Blackwater-Gründer stellt Schattenarmee für Scheichs

16. Mai 2011, 15:29
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Machthaber ließ ausländische Ex-Soldaten zur Abwehr von Terror und Aufständen ausbilden

Es gibt viel zu tun dieser Tage für Söldner in der arabischen Welt. Ein militärisch eskalierter Volksaufstand hier, Unmut der schiitischen Bevölkerung gegen ein autoritäres, sunnitisches Königshaus da. Doch nicht nur in den Unruheherden Libyen und Bahrain vertrauen die Eliten die Absicherung ihrer Macht zusehends privaten Sicherheitsdienstleistern an - und nicht mehr ihren regulären, meist schlecht bezahlten Armeen. Ein Rechercheteam der New York Times hat den Fall Reflex Responses beleuchtet, einer Nachfolgerin des politisch so umstrittenen wie finanziell lukrativen US-Sicherheitsunternehmens Blackwater in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), einem engen Verbündeten der USA am Persischen Golf.

529 Millionen Dollar Auftragsvolumen

"Wir waren praktisch die Armee der Emirate", zitiert das Blatt einen Kolumbianer, einen von etwa 800 Männern, die von der eigens gegründeten Firma Reflex Responses, kurz R2 genannt, als zukünftige Söldner in die Wüste geschickt wurden. 529 Millionen Dollar ist der Deal wert, den Blackwater-Gründer Erik Prince und die Regierung der VAE geschlossen haben. Die Emirate, ein Hort relativer Ruhe in der ölreichen Region zwischen Saudi Arabien und Iran, bestellten der New York Times zufolge eine Söldnerarmee, die sie gegen terroristische Bedrohungen und im Falle von Aufständen in den riesigen, vor allem von pakistanischen und philippinischen Gastarbeitern bewohnten Arbeitslagern im Land einsetzen können. Und, so mutmaßt das Blatt, auch gegen pro-Demokratie-Demonstranten, wie sie in anderen arabischen Autokratien dieser Tage ihre Regimes herausfordern.

US-Behörden prüfen Gesetzesbruch

Einer der beiden Hauptrollen in diesem Stück hat Erik Prince, 41, inne. Früher Mitglied der US-Eliteeinheit Navy Seals und Gründer des privaten Sicherheitsdienstleisters Blackwater, gehört er zu den Epigonen der Ära Bush. Regierungsgelder in Milliardenhöhe flossen in die Dienste seiner Sicherheitsfirmen, Skandale um die brutale Arbeitsweise seiner Männer im Irak führten erst zum Niedergang von Blackwater, Ende 2010 zum Ausstieg Princes aus dem Nachfolgekonstrukt Xe. Die US-Behörden prüfen derzeit, ob Princes Engagement im Widerspruch zu geltendem US-Recht steht. US-Bürger dürfen nämlich nur dann ausländische Truppen trainieren, wenn sie über eine entsprechende Lizenz des Außenministeriums verfügen. Alleine 2010, so die New York Times, hat Blackwater/Xe 42 Millionen Dollar Strafe in einschlägigen Fällen bezahlt.

VAE wollen militärisch aufrüsten

Der zweite wichtige Mann heißt Scheich Mohammed Zayed Al-Nahyan, als Kronprinz von Abu Dhabi de-facto-Machthaber der VAE. Der Prinz, ein in Großbritannien ausgebildeter und dem Westen zugeneigter Autokrat, verfolgt Cables aus der US-Botschaft zufolge schon seit längerem die "fast schon obsessive" Strategie, starke Streitkräfte aufzubauen. Die kleine, kaum kampferprobte Armee tut den Ansprüchen des Prinzen längst nicht mehr Genüge. Binnen weniger Wochen ließ die Regierung ein Wüstencamp aus dem Boden stampfen, bezahlte Ausrüstung und Waffen. 40 US-Amerikaner, Südafrikaner und Europäer, meist ehemalige Mitglieder von Eliteeinheiten, fungieren als Trainer der neuen VAE-Streitmacht. Die Söldner selbst wurden über ein eigens von Erik Prince auf einer Karibikinsel gegründetes Subunternehmen angeheuert und vom emiratischen Geheimdienst als Bauarbeiter getarnt ins Land geschleust. 150 Dollar pro Tag soll einem Informanten der New York Times zufolge ihr Sold sein. Waren es zu Anfang fast ausschließlich Südamerikaner, in der Mehrzahl Kolumbianer, die dem Ruf der Scheichs folgten, kamen bald auch Südafrikaner, die in den Neunzigern für die berüchtigte Söldnerarmee der Executive Outcomes akfrikanische Diktatoren unterstützten oder Putschpläne ausführten. Allesamt leben sie in strikter Isolation von ihrem Gastland.

Die Regierung der VAE hat inzwischen bestätigt, dass sie mit dem Prince-Unternehmen Reflex Responses zusammenarbeitet. Allerdings lasse man nur seine Armee von deren Trainern ausbilden, die Bildung einer Söldnertruppe wird von dem Sprecher dementiert. (flon/derStandard.at, 16.5.2011)

  • Die New York Times stellen einen der Verträge ins Netz, die den Söldnern gegeben wurden.

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    Blackwater, später Xe, war schon im Irak und in Afghanistan an bewaffneten Einsätzen beteiligt.

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    Reflex Responses-Chef Prince soll der NYT zufolge direkt in das VAE-Geschäft involviert sein.

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    Scheich Mohammed Zayed Al-Nahyan (r.), ein guter Freund der USA, hier im Bild mit Verteidigungsminister Robert Gates.

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