Paarungsverhalten

Aggressive Männchen gefährden die gesamte Art

16. Mai 2011, 18:25

Gewalttätiges Sexualverhalten schädigt nicht nur einzelne Weibchen, es kann ganze Populationen zum Aussterben bringen

Aggressives männliches Paarungsverhalten mag für das Individuum zwar eine erfolgreiche Fortpflanzungsstrategie sein, für die Art insgesamt kann das jedoch langfristig das Ende bedeuten. Dies weist eine internationale Forschungsgruppe unter der Leitung des Evolutionsbiologen Daniel Rankin von der Universität Zürich in einem mathematischen Modell nach.

Ob das Verhalten des Individuums in der Lage ist, Prozesse auf der Ebene der Population oder der Art zu beeinflussen - über diese Frage wird in der Evolutionsbiologie seit langem debattiert. Kontrovers beurteilt wird speziell die Möglichkeit der Selektion auf Artenebene. Eine internationale Forschungsgruppe unter der Leitung von Daniel Rankin, Evolutionsbiologe an der Universität Zürich, weist nun mit Hilfe eines mathematischen Modells nach, dass aggressives männliches Sexualverhalten nicht nur das einzelne Weibchen schädigt, sondern ganze Populationen zum Aussterben bringen kann. Die Arbeit wurde kürzlich in der Fachzeitschrift The American Naturalist publiziert.

Extremer Sexualkonflikt bei Samenkäfern

Für ihre Studie orientieren sich die Wissenschafter am extremen Sexualkonflikt von Samenkäfern. Sie gelten in der Landwirtschaft als Schädlinge. Männliche Samenkäfer haben mit Stacheln bewehrte Genitalien, mit denen sie es dem Weibchen unmöglich machen, einen unerwünschten Sexualpartner abzuschütteln. Die aggressiven Männchen haben eine höhere Fortpflanzungsrate, da sie sich gegenüber weniger aggressiven Männchen besser durchsetzen, verletzen aber die Weibchen bei der Paarung.

Die Forscher zeigen nun, dass der höhere Paarungserfolg von aggressiven Männchen dazu führen kann, dass Männchen einer Art generell aggressiver werden. Die Aggressionsspirale hat dramatische Konsequenzen für die Population bzw. die Art: Bei der Paarung werden mehr Weibchen verletzt und sterben als Folge der Verletzungen. Dies führt dazu, dass Weibchen als Ressource für die Männchen immer seltener werden und die Art letztlich ausstirbt. Individualinteressen und Interessen der Population stehen im vorliegenden Fall in scharfem Gegensatz zueinander.

Von der "Tragik des Allgemeinguts"

In der Ökonomie werden sich so zuwiderlaufende Individual- und Gruppeninteressen als Prinzip der "Tragik des Allgemeinguts" bezeichnet. Dieses Prinzip beschreibt die Übernutzung von Kollektivgütern und dient u.a. zur Beschreibung von menschlichen Dilemmas im Zusammenhang mit Umweltverschmutzung und Klimawandel. In der Natur wird die "Tragik des Allgemeinguts" dadurch limitiert, dass aggressives Verhalten für das Individuum zu kostspielig ist.

Dies erklärt auch, weshalb Sexualkonflikte in der untersuchten Schärfe nicht überall beobachtet werden können. Arten mit einer zu hohen Verletzungsrate bei der Fortpflanzung haben sich im Lauf der Evolution selbst zum Aussterben gebracht. Im untersuchten Fall besteht die weibliche Gegentaktik darin, aggressive Männchen zu meiden.

"In der Natur gibt es viele Beispiele für 'Tragiken des Allgemeinguts'", erläutert Daniel Rankin. Er meint, dass das Verständnis, wie die Natur die "Tragik des Allgemeinguts" löst, auch die Strategien zum Lösen von menschlichen Problemen inspirieren könnte. (red)

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living reef
10
18.5.2011, 21:45
Aggressive Männchen gefährden die gesamte Art

das hat der iwf chef wohl nicht gelesen ;-)

AlliGator
11
17.5.2011, 21:17

"Individualinteressen und Interessen der Population stehen im vorliegenden Fall in scharfem Gegensatz zueinander."

In der Evolution gibt es keine Interessen. Schon gar nicht einer "Art". Nur Fortpflanzungserfolg zählt.

ChesneyB
00
18.5.2011, 14:23

Erstens: http://www.scienceblogs.de/bloodnaci... laimer.php

Zweitens betreffen diese Interessen gar nicht die Evolution sondern die Individuen, und warum sollen Individuen keine Interessen haben (auch wenn es Tiere sind)?

AlliGator
00
18.5.2011, 18:03

Für den sehr interessanten Link ein großes Dankeschön.

presumption of innocence
00
17.5.2011, 19:09
Strauss-Kahn trat eine Lawine los!°

Nick Tameer
00
18.5.2011, 01:42

Ihm erst verdankt der unglückliche Samenkäfer die ganze Aufmerksamkeit.

noirc80
00
17.5.2011, 19:04

aggressive menschen meiden, dazu brauchts also evolutionsbiologen und samenkäfer - tz.

bro
02
17.5.2011, 17:39
ideologisch

Die Studienautoren beziehen sich auf die "tragedy of the commons" von Garrett Hardin - die Theorie ist stark von neoliberalen Wirtschaftsideen beeinflusst und ist sehr umstritten. Sie wurde gerne verwendet, um die Privatisierung von Allgemeingut zu rechtfertigen.
In Europa gibt es viele historische Beispiele von gut funtkionierenden Allmenden -> Gemeingut wird von vielen genutzt, die gegenseitig darauf aufpassen, dass kein Einzelner das Gut übernutzt.
Die Autoren bedienen sich einer ideologisch belasteten, geisteswissenschaftlichen Theorie zur Interpretation eines naturwissenschaftlichen Sachverhalts. Das halte ich für problematisch und wenig professionell.

Kra Wuzikabuzi
01
17.5.2011, 17:30
...dass der höhere Paarungserfolg von aggressiven Männchen dazu führen kann, dass Männchen einer Art generell aggressiver werden.

jeden samstag abend in wiener diskos zu beobachten.

schmeck.mein.smegma
01
17.5.2011, 16:35

welche tierart im speziellem ist jetzt wegen aggressivem sexualverhalten ausgestorben?

ist kein modell möglich, dass allzu pazifistischen tieren ein aussterben attestiert?

ich hab ein computerprogramm entwickelt, dass prognostiziert: es wird alles gut, ganz egal was!

also liebe leute
freut euch am heute.

Sssnake
00
18.5.2011, 08:04
Nick

Lustiges Posting. Und sehr schöner Nick übrigens!

ecologyst
00
17.5.2011, 20:08

um keine stacheln am schw**nz zu haben, braucht es keinen pazifismus.

wie es auch kein messer braucht, um ein dominanter mann zu sein.

Antidiskrimierungsgesetz
34
17.5.2011, 14:30
frauen sind einfach sozial inteligenter

das gilt auch bei tieren

HK-11
00
17.5.2011, 21:33

Klingt so als wären Sie demzufolge ein Mann ;)

Origine Vindobona
00
17.5.2011, 15:55

Das ist wohl wahr... (ich bin ein Mann, aber ehrlich)

Timagoras
 
00
17.5.2011, 15:02
"das gilt auch bei tieren"

.
auch bei den fetztenfischen?

http://de.wikipedia.org/wiki/Klei... etzenfisch

Origine Vindobona
00
17.5.2011, 15:56

Wir haben im Gegensatz zu Tieren, so etwas wie Intelligenz, allerdings ist oft gerade das anscheinend ein Fluch....

Tethys
00
18.5.2011, 12:18
Wir haben im Gegensatz zu Tieren, so etwas wie Intelligenz

Delfine sind hochintelligente Wesen.

Auch Elefanten zählen nicht gerade zun den dümmsten Tieren auf diesem Planeten.

Und der Mensch ist nichts anderes als ein Säugetier.

Origine Vindobona
00
19.5.2011, 16:04

Das stimmt schon, aber der Mensch hats wohl weiter gebracht, leider halt auch im Schlechten.....

presumption of innocence
00
17.5.2011, 19:11
Tiere haben Gruppenintelligenz

Ihnen kommt nur vor, dass Sie eigene Intelligenz haben, aber es ist global gesehen, auch wieder nur Gruppenintelligenz.

Timagoras
 
00
17.5.2011, 16:02
"Wir haben im Gegensatz zu Tieren, so etwas wie Intelligenz"

.
Sie behaupten jetzt aber nicht ernsthaft, dass tiere nicht intelligent sein können?

Origine Vindobona
00
17.5.2011, 16:09

Dazu müsste man den Begriff "Inteligenz" genau definieren
Ich hab viel Erfahrung mit Tieren und Selbige vermögen oft erstaunliche Dinge, wie zB ein soziales System aufbauen, wo wir Menschen nur lernen könnten (und sollten)...
Aber Intelligenz könnte man vielleicht als die Fähigkeit zur Philosophie bezeichnen, soll heissen über den Erhaltungstrieb hinaus zu denken....
Ist das nicht im Endeffekt das, was den Menschen ausmacht ?

Lilith Boessse
 
00
17.5.2011, 19:39
"über den Erhaltungstrieb hinaus denken...."

manchmal, wenn ich mir die welt so anschaue - umweltverschmutzung, kriege, gewalt - frage ich mich, ob der mensch überhaupt "bis" an den erhaltungstrieb denken kann

anyway, der mensch ist auch nur ein produkt "der evolution" und intelligenz demnach keine menschliche "leistung".

Finn McCool
00
17.5.2011, 16:55

Ein hoher Intelligenzquotient ist definiert als die Fähigkeit, bei einem Intelligenztest gut abzuschneiden.

Dadurch wird deutlich, dass Tiere selbstverständlich nicht intelligent sind, die können ja noch nicht einmal einen Bleistift halten und daher den Testbogen gar nicht erst ausfüllen -> IQ von Null.

Origine Vindobona
00
17.5.2011, 17:04

Und die Tests und die Beurteilung von Intelligenz, sind natürlich auch anzuzweifeln, aber ned mitn Bleistift bitte, es geht um mehr....

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