Oberösterreich

Grüner Klubchef will nach Glücksspiel auch Cannabis legalisieren

Rainer Schüller, 17. Mai 2011, 07:36
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    foto: gruene

    Gottfried Hirz: "Mit dem Verbot kann man nicht die Zahl der Süchtigen verringern, mit der Legalisierung auch nicht steigern. Man kann die Diskussion also nicht auf die moralische Ebene heben, sondern versuchen, pragmatische Lösungen zu finden."

Gottfried Hirz erklärt, warum es nicht verwerflich ist, auf dem Rücken von Süchtigen Steuergelder einzutreiben

Fast zwei Jahrzehnte war das kleine Glücksspiel in Oberösterreich verboten. Nun wurde es wie in anderen Bundesländern auch legalisiert. Auch mit den Stimmen der Grünen. Warum das kein Sündenfall gewesen sei und weshalb er auch die Legalisierung von Cannabis sinnvoll fände, erklärt der oberösterreichische Klubchef Gottfried Hirz im Gespräch mit Rainer Schüller.

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derStandard.at: Auch innerhalb der Partei finden manche die grüne Zustimmung zur Legalisierung des kleinen Glücksspiels in Oberösterreich verwerflich. Sie nicht?

Hirz: Das sehe ich nicht so. Es haben alle vier Parteien im Landtag mitgestimmt. Die Gespräche waren dabei sehr konstruktiv. Es ist dabei nicht darum gegangen, dass wir uns am Leid der Menschen bereichern wollen, sondern dass es Handlungsbedarf gab.

derStandard.at: Worin bestand der Handlungsbedarf?

Hirz: Wir waren über 18 Jahre ein Verbotsland. Das Verbot hat aber nicht gewirkt. Im Gegenteil: Die Schattenwirtschaft und die Begleitkriminalität haben profitiert.Wir haben trotz Verbot nicht weniger Spielsüchtige als die anderen Bundesländer, wie eine Studie der Arge Suchtvorbeugung zeigt. Das heißt: Mit dem Verbot kann man nicht die Zahl der Süchtigen verringern, mit der Legalisierung auch nicht steigern. Man kann die Diskussion also nicht auf die moralische Ebene heben, sondern versuchen, pragmatische Lösungen zu finden.

derStandard.at: In der Opposition wären die Grünen vermutlich nicht so pragmatisch gewesen, oder hätten sie da auch zugestimmt?

Hirz: Das ist eine Konjunktiv-Frage. Ich gehe davon aus, dass wir zugestimmt hätten.

derStandard.at: Warum war es so schwierig, das Verbot umzusetzen?

Hirz: Wir hatten bis jetzt rund 3.500 illegale Spielautomaten und 500 Wettlokale bei 444 Gemeinden. Es wurden bis zu 250 Automaten pro Jahr beschlagnahmt. Aber: Kein einziges Strafverfahren ist erfolgreich verlaufen. Oft war es so, dass die Spielsumme so hoch war, dass man schon ins große Glücksspiel hinein gefallen ist. Wenn ein Verbot nicht exekutierbar ist, ist es legitim die Legalisierung zu überlegen. Deshalb war die Frage, ob es nicht klüger ist, das kleine Glücksspiel zu legalisieren und die Kontrollen stärker zu machen, um gegen die illegalen Automaten besser vorzugehen.

derStandard.at: Wieso wurden die Kontrollen nicht einfach ohne Legalisierung verstärkt?

Hirz: Die Landessicherheitsdirektion hat uns immer wieder versichert, dass es durch die Nicht-Kennzeichnung der Automaten nicht möglich war. Die Exekutive hat erklärt, dass sie sich außerstande sieht, das Verbot in dieser Form zu exekutieren.

derStandard.at: Warum sollte das nun besser gehen?

Hirz: Es gibt jetzt auch die SOKO Glücksspiel und die Automaten brauchen entsprechende Genehmigungen. Die Geräte sind mit der Finanzbehörde direkt verbunden, sodass nachvollziehbar ist, um welche Geldsummen gespielt wird. Spielen wird nur mit Spielkarten inklusive Lichtbildausweis von Volljährigen erlaubt sein und es wird eine Tageshöchstspieldauer von drei Stunden mit Cool-Down-Phase geben. Bei Verstößen wird den Betreibern die Lizenz entzogen. Außerdem wird es eine verstärkte Suchtberatung geben.

derStandard.at: Gilt das auch für Sportwetten?

Hirz: Nein. Der Bereich der Sportwetten ist davon nicht betroffen, weil diese nicht unter Glücksspiel laufen, was aber meiner Meinung nach unbedingt notwendig wäre. Auf diese Bundesregelung haben wir als Land aber keinen Einfluss.

derStandard.at: Wieviele legale Automaten soll es geben?

Hirz: Insgesamt dürfen 1173 Automaten landesweit aufgestellt werden, die Betreiber werden mittels europaweiter Ausschreibung bestimmt. Die Rollout-Phase der Automaten beginnt ab Mitte 2012.

derStandard.at: Wie soll kontrolliert werden, ob die Maßnahme erfolgreich ist?

Hirz: Nach drei Jahren ist eine entsprechende Evaluierung geplant.

derStandard.at: Wieviele Steuereinnahmen werden erwartet?

Hirz: Es werden zwischen 8 und 17 Millionen Euro pro Jahr sein, wobei 40 Prozent die Gemeinden nach dem Einwohnerschlüssel bekommen werden. Es ist aber noch nicht ganz klar, was reinkommt.

derStandard.at: Finden Sie es nicht seltsam, wenn auf dem Rücken Süchtiger Steuern für das Land lukriert werden?

Hirz: Ich sehe es bei der Summe nicht wirklich als Geldeinnahmequelle.

derStandard.at: 17 Millionen Euro sind aber schon eine nette Summe.

Hirz: Bei 4,5 Milliarden Landesbudget ist die Legalisierung des kleinen Glücksspiels nicht dazu da, um Geld einzutreiben.

derStandard.at: Was sagen Ihre Grünen Kollegen dazu?

Hirz: Ich weiß, dass ich hier eine andere Position einnehme als die Grünen im Bund oder in anderen Landesorganisationen. Ich finde es aber genauso verantwortungslos zu glauben, dass man gegen das Glücksspiel mit gesetzlichen Verboten etwas tun kann, wenn die Polizei sagt, dass sie diese nicht exekutieren kann.

derStandard.at: Von Seiten der oberösterreichischen Grünen hat es überhaupt keinen Widerstand gegeben?

Hirz: Wir haben uns natürlich eingebracht. Wir haben aber gleichzeitig gesagt, wir können uns die Legalisierung vorstellen, um die Situation in eine geordnete Bahn zurück zu lenken.

derStandard.at: Mit dem Nebeneffekt der Steuereinnahmen.

Hirz: Ja. Warum hätte es man so lassen sollen, dass man den Betreibern den Gewinn lässt? Ich weise aber zurück, dass das die Motivation der Grünen in Oberösterreich gewesen ist. Wir haben jetzt nur gemacht, was die umliegenden Bundesländer auch machen.

derStandard.at: Wenn eine Familie mit einem spielsüchtigen Vater in finanzielle Not gerät, wie erklären Sie dieser Familie die Legalisierung?

Hirz: Wie erklären Sie dem, dass der Bund das große Glücksspiel legalisiert und Steuereinnahmen hat?

derStandard.at: Man muss sich ja den Bund nicht zum Vorbild nehmen.

Hirz: Nehme ich eh nicht, aber ich mache nur darauf aufmerksam. Wir haben legalisiert und haben dieselben Steuersätze genommen, wie die anderen Bundesländer auch. Hätten wir das nicht getan, hätten wir den Spielbetreibern noch eine bessere Situation geschaffen. Es war übrigens auch 1993 ein schwieriger Akt das Verbot durchzusetzen. Da hat es auch Morddrohungen an die Politik gegeben.

derStandard.at: Von wem?

Hirz: Von den damaligen Betreibern.

derStandard.at: Welche Rolle haben jetzt die Betreiber gespielt?

Hirz: Gar keine. Die haben im Endeffekt keine Rolle gespielt.

derStandard.at: Denken Sie, dass die Betreiber bei der bundesweiten Gesetzwerdung eine Rolle gespielt haben?

Hirz: Das kann ich nicht beurteilen, Peter Pilz behauptet das. Ich kann das nicht ausschließen. Für uns in Oberösterreich kann ich es ausschließen.

derStandard.at: Warum können Sie das?

Hirz: Weil ich vor Beschlussfassung mit niemandem geredet habe und auch keine Einflussnahmen passiert sind. Dahinter steckt immer die Unterstellung, dass wir etwas gemacht hätten, weil irgendwelche Firmen das wollten. Das muss ich zurückweisen. Novomatic zum Beispiel ist in Oberösterreich zur Zeit kein Player. Die werden sich bewerben, keine Frage, aber für unseren Raum sind andere Betreiber von Relevanz.

derStandard.at: In Wien werden politische Events von Glücksspiel-Betreibern gesponsert, in Oberösterreich auch?

Hirz: Mir ist nichts bekannt, ich kann das aber für die Grünen mit Sicherheit ausschließen.

derStandard.at: Kommt Ihnen das nicht auch komisch vor: Man erlaubt etwas und richtet dann eine eigene SOKO ein, um das Erlaubte zu kontrollieren. Man stelle sich vor: Der Konsum von Heroin wird erlaubt, eine neue Polizei-Einheit überprüft das.

Hirz: Heroin wäre dann eher vergleichbar mit dem großen Glücksspiel. Der passendere Vergleich wäre mit Cannabis. Ich bin auch für das Legalisieren von Cannabis, da war es auch immer das Argument der Grünen, dass Legalisierung besser ist als Kriminalisierung.

derStandard.at: Wenn Sie dieser Meinung sind, dann wäre es aber konsequent, wenn die oberösterreichischen Grünen im Landtag auch die Legalisierung von Cannabis fordern.

Hirz: Ja, wir können es eh fordern, wir werden im Landtag aber keine Mehrheit dafür finden. Und wir würden es auch nicht beschließen können, weil das Drogengesetz ein Bundesgesetz ist. (derStandard.at, 16.5.2011)

Zur Person:

Gottfried Hirz ist Klubobmann der oberösterreichischen Grünen. Kurz-Bio >>>

Siehe auch:

Cashcow Spielsucht

64.000 Österreicher sind spielsüchtig

Links:

Falter: "Das verspielte Land"

Datum: "Heroin war gestern"

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 448
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tich nak
10
30.5.2011, 04:06

Gar nicht Kontrollfreakisch: Direktleitung zum FA, mit cool down phase, schlage das in Zukunft dann auch bei Prostitution, beim Saufen und beim Shoping vor...

So schauts aus Herr H
01
29.5.2011, 16:19
viel Spass beim Zuhören Herr H

http://derstandard.at/130455315... forumstart

Österreichische Verbrecher Partei
01
29.5.2011, 16:12
einfach anschaun und nachdenken BITTE !!

http://derstandard.at/130455315... forumstart

hlg
00
offenbar ein verweis auf ein nachträglich gelöschtes posting...

wovor wir da wohl wieder geschützt wurden?

ah, egal auf jeden fall ein herzliches DANKE!

ich les ja nur so rum zum spass, ned wegen der information...

ojee das tut wehh koorupte Vaupöhh
00
29.5.2011, 15:06
Ein Lehrbeispiel für Basisdemokratie

Zu einer kleine Revolution kam es am Parteitag der Wiener SPÖ - Entgegen der kolportierten Parteilinie stimmten die Delegierten für ein Verbot des kleinen Glücksspiels

://derstandard.at/1304553157695/SPOe-Wien-stimmte-ueberraschend-fuer-Verbot-des-kleinen-Gluecksspiels

Hat über den Wahnsinn in Oberösterreich auch die GRÜNE Basis sabgestimmt ?

weisungsgebunden
03
29.5.2011, 15:05
Die Novomatic hat sich schon so viele Politiker gekauft

Jetzt anscheinend auch einen grünen.
anders kann ich mir diesen Irrsin- und den 180°- Schwenk zur eigenen Parteilinie- nicht erklären...:-(
http://www.gruene.at/uploads/m... 901618.pdf

! Österreichische Verbrecher Partei !
01
29.5.2011, 14:09
Herr hirz, schaun sie sich die SPÖ Wien

an, das erwarte ich mir von einer sinnvollen Partei. Ein Verbot des kleinen Glückspiel ist die einzige richtige Antwort für die korrupte Bundes und EUVPähh

Aber das werden sie auch noch lernen, und ich wöhle keine SPÖ !!!!

Ehrlicher
91
23.5.2011, 18:57
"Ja, wir können es eh fordern, wir werden im Landtag aber keine Mehrheit dafür finden."

und das ist auch gut so, das diese Drogenverharmloser keine Mehrheit finden.

entenkrages
11
25.5.2011, 11:31
???

Ab und zu mal eine Tschick?
Am Wochenende mehr als ein Bier?

Ihr seids alle Heuchler...

Gusti Rentner
 
02
23.5.2011, 07:25
Die Tabaksteuer gibt's ja auch.

Die Cannabis-Steuer steht also im Raum.
...

Webak
00
22.5.2011, 23:30
www.webak.at

Ich habe mal bei Webak gearbeitet !
Bin leider gekündigt worden nach dem Krankenstand !
nette Spiele nette Leute dann kam der Mensch mit den Teufelsaugen .........

th004900
 
10
20.5.2011, 10:27
GRÜN hat viele tolle Ideen und Ansätze, ist aber völlig unberechenbar

Wenn die Grünen tatsächlich einmal was zu sagen hätten, schließen sie sich der Meinung des mächtigen Partners an und haben kein eigenes Profil.

Jüngste Beispiele:

Kein Untersuchungsausschuss zu SWAP-Deal (ORF) - http://ooe.orf.at/stories/516692/

Die grünen Musterschüler im roten Rathaus (Standard) - http://derstandard.at/130455178... en-Rathaus

In der Realität lässt eine Wahl "so agierender grüner Macher" keine Änderung des ungeliebten Lobby- und Proporzsystems erwarten. Mit einem Pilz allein (ob giftig oder nicht) kann man sich eben nicht ausreichend ernähren.

erkelteter tiger
01
20.5.2011, 23:43

als 10% partei kann man halt nicht viel mitreden, außerdem hat man auch keine bünde und vorfeldorganisationen,
dafür hat man den druck die regierung nicht platzen zu lassen, um nicht als regierungsunfähig gebrandmarkt zu werden.

schwierige situation, aber wenn man hirnis wie den da oben aufstellt, ist man wohl selber schuld.

salvatore01
00
19.5.2011, 14:56
Ich kenn mich da nicht so aus,

aber wo darf ich das Zeugs denn dann rauchen? Im Kaffee/Restaurant mit separatem Raucherbereich geht ja nicht. Da regen sich dann die Raucher auf, daß sie immer so high werden...!

lets
11
19.5.2011, 03:21

Hemp For Victory, documentary 1942

http://www.youtube.com/watch?v=N... r_embedded

rollschuhrolli
11
18.5.2011, 17:24
Einfach den beiliegenden Link zu den Grünen lesen,

sagt ja wohl alles.
http://www.gruene.at/weitere_t... sen/60819/

Lünz
13
18.5.2011, 21:49

Parteiprogramme sind bei den Grünen also genau wie bei den anderen Parteien: FÜRN HUGO.

4R153
00
18.5.2011, 07:45

habe etliche gekannt, die ihre zukunft in einen automat werfen - und die waren nicht alle bekloppt! da hats auch wirklich vernünftige erwischt und ruckzuck war alles verspielt. was mir auch auffällt, früher waren es großteils männer, die "spielten" - in der zwischenzeit pulvern die frauen auch kräftig rein. außerdem wäre es interessant wie spielen und verbrechen (meist überfall) zusammenhängen?! mir tut jeder, der spielsüchtig ist, aufrichtig leid - und auch wenn der mensch mündig ist, gebe ich den opfern keine schuld! schlimme sache und wird total unterschätzt.

Antibürger1
31
18.5.2011, 07:32
money makes the world go round

jetzt sind auch die grünen endlich angekommen.

money making hall of fame:

1. platz- kriege/waffengeschäfte

2. platz- fördern von suchtkrankheiten

Helmut71
18
18.5.2011, 07:25
find ich persönlich ok

Cannabis zu legalisieren und damit zu entkriminalisieren. Wissenschaftlich gesehen macht Gras weniger abhängig als Nikotin und ist zumindest nicht schädlicher.

Lünz
12
18.5.2011, 21:55

Wissenschaftlich gesehen sind Alkohol und Nikotin nur hinter den wirklich harten Drogen (weit vor z.B Ecsatsy, Canabis oder LSD) und müssten folgerichtig Verboten werden.

nachtfalke1313
43
18.5.2011, 03:00

eingerauchter novomatic fan , der herr hirz ?

meresi
01
18.5.2011, 02:39
ALLES SCHÖN UND GUT WAS IHR DA ABSONDERT

aber ich glaube man sollte die ursachen behandeln und nicht die symptome...eine der mögl. ursachen ist flucht aus der realität...und die muß man sich beim einzelnen mal ansehen...kenne etl. aus meinen dorf die spiel-süchtig sind, bei allen geht es einher mit drunksucht...!!?? soziale einsamkeit ist mit ein grund usw. ein teufelskreis für viele, mit verboten ist nich geholfen, wenn der wille fehlt...und die unterstützung
von geschulten kräften ist alles makulatur

erkelteter tiger
00
18.5.2011, 08:09

automaten sind halt perfide programmiert und darauf getrimmt potentiell gefährdete auch süchtig zu machen,
und natürlich kann man die automaten, im gegensatz zu akohol und gras, einfach verbieten, nur müsste man das verbot auch kontrollieren.

Lünz
20
18.5.2011, 21:46

wieso kann man Alkohol und Gras nicht einfach verbieten?

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