Die Grünen steigen beim von der VP geforderten Ausbau der U-Bahn über die Wiener Stadtgrenzen auf die Bremse: zu teuer, zu aufwändig. Bei engeren S-Bahn-Intervallen gibt es Konsens, Niederösterreich müsste aber mitzahlen
Wien - Dass Niederösterreich in der Verkehrspolitik mit Wien
zusammenarbeiten will, begrüßt die grüne Verkehrsstadträtin Maria
Vassilakou grundsätzlich - bezweifelt allerdings, dass die vom neuen
niederösterreichischen Verkehrslandesrat Karl Wilfing (VP)
vorgeschlagene Verlängerung der U-Bahn über die Stadtgrenzen notwendig
ist. "Das ist ein äußerst langwieriges Projekt, das mit monströsen
Investitionen verbunden wäre", sagt sie. Um die Pendlerproblematik in
den Griff zu bekommen, brauche man eine schnelle Lösung. Vassilakou
setzt deshalb auf die Intervallverdichtung der S-Bahn. Laut grünem Plan
sollen S-Bahn-Benützer nicht länger als 15 Minuten auf den nächsten Zug
warten. Dafür müssten Wien und Niederösterreich allerdings den ÖBB Geld
zuschießen - was Niederösterreich bisher verweigert hat. Und obwohl
Wilfing ebenfalls eine Taktverdichtung will, gibt es noch keine
entsprechenden Verhandlungen mit der Bahn.
In einem "freundschaftlichen Gespräch" mit Niederösterreichs
Landeshauptmann Erwin Pröll (VP) habe dieser nun aber
Gesprächsbereitschaft signalisiert, sagt Vassilakou, die "die nächsten
Jahre" für entscheidend hält. Die Grünen-Chefin hatte im Wahlkampf stets
für Express-Straßenbahnen ins Umland plädiert. Diese würden nur ein
Zehntel der U-Bahn kosten und seien wesentlich schneller fertig.
Auch die niederösterreichischen Grünen sind skeptisch und halten der
VP
die Schließung einiger Nebenbahnen vor, die unter Wilfings Vorgänger
Johann Heuras durchgesetzt worden war. Regionalbahnen als Zubringer zu
Wien zu streichen, "war ein Kardinalfehler", meint Verkehrssprecherin
Amrita Enziger, nun über einen U-Bahnbau nachzudenken, "ist irrwitzig.
Zuerst Bahnen zusperren, Gleise rausreißen, dann U-Bahnen neu bauen?
Wessen Logik entspringt das?"
Gänzlich überzeugt scheint auch die niederösterreichische VP noch
nicht
von dieser Idee zu sein. Denn während sich Wilfing im
Standard-Interview für eine Verlängerung nach Purkersdorf,
Klosterneuburg, Gänserndorf und Mödling aussprach (mit dem Ziel 2030),
verkündete er in der Niederösterreich-Ausgabe der Gratiszeitung Heute
Anfang Mai: "Die U-Bahn-Verlängerung wird es nicht sein."
Die Wiener VP fordert hingegen schon länger ein grenzüberschreitendes
U-Bahn-Netz. Deren nicht amtsführender Stadtrat Wolfgang Gerstl findet,
man solle die Bewohner der Wiener Umlandgemeinden "nicht schlechter
behandeln als jene in Aspern oder Liesing". Zur Finanzierung kann er
sich einen regionalen Finanzausgleich vorstellen, bei dem die Gelder
nicht mehr streng nach Ländergrenzen vergeben werden. Einen Vertrag zur
U-Bahn-Finanzierung mit dem Finanzministerium gibt es derzeit nur für
Wien.
Stift Klosterneuburg, bitte alle aussteigen: Für die VP ist die
grenzüberschreitende U-Bahn zumindest langfristig eine Perspektive, für
die Grünen bloß teure Utopie. (Andrea Heigl, Martina Stemmer, STANDARD-Printausgabe, 17.5.2011)