Studie: Es gibt keine "Generation Praktikum"

Lisa Aigner
16. Mai 2011, 15:50

Mehr als zwei Drittel der Hochschulabsolventen sind regulär beschäftigt - Nur drei Prozent sind ohne Beschäftigung

"Es ist nicht gerechtfertigt von einer Generation Praktikum zu sprechen", sagte der Projektleiter der Studie zur "Arbeitssituation von Universitäts- und FachhochschulabsolventInnen" bei der Präsentation der Ergebnisse. Zu diesem Schluss kommt Harald Schomburg deshalb, weil 63 Prozent der Hochschulabsolventinnen und -absolventen angeben regulär (also nicht in einem Praktikum oder freiberuflich) zu arbeiten.

Die Studie ist eine Vollerhebung aller Absolventen von Universitäten und Fachhochschulen (FHs), die zwischen 2003 und 2008 ihr Studium abgeschlossen haben. 23 Prozent der Studierenden, also mehr als 23.000 haben den online-Fragebogen ausgefüllt und an der Studie teilgenommen. 

Drei Prozent nicht erwerbstätig

Die Jobchancen von Hochschulabsolventen sind laut der Studie generell sehr gut. Nur drei Prozent gaben an, nicht erwerbstätig zu sein und Arbeit zu suchen. 63 Prozent sind regulär erwerbstätig, 12 Prozent sind erwerbstätig und in einem Studium und drei Prozent sind nicht erwerbstätig, suchen aber eine Beschäftigung. Auf Jobsuche sind Absolventen durchschnittlich nur drei Monate lang.

Frauen verdienen zwanzig Prozent weniger

Studenten verdienen im Vergleich zu anderen Gruppen gut. Das Bruttoeinstiegsgehalt liegt bei 2160 Euro im Monat. Wobei auch hier Frauen wesentlich weniger verdienen (20 Prozent) als Männer. Das Bruttogehalt steigt während der ersten fünf Jahre bei Männern auf 3.700 Euro und bei Frauen auf 2.900 Euro. 

Überqualifzierung selten

Gegen den Begriff "Generation Praktikum" spricht laut dem Projektleiter der Studie auch, dass fast sechzig Prozent der Befragten angeben, dass ihre erste Beschäftigung eine Anstellung ist. 15 Prozent sind nach eigenen Angaben freiberuflich oder selbstständig tätig.

Auch die Behauptung, dass die heutigen Absolventen für ihren Job überqualifiziert sind, kann durch diese Studie nicht belegt werden. Nur 13 Prozent halten sich in ihrem Beruf für eindeutig überqualifiziert, 78 Prozent sind der Ansicht, dass sie "niveauadäquat" beschäftig sind.

Bachelors verdienen etwas weniger

Die meisten Teilnehmer der Studie haben einen Magistertitel (66 Prozent). Über unterschiedliche Jobchancen von Bachelor- und Magisterabsolventen kann deshalb aus dieser Studie noch nicht allzu viel geschlossen werden. Die Einkommen der Bachelor-Absolventen, die Vollzeit arbeiten, liegen etwas unter dem Durchschnitt und sie sind häufiger befristet beschäftigt. 

Austattung an Unis schlechter als an FHs

Der Unterschied zwischen FH- und Universitätsabsolventen ist nur in wenigen Bereichen groß. 76 Prozent der FH-Studenten bewerten die Qualität der Ausstattung an Fachhochschulen als hoch, nur 47 Prozent der Absolventen von Universitäten sagen das von ihrer Hochschule. In der Natur der Sache liegt, dass der Praxisbezug nach Angaben der Teilnehmer an den FHs wesentlich höher ist als an Universitäten.

Töchterle: Studienplatfinanzierung als Antwort

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP), der an der Präsentation der Studie teilnahm, bewertete die Studie als "sehr erfreulich". "Ein schneller Übergang der Studierenden in der Erwerbsphase und in qualifizierte Job ist das beste Zeugnis, dass die Unis und FHs ausgestellt bekommen können", so Töchterle. Er sieht in der Unzufriedenheit der Universitäts-Absolventen auch einen Ansporn für die von ihm angestrebte Studienplatzfinanzierung. So könne eine "Obergrenze in den Massenfächern" eingeführt werden. 

AMS sieht Gefahr der Abschreckung

Der Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS), Johannes Kopf, sieht sich durch die Studie darin bestätigt, dass der "Generation Praktikum" ein Mythos ist. Das AMS sei schon am Beginn der Debatte über den Begriff "verwundert" gewesen, weil "die Daten ein anderes Bild zeigen". Er sieht in dieser Diskussion die Gefahr, dass manche Jugendliche sich gegen ein Studium entscheiden. Derzeit sind laut Kopf nur 2,4 Prozent der Studierenden arbeitslos.

Für eine "Generation Praktikum" spricht jedoch ein anderes Ergebnis der Studie: 62 Prozent der Absolventen haben während ihrer Ausbildung ein Praktikum gemacht. Dieses Argument ließen der Studienautor sowie AMS-Vorstand Kopf jedoch nicht gelten, da es bei der Diskussion vor allem um fertige Akademiker gehe. (Lisa Aigner, derStandard.at, 16.5.2011)

Info zur Studie:

Die Studie "Arbeitssituation von Universitäts- und Fachhochschulabsolventen" (ARUFA) wurde vom Internationalen Zentrum für Hochschulforschung Kassel im Auftrag des Wissenschaftsministeriums durchgeführt. Die Befragung wurde vom Dezember 2009 bis Februar 2010 durchgeführt.

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zur generation praktikum sollte man aber auch jene absolventen zählen, die während ihres studiums mind. 6 monate ohne bezahlung beschäftigt waren.

der druck zum arbeitszeugnis mit klingendem namen besteht ja schon während dem studium - um eben beim abschluss entsprechende arbeitserfahrung vorweisen zu können.

Hier wird wieder mal ganz pauschal gesagt, dass Frauen 20 Prozent weniger verdienen...ist ja sehr aussagekräftig. Mit solchen Aussagen kommt die Heinisch-Hosek auch immer daher. Entscheidend ist, wieviel die Frau im selben Job (und zwar im EXAKT selben Job mit derselben Aufgabe und Verantwortung) für die gleiche Stundenanzahl ohne Berücksichtigung der Überstunden verdient.

das frage ich mich auch schön länger

es werden nur pauschale Aussagen gemacht, die täuschen. man kann Teilzeit nicht mit Vollzeit vergleichen.
außerdem sind die Ursachen wichtig...

Warum beginnt die Grafik erst im Jahre 2 nach dem Studium?

Damit man behaupten kann, es gibt keine Generation Praktikum? Denn im Jahre 1 nach dem Studium dürfte die Zahl derer, die in Praktikumsstellen sind schon erheblich sein. Auch Zahl der noch Arbeitssuchenden dürfte höher sein.

Und doch ist es so,

dass man mit der richtigen Zusatzqualifikation auch als Geistes-(und Gespenster)wissenschafter sehr wohl der Generation Praktikum entkommen kann. Ich selbst bin Philosoph und hab einen MBA (http://mba-fernlehre.at/) drangehängt...

Begriffsdefinitionen? Was ist ein "PRAKTIKUM"?

Aus dem Fragebogen: "Erwerbstätigkeit: Gemeint sind abhängige Beschäftigung [...] und selbstständige Tätigkeit; bezahlte berufliche Ausbildungen wie Gerichtsjahr, Turnus, Unterrichtspraktikum, Facharztausbildung, Praktika u. Ä. zählen auch als Erwerbstätigkeit." (E1, pdf S.282) ?!?

Frage E2, pdf S.284: hier kann man zwar "Unterrichtspraktikum", "Gerichtsjahr bzw. KonzipientIn" ankreuzen, aber andere Arten von Praktika gibt es nicht!!

Was ist jetzt Turnus od. Facharztausbildung? Ist das eine "Fort- oder Weiterbildung" od. eine "reguläre Erwerbstätigkeit"?

Im übrigen sollte man eher das "Prekariat" (befristete (Ketten-)Verträge, Scheinselbständigkeit) während u. nach dem Studium untersuchen. Insb. auch auf den Unis selber!!!

ITA - dass das Prekariat hier sorgfältig ausgespart wird ist mir auch als erstes aufgefallen...

Bei den Einstellungsgehältern kommt mir nur das Lachen, sry!

Aber wenn ich bedenke das ich mit meinen HTL-Abschluss jetzt schon 1700 ,- brutto verdiene, was wird dann in 5 Jahren sein? Da wird sich das Gehalt dann ebenso auf ~3.500 belaufen. Da frag ich mich dann ernsthaft was mir ein Studium brächte, außer den Luxus, die nächsten 5 Jahre regelmäßig Ferien zu haben?

Wie ich auf die 3.500,- komme? Mein Bruder verdient das nach 3 Jahren Berufserfahrung und technischem Kolleg-Abschluss.

1700 brutto

damit kannst aber net gerade angeben gehn, prolo.

metallkollektiv beschäftigungsgruppe E:
2.067,94 Euro
da werden HTLler eingestuft, drunter gehts nicht.

hast etwa die falsche sparte erwischt?

Vielleicht legst du deine Überheblichkeit dann ab, wenn du realisierst, dass man ohne Studium recht schnell eine gläserne Decke in der Karriereleiter erreicht.

Was dir ein Studium bringen könnte? Eventuell das Ablegen einer gewissen Überheblichkeit, die man aus deinen Postings herauslesen kann...

>3.500,-- sind nach eigener Erfahrung in dieser Zeitspanne als HTLer drinnen, wenn die Fa. und der Einsatz sowie die zugehörige Verantwortung stimmt. Da kann man dann schon stolz sein.
Die Frage was dir ein Studium bringt, kannst du vielleicht in 5 Jahren selbst beantworten. Auch als Projekt-/Allroundtechniker wird die selbst gewollte Entscheidungskompetenz bei manchen so nicht ausgereizt.

mal daran gedacht, dass es leute gibt, denen eine interessante arbeit und entscheidunkskompetenz wichtiger ist als das einstiegsgehalt? nein? dann geh weiter vom porsche träumen.

Entscheidungskompetenz = hohes Gehalt

Zusammenhang erkannt? Gut so.

Weiter sag ich ihnen, nur der Vollständigkeit halber, dass ein hohes Gehalt gleichbeudent mit finanzieller Unabhängigkeit ist. Glaubens mir, ich bin der letzte der daran denkt sich einen Porsche zu leisten (wie kommt nur auf so einen lächerlichen, undurchdachten Gedanken???) Bevor ich mir einen Prosche kauf, restauriere ICH einen...

Ich will nur mein auskommen finden und meine 200-300,- p.m. auf die Seite legen und zZ funktioniert das sehr gut.

Glaubens mir, ich war auch mal so blauäugig wie sie, das spielts aber in den seltensten Fällen. Das lustigste an der ganzen Sache ist ja, ich bin in einem Job der mir taugt und ich habe Entscheidungskompetenzen, so what?

einstiegsgehalt ? gehalt von entscheidungsträgern.

wer lesen kann, ist klar im vorteil.

du disqualifizierst dich selbst.

auf der einen Seite schreibt du von Entscheidungskompetenzen, auf die ich auch eingegangen bin und auf der anderen Seite von Entscheidungsträgern. IMO sind das 2 verschiedene paar Schuhe.

Ich darf bis zu einem gewissen Grad in meiner Firma wo ich arbeite auf eigene Faust entscheiden was bei den Projekten geschieht wo ich arbeite. Das sind in meinem Fall alle Punkte die nicht bei der Behörde angemeldet werden müssen. Hier habe ich sehr wohl eine Entscheidungskompetenz. Wenn sie das nicht so sehen, dann definieren sie mir ihre Definition der Entscheidungskompetenz!

Außerdem kennen sie nicht die Firma wo ich arbeite, da gibts den Chef und noch mich und des wars. Kannst das ned afoch akzeptieren? Fühlst du dich gekränkt?

das fragezeichen sollte ein ungleichzeichen sein, aber der zeichensatz hat das nicht gecheckt.
ansonsten: lassen wirs doch einfach. gute nacht.

Genau ... gibts genauso wenig wie den Fachkräftemangel.

2-6 Jahre?

ich kenne sicher 5-10 Leute in meinem erweiterten Bekanntenkreis, die als fertige Akademiker ein (oder sogar zwei) Praktika machen mussten (den meisten wurde schon in den ersten Wochen von der GF mitgeteilt, dass sie sicher nicht fix übernommen würden) ... dies waren durchwegs Akademiker von Studienrichtungen, die nicht als Orchideenstudium einzuordnen sind ... nach 2 Jahren hatten aber alle eine Festanstellung und scheinen daher also nicht auf ... und die Unternehmen können also weiter seelenruhig mit ihrer Unart weitermachen, Akademiker zu Hungerlöhnen zu beschäftigen!

Gratulation hierzu.

5-10 Leute? Poah. Ist ja voll repräsentativ.

nur bedingt

Ein echtes Praktikum ist nur zulässig, wenn dies für die Ausbildung vorgeschrieben ist (zB bei FHs).
Hier kann man dann für € 400 40h/ Woche arbeiten.

Viele "Praktika", wo dies nicht vorliegt, sind eigentlich gewöhnliche befristete Dienstverhältnisse und müssen demzufolge zumindest kollektivvertraglich entlohnt werden - und damit liegt man schon deutlich höher.

Man muss sich halt auch als AkademikerIn etwas schlau machen, bevor man jeden Wisch unterschreibt.

SChlau machhen

kann man sich schon, nur was nützt es, wenn man in der Verhandlung von Anfang an als der eindeutig schwächere und auf einen Job, auch wen er miserabel bezahlt wird, angewiesen ist.

keine Frage ...

ich selbst hatte auch 'Glück' ... aber wenn ich mir allein meine Studienkollegen anschaue und dann die Quote ausrechne, wie viele von denen mittlerweile im Ausland arbeiten, weil sie hier nur Praktika oder schlecht bezahlte Vollzeitjobs angeboten bekommen haben (da verdienen Bekannte mit guter Lehre oder Matura durchaus besser) und dort mittlerweile recht erfolgreich sind, frag ich mich oft, ob nur ich das so erlebe?

Vollerhebung, 23% Rücklaufqoute.
Naja das ist ja nicht so übel aber daraus zu schließen es würde keine Generation Praktikum geben? Sicher, dass da kein Bias vorhanden ist?

Das ist völlig normal... Leider gibt es kaum höhere Rücklaufquoten bei solchen Studien. Und ob es einen Bias gibt oder nicht kann man daher auch nicht herausfinden, leider.

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