Angaben von Human Rights Watch
Lagos - Bei den Unruhen nach der nigerianischen Präsidentschaftswahl sind nach Angaben von Human Rights Watch (HRW) mehr als 800 Menschen getötet worden. Wie die Menschenrechtsorganisation am Montag erklärte, kamen sie in den drei Tagen nach der Wiederwahl von Amtsinhaber Goodluck Jonathan am 16. April bei politisch und ethnisch motivierter Gewalt in zwölf nördlichen Bundesstaaten des Landes ums Leben. Die nigerianischen Behörden haben bisher keine offiziellen Opferzahlen veröffentlicht.
Die HRW-Expertin Corinne Dufka bezeichnete den Urnengang als eine der fairsten, aber auch eine der blutigsten Abstimmungen in der nigerianischen Geschichte. Der aus dem Süden stammende Christ Jonathan hatte die Wahl mit 57 Prozent der Stimmen gewonnen. Sein Herausforderer, der Muslim Muhammadu Buhari, hatte anschließend Wahlfälschung beklagt. Nach der Wahl war es im mehrheitlich muslimischen Norden zu heftigen Zusammenstößen zwischen den Religionsgemeinschaften gekommen, zehntausende Menschen wurden vertrieben.
Vergangene Woche setzte Jonathan eine 22-köpfige Kommission unter Führung eines angesehenen islamischen Geistlichen ein, um die Ausschreitungen vor und nach der Wahl zu untersuchen. Auch die Wahl der Gouverneure und Regionalversammlungen Ende April hatte zu Unruhen geführt. Nigeria ist zwischen dem mehrheitlich muslimischen Norden und dem ölreichen, christlich dominierten Süden geteilt. Die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Landesteilen sorgen seit langem für Spannungen im bevölkerungsreichsten Staat Afrikas. (APA)