In der Sex-Affäre um den Franzosen Strauss-Kahn erhofft sich die New Yorker Polizei Erkenntnisse von einer DNA-Probe
In der Sex-Affäre um den Franzosen Strauss-Kahn erhofft sich die New Yorker Polizei Erkenntnisse von einer DNA-Probe. Die Boulevardpresse macht sich genüsslich über den Fall her.
***
Washington - Die Bilder zeigen einen Häftling, dem die Erschöpfung ins Gesicht geschrieben steht. In Handschellen, die Hände auf dem Rücken gefesselt, wird Dominique Strauss-Kahn alias DSK von der Polizeiwache zu einem Auto eskortiert, während die Scheinwerfer der Kameras die Nacht erhellen. Er sieht übernächtigt aus, ein Mächtiger, der entweder tief gefallen ist oder gerade tief gedemütigt wird, je nachdem, ob man den Protokollen der New Yorker Polizei glaubt oder der These, wonach alles nur gut inszeniert worden ist. Wird er schuldig gesprochen, orakeln amerikanische Experten, muss er mit bis zu 15 Jahren Gefängnis rechnen.
Sonntagnacht wurde der Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) in eine New Yorker Klinik gefahren, ins Kings County Hospital in Brooklyn. Dort nahmen Mediziner DNA-Proben, wozu seine Rechtsberater den Satz beisteuern, er habe sich "bereitwillig" damit einverstanden erklärt. Eventuelle Hautfetzen unter den Fingernägeln oder auch Kratzer sollen Hinweise liefern, ob Strauss-Kahn in der Luxussuite des Sofitel tatsächlich über ein Zimmermädchen herfiel.
Afrikanerin aus der Bronx
Die 32-Jährige hatte von einem Kampf berichtet und den Franzosen bei einer späteren Gegenüberstellung als den Mann identifiziert, der sie zu vergewaltigen versuchte. Ergo schlussfolgern die Ermittler, dass sich Spuren der Rangelei am Körper des Politikers finden müssten. Die Frau stammt nach vorläufigen Informationen aus Afrika und ist alleinerziehende Mutter einer Tochter. Sie lebt in der Bronx, dem ärmsten Stadtviertel, das Einwanderern oft als erste Anlaufstelle dient, wenn sie in der Stadt Fuß fassen wollen. Strauss-Kahn heuerte neben seinem Anwalt William Taylor einen gefeierten Starjuristen an, um sich gegen die Vorwürfe zur Wehr zu setzen. Benjamin Brafman hat bereits Mandanten wie Michael Jackson und den Rapper Sean Combs vertreten. Er gilt als einer der Besten und Teuersten seiner Branche.
Der Weltbanker gegen eine Immigrantin aus der Bronx: Es ist eine Konstellation, die die New Yorker Boulevardpresse zu Höhenflügen der Fantasie anspornt. Die Cops hätten nicht viel Gutes zu sagen über den arroganten Untersuchungshäftling, diesen "französischen Idioten", dichtet die New York Post. Mit ähnlicher Häme begleitet das Konkurrenzblatt Daily News den 62-Jährigen auf seinem "Weg der Schande" in die Zelle. Dreitausend Dollar pro Nacht kostete ihn Zimmer 2806, die Suite im Sofitel. Nun muss er sich mit karger Kost begnügen, veranschlagt mit einem Dollar und achtzig Cent pro Mahlzeit. Stoff für süffige Geschichten. Unschuldsvermutungen gibt es bei der Yellow Press nicht.
Laut den Detektiven kam der entscheidende Tipp zur Festnahme von dem Politiker selbst. Etwa drei Stunden nach dem Auschecken am Samstag habe DSK bei der Rezeption des Sofitel angerufen und sich nach seinem Handy erkundigt. In der Tat, es sei da, kam als Antwort. Worauf Strauss-Kahn darum gebeten haben soll, es zum Flughafen zu bringen. Was er nicht wusste, war, dass die Hotelangestellten bereits auf Anweisung der Polizei handelten. Französische Medien berichteten dagegen von einem angeblichen Alibi: DSK habe zur Tatzeit mit seiner Tochter Mittag gegessen. (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.5.2011)