"Die Tunesier haben geschlafen"

16. Mai 2011, 18:46
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Sena Uzgören über neue Erfahrungen mit Krisentouristen, die nicht heimfliegen wollen und die Vorschau auf den Sommer

TUI-Austria-Vorstand Sena Uzgören über neuen Erfahrungen mit Krisentouristen, die nicht heimfliegen wollen, die Vorschau auf den Sommer und was Magic Life anderes bietet. Claudia Ruff fragte nach.

STANDARD: Wie haben die politischen Krisen und die Naturkatastrophen der vergangenen Monate das Reiseverhalten der Österreicher beeinflusst?

Uzgören: Die Tunesier haben geschlafen, die Ägypter hingegen haben rasch reagiert und die Preise deutlich gesenkt. Ägypten hat sich sehr rasch wieder erholt, in den vergangen beiden Wochen gab es erstmals wieder positive Buchungszahlen, derzeit haben wir ein normales Geschäft. In Tunesien waren die Hoteliers in Hochstimmung und zu sehr mit sich selbst und der neuen Freiheit beschäftigt, statt auf die Gäste zu schauen. Tunesien hatte auch das Pech aufgrund der Flüchtlingsströme aus Libyen zu lange mit negativen Schlagzeilen in den Medien vertreten zu sein. In Ägypten wiederum waren die Unruhen in Kairo, die Tourismusgebiete waren weit weg, dort passierte gar nichts.

STANDARD: Wie sind die Ihre Erwartungen für die heurige Saison in beiden Ländern?

Uzgören: In Tunesien rechnen wir heuer mit einem Minus. Wir werden unsere Magic Life Clubs statt Ende April erst, Ende Mai eröffnen. Bei unseren eigenen Hotels versuchen wir mit Extra-Angeboten zu punkten. Bei Hotels die nicht TUI gehören haben wir mit den Hoteliers Preisreduktionen vereinbart. Tunesien ist so billig wie noch nie, um etwa 15 bis 20 Prozent unter dem Vorjahr. In Ägypten erwarten wir heuer ein normales Geschäft. Mittlerweile haben wir Krisen in unsere Budgets einkalkuliert.

STANDARD: Und wie ist die Situation in Asien nach der AKW-Katastrophe in Japan?

Uzgören: Interessant war die Reaktion der Gäste, die sogar Reisen nach Thailand und den Malediven stornierten. Die Gäste unterschieden zunächst nicht, Japan war auf einmal ganz Asien, aber jetzt hat sich die Situation außerhalb Japans normalisiert.

STANDARD: Wie ist die Nachfrage für den heurigen Sommer?

Uzgören: Wir haben gegenüber dem Vorjahr ein Umsatzplus, aber die Passagierströme haben sich verschoben: Spanien profitiert von der Krise in Nordafrika, auch Griechenland geht gut, trotz der negativen Berichte über die wirtschaftliche Situation des Landes. Die Cashcow ist aber ungebrochen die Türkei, wo wir fünf Magic Life Clubs haben.

STANDARD: Es gibt so viele Clubs, wie unterschieden sich ihre Magic Life Clubs von anderen Anbietern?

Uzgören: Wir sind die Einzigen, bei denen wirklich alles inklusive ist, Wassersportarten, Spezialitätenrestaurants, Kinderbetreuung ab zwölf Monaten. Selbst importierte alkoholische Getränke sind gratis. Wie haben heuer in ausgewählten Magic Life Clubs eine neue Schiene "Live in Concert" mit Kim Wilde, Bob Sinclar, die Edelseer und Claudia Jung. Generell ist zu beobachten: Im Massensegment der Drei- bis Vier Sterne Hotels tobt der Preiskampf. Gefragt sind teure Klubs und ganz billige. Wir sind großteils zu 90 Prozent ausgelastet.

STANDARD: Welche Erfahrung machten Sie mit dem neuen Segment der Krisentouristen?

Uzgören: Es gab Gäste, die wollten aus den Krisenregionen nicht heimfliegen. Die sagten, jetzt ist es doch noch viel schöner hier, weniger Leute, noch besseres Service, einsame Strände. Unser Problem war, dass wir für deren Heimflug keine Charterflieger mehr hatten, weil die Airlines diese Flüge stoppten. Also mussten wir für die Gäste Linienflüge zurück in die Heimat organisieren. DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.5.2011)

SENA UZGÖREN (47) ist seit 2008 Vorstand von TUI Austria, Österreichs größtem Reiseveranstalter. Er hat in Istanbul Betriebswirtschaft studiert, ist verheiratet und Vater zweier Kinder.

  • TUI-Austria-Holding- Vorstand Sena Uzgören: Die Preise sind heuer im 
Sommer nur im Ausmaß der Inflation gestiegen. Im Winter werden trotz 
gleichbleibender Hotelpreise die gestiegenen Kerosinkosten die Preise um
 acht bis 15 Euro pro Sitz stiegen.
    foto: standard

    TUI-Austria-Holding- Vorstand Sena Uzgören: Die Preise sind heuer im Sommer nur im Ausmaß der Inflation gestiegen. Im Winter werden trotz gleichbleibender Hotelpreise die gestiegenen Kerosinkosten die Preise um acht bis 15 Euro pro Sitz stiegen.

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