstermin ist für Freitag angesetzt. Eine Haftrichterin lehnte es am Montag ab, den Banker gegen eine Kaution aus der Untersuchungshaft freizulassen und begründete dies mit Fluchtgefahr. Strauss-Kahns Anwälte hatten zuvor eine Kaution in Höhe von einer Million Dollar (rund 700.000 Euro) angeboten. Anwalt Benjamin Brafman betonte nach der Verhandlung erneut, Strauss-Kahn weise die Vorwürfe zurück und wolle seinen Namen und seinen Ruf wiederherstellen.

Die Richterin hatte im Gerichtssaal Fotografen und Kameraleute zugelassen - anders als am Sonntag trug Strauss-Kahn allerdings keine Handschellen. Der 62-Jährige war am Sonntag in Handschellen aus einem New Yorker Polizeirevier abgeführt worden. Die Bilder waren um die Welt gegangen und hatten eine Schockwelle ausgelöst.

Schock auch in Brüssel

Beim Treffen der Finanzminister der Euro-Länder am Montagabend in Brüssel, an dem Strauss-Kahn ursprünglich teilnehmen sollte, zeigten sich zahlreiche Politiker schockiert. "Ich bedauere die Situation sehr, er ist ein guter Freund von mir", sagte der luxemburgische Regierungschef Jean-Claude Juncker. "Die Bilder, die ich heute morgen im Fernsehen gesehen habe, haben mir nicht gefallen." Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde sagte, die Lage ihres Landsmanns sei "niederschmetternd und schmerzhaft".

Zugleich nannte Juncker Überlegungen für die Nachfolge Strauss-Kahns zu diesem Zeitpunkt "unangemessen". "Bis Strauss-Kahn zurücktritt, werde ich mich nicht zu dieser Frage äußern", sagte Juncker. Sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als auch Belgiens Finanzminister Didier Reynders hatten vor den Gesprächen in Brüssel erklärt, sich für einen Europäer an der Spitze des IWF auszusprechen.

Nachfolgespekulationen

Nach Informationen der deutschen "Bild"-Zeitung werden in Berlin bereits die Namen des derzeitigen Chefs der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London, Thomas Mirow, sowie von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann für eine Nachfolge Strauss-Kahns genannt. Auch über eine Nachfolge des Franzosen durch Lagarde wurde bereits spekuliert. Die französische Finanzministerin verweigerte dazu beim Finanzministertreffen in Brüssel jedoch jeglichen Kommentar.

Der IWF-Verwaltungsrat erklärte am Montagabend, vorerst die weiteren Entwicklungen im Verfahren gegen Strauss-Kahn abwarten zu wollen und noch keine Entscheidung hinsichtlich dessen Zukunft beim IWF getroffen zu haben. Der Verwaltungsrat war zuvor zu einer Sondersitzung wegen der Vorwürfe gegen den Vorsitzenden zusammengekommen. (Reuters/APA)

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red_lich
02
18.5.2011, 21:32

die moralische verurteilung von sexualdelikten ist das eine -
die moralische verurteilung eines menschen, dem ein sexueldelikt vorgeworfen wird, das aber noch nicht bewiesen ist, ist das andere

will sagen: auch bei einem schweren vorwurf müssen die rechte des beschuldigten gewahrt bleiben -

es ist ein unterschied, ob eine harte strafe folgt,

oder weil vor lauter empörung über so eine tat grundsätzlich der vorwurf gleich einmal für die wahrheit gehalten wird -
und vorverurteilung als "moralische unbestechlichkeit in der sache" missverstanden wird.

tanuki2
12
18.5.2011, 18:39
In Österreich

hätte man die Frau sofort ins Gefängnis gesteckt wegen übler Nachrede.

Und DSK wäre ohne jede Presse diskret abgereist

sensortimecom
00
18.5.2011, 16:23
Can the can?

Doch!

Wer KAHN, der kann....

;-)

somussesnichtsein
21
18.5.2011, 13:57
so wie es aussieht war das nicht

das erstemal das dieser überdrüber in diese richtung auffällig wurde.

also einsperren - hoffentlich lange!

bar aufs handerl
01
18.5.2011, 11:06
"basisaustattung"

laut artikel unter anderem "ein Bett, eine Trinktasse, Seife, Shampoo sowie Zahnpasta".

wie, klo gibt's keines? und neben bett und zahnbürste muss man auch mitbringen? was ist der sinn dieser scheindetaillierten aufzählung?

P. aus B. bei S.
01
18.5.2011, 10:11
Da man sich in Frankreich so überschlägt ...

... und das Verhalten der US-amerikanischen Polizei und Justiz brandmarkt, frage ich mich ernsthaft, was eigentlich geschehen wäre, wenn Monsieur Strauss-Kahn in einem Hotel in Paris oder Marseille dergestalt zugeschlagen hätte. Hätte man DSK laufen lassen und das Zimmermädchen diskret in Richtung Ghana entsorgt?

Proudhon
00
18.5.2011, 14:31

achja und noch was: Guinea nicht Ghana.

P. aus B. bei S.
00
18.5.2011, 15:31
Danke für die Korrektur!

Proudhon
01
18.5.2011, 14:29

nein aber dort werden (per Gesetz!) Beschuldigte nicht der Öffentlichkeit in Ketten vorgeführt und man rennt dort auch nicht einfach von Polizei Seite aus mit allem möglichen zur Presse. die Schauprozesskultur hat man dort nach der Dreyfuss-Affäre nämlich abgeschafft.

P. aus B. bei S.
00
18.5.2011, 15:36
Die öffentliche Vorführung ist das Eine,

und ich finde das ind er geschehen Weise nicht in Ordnung. Aber hätte man ihn in Frankreich wirklich auch festgenommen, oder hätte man mit Rücksicht auf die hohe Würde seines Amtes und seine wichtige Rolle im politischen System nicht eine für ihn angenehmere Lösung gefunden?

vergib ihnen, denn...
11
18.5.2011, 09:30
das wirklich seltsame ist doch:

da putzt eine den Flur der Luxus-suite, wo der Mieter zu hause und im Bad ist. Wo gibts denn sowas? Nicht mal in einem 2-sterne-hotel passiert sowas. Ich finde, dass es geklärt werden muss, welche Regeln dieses Hotel hierzu pflegt. Welche doch sehr seltsame ausnahme hier Wirkung zeigte.

P. aus B. bei S.
00
18.5.2011, 09:51
Ich nehme mal an, dass ...

... a) eine Luxus-Suite für $ 3.000 pro Nacht größenmäßig etwas über dem einer Bleibe in einem Zwei-Sterne-Hotel ist und man im Flur der Luxus-Suite eventuell nicht mitbekommt, dass da noch jemand im Bad steckt und/oder b) Monsieur Strauss-Kahn eventuell das "Do not distrub"-Schild nicht rausgehängt hat. Vielleicht auch nicht. Vielleicht ist das Zimemrmädchen auch einfach schusselig gewesen und reingelatscht. So was soll vorkommen.

Nizza
11
18.5.2011, 08:43

Wenn man bedenkt, dass so eine Person fast Staatspräsident von Frankreich geworden wäre: Ein sexuell Getriebener, ohne Moral und Anstand. Frankreich hatte Glück, dass dieser Kelch an ihnen vorübergegangen ist.

The Brain User
00
18.5.2011, 12:50
Waren sie dabei?

Ich denke nicht! Aber warum reißen sie dann derart groß die Klappe auf?

jimmydean
01
18.5.2011, 12:11
den italienern ist dieser kelch ja leider nicht erspart worden

P. aus B. bei S.
01
18.5.2011, 10:07
Leider, leider, leider ...

... sind auch schon ganz andere Naturen in dergleichen Positionen gekommen.

ensan
32
18.5.2011, 08:41

die mediale hinrichtung DSKs von seiten der amerikanischen medien verlangt eine klare und eindeutige antwort. sofortiger abbruch aller diplomatischen beziehungen, abzug aller europäischen truppen aus afghanistan und dem irak und einfrieren aller vermögenswerte amerikanischer staatsbürger in europa (die schweiz ist gefragt). mal sehen wie die amis reagieren, wenn ihnen auch noch der letzte partner auf dieser welt abhanden kommen wird. wie lange möchte sich europa von den amis noch auf den kopf schei**en lassen???

tock tock tock
23
18.5.2011, 08:51
zwecks eines vergewaltigers?

i glaub, ihnen gehts ned ganz gut.

Gerda Soros
02
18.5.2011, 08:47

DSK ist nicht Europa. Was Du verlangst, ist ein Verhalten ähnlich George W. Bush und da hoffe ich sehr, dass - abgesehen von Berlusconi - die europäische Politik im Niveau doch noch drüber bleibt. War DSK ein Schwein, dann gehört er ins Gefängnis und dann gehört sein Ruf natürlich auch ramponiert. Dass ein Berlusconi mit seiner Perversion Staatschef bleibt, spricht zweifellos in dieser Angelegenheit nicht für die Europäer.

Nizza
11
18.5.2011, 08:32

Laut Gefängnispsychologen ist Strauss-Kahn selbstmordgefährdet. Ich denke, er wird sich schon an das Gefängnis gewöhnen. Er hat ja noch ein paar Jährchen vor sich.

xernot
00
18.5.2011, 08:32

"Nach Informationen der deutschen "Bild"-Zeitung" ... gehts noch lieber standard ... ich hab diese zeitung mal wirklich gerne gelesen, was sollen denn das bitte fuer quellen fuer eine qualitativ hochwertige zeitung sein.

"lt. angaben von oe24.at, krone.at und dem qualitaetsblatt heute ... " pfff

Proudhon
00
18.5.2011, 11:21

das ist eine APA/Reuters Meldung. wie dort gearbeitet wird, weiß man ja. Leider erlaubt das Onlinesystem offensichtlich nicht, diese Meldungen auch sofort redaktionell zu prüfen, insofern will ich dem Standard da mal nix schlechtes nachsagen. Allerdings wär es Zeit sich mal was zu überlegen, denn das ist ja nicht das erste Mal, dass journalistisch fragwürdige und inhaltlich einfach falsche Artikel unter eigenem Namen unter die Leute gebracht werden.

Aiwaz
00
18.5.2011, 09:01

Nicht nur das im ersten Absatz heisst es auch:"Nach Informationen eines New Yorker Boulevardblatts"
Sollte normalerweise nicht vorkommen, eher noch umgekehrt, ich kann mich Ihrer empörung nur anschliessen....

Jonny van Irgendwas
 
20
18.5.2011, 08:11
Haft

Der wird ja wie ein Schwerkrimineller behandelt. Als nächstes gibts die Todesstrafe.

somussesnichtsein
01
18.5.2011, 13:59
das was der da gemacht hat

ist ein schweres verbrechen

deshalb wird er auch so beghandelt!

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