Bildungsstruktur

Hochschul-Baustelle

16. Mai 2011, 18:37

Skandalöses Detail einer aktuellen Befragung: Schon im ersten Job wird Akademikerinnen ein Fünftel weniger gezahlt als Akademikern

Alle sind zufrieden: der Wissenschaftsminister, dass in der größten jemals durchgeführten Befragung von Hochschulabsolventen überwiegend sehr zufriedene Akademiker aus Österreichs Hochschullandschaft zum Vorschein kamen. Der Chef des staatlichen Arbeitsmarktservice AMS, dass Absolventen von Universitäten und Fachhochschulen überwiegend in fixen, traditionellen Beschäftigungsverhältnissen landen - und das schon nach wenigen Monaten der Jobsuche. Damit lässt sich das Ondit der "Generation Praktikum", die von der Wirtschaft gnadenlos verwendet wird, vom Tisch fegen. Und zufrieden ist auch der Studienautor, dass er in den (Ressourcen-) Kampf Uni gegen Fachhochschule nicht eintreten muss, weil Absolventen beider Hochschultypen gleich zufrieden mit ihrem Job sind. Mit Ausstattung, Betreuung und Praxisbezug sind sie nicht gleich zufrieden - ein paar Unterschiede dürfen aber bleiben, und den Rest werden Studienplatzfinanzierung und deren Konsequenzen regeln.

Bleiben noch die großen gesellschaftspolitischen Baustellen an den Hochschulen: die mangelnde soziale Durchmischung, die mangelnde Durchlässigkeit für sogenannte bildungsfernere Schichten. Da fehlen die großen Antworten. Ebenso wie auf das skandalöse Detail dieser aktuellen Befragung, das so selbstverständlich mitgeliefert wird: Schon im ersten Job wird Akademikerinnen ein Fünftel weniger gezahlt als Akademikern. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe, 17.5.2011)

Dr. Viktor Frankenstein
01
17.5.2011, 10:24
Schon im ersten Job wird Akademikerinnen ein Fünftel weniger gezahlt als Akademikern

Das ist beachtenswert, aber man muss sich diese Sache genauer ansehen bevor man Schluesse zieht. Vergleicht man da Ansolvent mit MINT Qualifikationen (grosser Maenneranteil) mit Theaterwissenschaftlerinnen?

bösartiger gutmensch
04
17.5.2011, 10:00
"Skandalöses Detail einer aktuellen Befragung: Schon im ersten Job wird Akademikerinnen ein Fünftel weniger gezahlt als Akademikern"

jaja, die gehaltslüge schon wieder .... skandal!!

mehr männer studieren technik, also ist der durchschnittsverdienst natürlich höher. S 20 des berichts: "In den meisten Studienrichtungen ... dominieren die Frauen, mit Ausnahme der ingenieur- ... sowie der sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Studien."

weiters sind frauen mehrheitlich 1/2tags beschäftigt: S 24: "Insgesamt sind 68% der Frauen Vollzeit Erwerbstätig gegenüber 86% der Männer."

S 77 zeigt, dass das brutto-einkommen inkl überstunden abgefragt wurde. männer machen regelmäßig mehr überstunden als frauen.

auch S 157 ist erhellend: "Männer haben häufiger berufliche Erfahrungen gesammelt als Frauen." tja, wer über mehr vorerfahrung verfügt, kann auch mehr verlangen.

tob1
02
17.5.2011, 08:33
Statistische Diskriminierung...

... nennt man das. Wenn man eine ~25jährige Studienabsolventin einstellt, hat man eine ~50%ige (oder höher/niedriger, weiß ich nicht) chance dass sie in den nächsten 10 Jahren ein oder mehr Kinder bekommt und mal so 3 Jahre oder länger in Karenz geht. Das ist speziell für kleine Unternehmen SEHR unangenehm und teuer. Deswegen verdienen junge Frauen weniger. Blöde Sache, aber nachdem Unternehmer für die Welt wie sie ist und nicht für die Welt wie sie sein sollte kalkulieren müssen, wird sich dass auch kaum ändern.

Elegantestes Conversations-Lexicon für alle Stände
15
16.5.2011, 19:47

"Schon im ersten Job wird Akademikerinnen ein Fünftel weniger gezahlt als Akademikern."

Skandalös, wenn die Soziologin ein Fünftel weniger verdient als der Soziologe, die Ärztin ein Fünftel weniger verdient als der Arzt, die Technikerin ein Fünftel weniger verdient als der Techniker....

... oder liegt es am Mix der gewählten Studien?

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