Warum den Griechen trotzdem weitergeholfen wird und Strauss-Kahn First Class fliegt, erzählte Johann Prader, Österreichs IWF-Vertreter
Die Verhaftung ihres Chefs hat den IWF hart getroffen. Warum den Griechen trotzdem weitergeholfen wird und Strauss-Kahn First Class fliegt, erzählte Johann Prader, Österreichs IWF-Vertreter, András Szigetvari.
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STANDARD: Über den Lebensstil des IWF-Chefs sind pikante Details publik geworden. Strauss-Kahn hatte eine 3000-Dollar-Suite in New York, Erste-Klasse-Tickets. Zugleich zwingt der IWF halb Europa zum Sparen. Eine schiefe Optik?
Prader: Wenn jemand ein Dauerkunde in einem Hotel ist, kann es passieren, dass er als Stammgast ein Upgrade bekommt. Das heißt, ich glaube nicht, dass der Währungsfonds 3000 Dollar bezahlt hat, sondern nur ein paar hundert. Der IWF-Chef wird auch in vielen Ländern wie ein Staatschef behandelt. Beim IWF gibt es daher eine Regelung, wonach der Direktor so wie Staatschefs First Class reisen kann. Aber die Menschen wollen keine langen Erklärungen, sondern schockierende Bilder.
STANDARD: Beeinflusst die Festnahme Strauss-Kahns die Arbeit des Währungsfonds?
Prader: Der IWF-Chef hat drei Stellvertreter, darunter hervorgehoben den First Deputy Manager, den Amerikaner John Lipsky, der nun die Geschäfte führt. Lipsky kennt den Fonds sehr gut, er hat hier als Ökonom begonnen. Außerdem war Lipsky in die Gespräche mit Griechenland selbst involviert - ich denke also nicht, dass es zu Verzögerungen etwa bei einem neuen Griechenland-Programm kommen wird.
STANDARD: Aber Strauss-Kahn hatte die besten Kontakte im Fonds.
Prader: Es ist keine Frage, dass Strauss-Kahn dem IWF ein sehr gutes Image verpasst hat. Es ist also nicht bloß Frankreich getroffen, sondern auch der IWF: Aber getragen wird der Fonds von seinem Stab, einer Gruppe von qualifizierten Ökonomen. Sicher ist jemand wie Strauss-Kahn schwer zu ersetzen. Persönlichkeiten spielen in Krisenverhandlungen eine Rolle. Aber unsere Partner und Ökonomen wissen, wie der Fonds arbeitet, was er verlangt.
STANDARD: Aufstrebende Staaten wie China wollen die Dominanz der EU und USA an der IWF-Spitze brechen. Kann das gelingen?
Prader: Ich kann die Ergebnisse der G-20 Debatten nicht abschätzen. Aber Strauss-Kahn hat selbst gesagt, dass er der letzte IWF-Chef aus Europa sein wird. Andererseits sind wir noch mitten in der Eurokrise, das ist derzeit der Hauptfokus des IWF. Es wird also sicher jemand gefragt sein, der sich in Europa durchsetzen kann. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.5.2011)
JOHANN PRADER ist Österreichs Vertreter beim IWF. Er arbeitet seit 1987
beim Fonds und fungiert derzeit als einer der stellvertretenden
Exekutivdirektoren.