3,5 mal 4 Meter große Einzelzelle "zu seiner eigenen Sicherheit" - IWF-Chef räumte laut Anwälten "einvernehmlichen Sex" ein
Washington - Die Anwälte des inhaftierten IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn basteln fieberhaft an einer Verteidigungslinie. Nach Informationen eines New Yorker Boulevardblatts soll "DSK", wie er in Frankreich genannt wird, "einvernehmlichen Sex" mit einer Hotelangestellten eingeräumt haben. "Frankreichs führender Präsidentschaftskandidat mag über ein Zimmermädchen in Manhattan hergefallen sein - aber sie wollte es", schrieb ein New Yorker Boulevardblatt am Dienstag. "Es ist durchaus möglich, dass sie einverstanden war", zitiert die Zeitung "eine Quelle aus der Nähe der Verteidigung".
Einzelzelle in Rikers Island
Stunden zuvor war Strauss-Kahn in das berüchtigte New Yorker Gefängnis Rikers Island verlegt worden. Die Haftanstalt liegt auf einer Insel im East River (siehe Hintergrund).
Der unter dem Verdacht der versuchten Vergewaltigung stehende IWF-Chef habe zu seiner eigenen Sicherheit eine Einzelzelle, teilte die New Yorker Justizvollzugsbehörde mit. Die Zelle ist 3,5 Meter mal 4,0 Meter groß und verfügt über eine Basis-Ausstattung. Dazu gehören ein Bett, eine Trinktasse, Seife, Shampoo sowie Zahnpasta.
Kein Kontakt zu Mithäftlingen
Der Gefängniskomplex bietet Platz für rund 17.000 Gefangene. Strauss-Kahn werde aber keinen Kontakt zu anderen Insassen haben, sagte der Sprecher der New Yorker Justizverwaltung. Dies bedeute aber nicht, dass er immer in seiner Zelle bleiben müsse. Vielmehr werde er bei jedem Freigang von einem Gefängniswärter begleitet.
Der 62-jährige Franzose soll am Samstag versucht haben, in einem New Yorker Luxushotel ein Zimmermädchen zum Sex zu zwingen. Er wurde wenige Stunden später in einem Flugzeug festgenommen. Ihm werden nun versuchte Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und
Freiheitsberaubung vorgeworfen.
Kaution wurde abgelehnt
Der nächste Gerichtstermin ist für
Freitag angesetzt. Eine Haftrichterin lehnte es am Montag ab, den Banker gegen eine Kaution aus der Untersuchungshaft freizulassen und begründete dies mit Fluchtgefahr. Strauss-Kahns Anwälte hatten zuvor eine Kaution in Höhe von einer Million Dollar (rund 700.000 Euro) angeboten. Anwalt Benjamin Brafman betonte nach der Verhandlung erneut, Strauss-Kahn weise die Vorwürfe zurück und wolle seinen Namen und seinen Ruf wiederherstellen.
Die Richterin hatte im Gerichtssaal Fotografen und Kameraleute zugelassen - anders als am Sonntag trug Strauss-Kahn allerdings keine Handschellen. Der 62-Jährige war am Sonntag in Handschellen aus einem New Yorker Polizeirevier abgeführt worden. Die Bilder waren um die Welt gegangen und hatten eine Schockwelle ausgelöst.
Schock auch in Brüssel
Beim Treffen der Finanzminister der Euro-Länder am Montagabend in Brüssel, an dem Strauss-Kahn ursprünglich teilnehmen sollte, zeigten sich zahlreiche Politiker schockiert. "Ich bedauere die Situation sehr, er ist ein guter Freund von mir", sagte der luxemburgische Regierungschef Jean-Claude Juncker. "Die Bilder, die ich heute morgen im Fernsehen gesehen habe, haben mir nicht gefallen." Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde sagte, die Lage ihres Landsmanns sei "niederschmetternd und schmerzhaft".
Zugleich nannte Juncker Überlegungen für die Nachfolge Strauss-Kahns zu diesem Zeitpunkt "unangemessen". "Bis Strauss-Kahn zurücktritt, werde ich mich nicht zu dieser Frage äußern", sagte Juncker. Sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als auch Belgiens Finanzminister Didier Reynders hatten vor den Gesprächen in Brüssel erklärt, sich für einen Europäer an der Spitze des IWF auszusprechen.
Nachfolgespekulationen
Nach Informationen der deutschen "Bild"-Zeitung werden in Berlin bereits die Namen des derzeitigen Chefs der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London, Thomas Mirow, sowie von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann für eine Nachfolge Strauss-Kahns genannt. Auch über eine Nachfolge des Franzosen durch Lagarde wurde bereits spekuliert. Die französische Finanzministerin verweigerte dazu beim Finanzministertreffen in Brüssel jedoch jeglichen Kommentar.
Der IWF-Verwaltungsrat erklärte am Montagabend, vorerst die weiteren Entwicklungen im Verfahren gegen Strauss-Kahn abwarten zu wollen und noch keine Entscheidung hinsichtlich dessen Zukunft beim IWF getroffen zu haben. Der Verwaltungsrat war zuvor zu einer Sondersitzung wegen der Vorwürfe gegen den Vorsitzenden zusammengekommen. (Reuters/APA)