Bäume auf der Fahrbahn

Feldkirchen bei Graz bekommt Shared Space

16. Mai 2011, 11:05
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    foto: apa/marktgemeinde feldkirchen

    In Feldkirchen bei Graz wird ab sofort am Shared Space gearbeitet und damit das zweite Pilotprojekt Österreichs mit "geteiltem Raum" in Angriff genommen. Aus der Durchzugsstraße soll ein lebendiger Marktplatz werden, wodurch das Ortsbild attraktiver und der Durchzugsverkehr weniger werden sollen

2,4 Mio. Euro werden in erster erste Umbauphase investiert

Graz - Weg mit den Schildern, her mit Bäumen und Verkehrsflächen für alle: In Feldkirchen bei Graz wird ab sofort am Shared Space gearbeitet und damit das zweite Pilotprojekt Österreichs mit "geteiltem Raum" in Angriff genommen. Aus der Durchzugsstraße soll ein lebendiger Marktplatz werden, das Ortsbild wird aufgemöbelt und Autofahrern die Benutzung der Umfahrung schmackhaft gemacht. 2,4 Mio. Euro fließen in das erste Baulos im Norden der Marktgemeinde, so Bürgermeister Adolf Pellischek.

Seit jeher lebte man in der 5.500 Einwohner zählenden südlichen Nachbargemeinde von Graz mit der Triester Straße (B67) und dem starken Durchzugsverkehr. Obwohl 2006 die sogenannte Flughafen-Umfahrung um den Ortskern von Feldkirchen herum eröffnet wurde, wählen noch immer rund 12.000 Fahrzeuglenker täglich die direkte Strecke vorbei an Volks- und Hauptschule, Geschäften, Lokalen und Schülerhort. Als eine Sanierung - auch für die staureiche Einmündung der Rudersdorfer Straße in die Triester Straße - notwendig wurde, bewarb sich die Gemeinde für ein Shared Space-Pilotprojekt.

Bäume zur Entschleunigung

Während Gleinstätten in der Südsteiermark, wo die erste Umsetzung des Modells im vergangenen Herbst erfolgte, bereits durchwegs positive Erfahrungen gesammelt hat, wurde in Feldkirchen nun mit den ersten Vorbereitungen für den Umbau begonnen. Ende des Jahres soll das erste Baulos im Norden fertig werden. Dann werden sich Straße, Gehsteig, Radweg und Marktplatz auf einem Niveau befinden und die verschiedenen Funktionalitäten nur noch durch unterschiedliche Pflasterungsmaterialien angedeutet werden. Bäume sollen direkt in die ehemalige Fahrlinie der Autos gesetzt werden, um einen Entschleunigungseffekt zu erzielen.

Wie Bürgermeister Adolf Pellischek sagte, werde vorwiegend in der Ferienzeit gebaut. Bei dieser Gelegenheit soll der Durchgangsverkehr verstärkt auf die Umfahrung dirigiert werden, eine beabsichtigte nachhaltige Verhaltensänderung. 800.000 Euro der 2,4 Mio. Euro sollen nach Rechnung der Gemeinde vom Land Steiermark als Förderung für das erste Baulos beigesteuert werden. Das zweite Baulos in den südlichen Ortsteilen Abtissendorf und Wagnitz sollte spätestens 2013 fertig sein.

Die Skepsis der Bevölkerung und der Wirtschaftstreibenden, die bei der Planung ein Wörtchen mitsprechen durften, betraf zu Beginn des Projekts den Verlust von Parkplätzen und damit verbundenen Kundenschwund. Da nun aber auch rund um den künftigen Marktplatz gefahren und geparkt werden darf, haben sich die Wogen geglättet. Für Thomas Pilz von der Forschungsgesellschaft Mobilität (FGM) hätten die Pläne aber gerne "radikaler" sein können. Trotzdem setze die neue Gestaltung die Ideen des Shared Space um und werde seiner Meinung nach auch funktionieren. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 28
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Nicholas Blarney
 
00
21.10.2011, 13:55
Kapiert denn niemand,

daß es hier lediglich darum geht, Geld zu verbrauchen?

Coleman Silk
14
16.5.2011, 18:58
interessantes detail am rande:viele werden es schon wissen, trotzdem hier nochmal weils in dem artikel wiedermal unkommentiert vorkam:

jede (!) studie der letzten jahre, die nicht von einem autofahrerklub od einem mineralölkonzern in auftrag gegeben wurde,belegt dass es ein direktes verhältniss zwischen einkäufer/innen und autoverkehr gibt. und zwar: je weniger parkplätze und je weniger autoverkehr desto mehr (!) einkäufer/innen.

(jeder kann sich selber denken warum die gewerbliche wirtschaft dieses wissen nicht an ihrer größte mitgliedergruppe, die kleinunternehmen, weiter gibt.)

übrigens auch eine gute methode seine wahrnehmung zu überprüfen: ist man selber bisher trotz beschäftigung mit dem problem, immer zu einem anderen ergebniss gekommen, sollte man sich mal selbstkritisch fragen wie indoktriniert man eigentlich ist.denn:ne einkaufsstraße kennt wohl jeder von uns.

antonpirulero
00
17.5.2011, 00:05
haben sie da links dazu? danke.

Coleman Silk
00
17.5.2011, 16:19

die fülle ist groß - der einfachkeithalber:prof.Hermann Knoflacher von der tu wien googln. od noch besser: in die tu bib schauen und nen stoß papers mitnehmen ;)

allein was der typ in den letzten 30 jahren zu dem thema geforscht hat reicht aus um unsere gesamte verkehrplannung umzustellen, und zwar komplett. zusammenfassend kann man nämlich sagen:wir machen so gut wie alles falsch.(warum weiß er auch:weils früher - jäger,sammler - so wie wirs heute machen funktioniert hat.)

Zinnmo
 
01
21.10.2011, 13:51

Das stimmt primär für öffentlich gut erschlossene innerstädtische Einkaufsstraßen. In mittleren und kleinen Orten ist es ein bischen anders.

Stahl_____666
00
16.5.2011, 13:00
.

Gute Idee!

Ben Yamin
133
16.5.2011, 12:16
Faszinierend....

...wie hier selbst eine Form der Verkehrsorganisation zur Ideologie gemacht wird.
Und vor lauter Ideologie wird vermutlich auch diesmal keine echte Evaluierung, deren Ergebnis auch negativ sein kann, möglich sein.

Schade!
Dabei ist es wohl mehr als notwendig, sich Shared Space genau anzuschauen, wenn schon das Mischen von Fußgängern und Radfahrern nicht funktioniert.

gracchus l'ouverture
010
16.5.2011, 12:49
Das mischen von Fußgängern

und Radfahrern funktioniert deshalb nicht, weil beide zuwenig Platz haben. Aufgrund von "du weisst schon wem".
Im übrigen kenne ich die Gemeinde und kann nur sagen dass das wirklich längst notwendig war. Hoffe mal dass sich das Konzept auch an anderen Stellen der B67 (immerhin die am stärksten durch LKW Verkehr belastete Bundesstraße Österreichs) durchsetzt. Praktisch die ganze B 67 bis in den Bezirk Leibnitz hinein hat sich in den letzten 30 Jahren zu einer "Wurst" entwickelt: Linear links und rechts Stichstraßen, ohne Zentrum oder ähnlichem und mit ständig sich verschlechternder Nahversorgung (Seiersberg und Co. sei dank).

Fritz Menzl1
01
16.5.2011, 13:11
Ideologie lol

Diese Zuweisung kommt doch immer, wenn einmal ein anders "Denkender" in Österreich eine gute Idee kommt.

... und das Argument: Angekiffte Idee aus Holland habe ich schon aus allen Mündern vernommen, aus roten, grünen, schwarzen und blauen ... wer halt grad meint, er könne damit bei seinem Stimmviechern punkten ...

Coleman Silk
10
16.5.2011, 20:30

ich habs jetzt 2x gelesen, ihr posting und ich vermute stark ein drittes mal lesen bringt auch keine klärung:ich versteh es nicht. was, wie , warum, wer, ...

wer ist der anders denkende mensch mit ner guten idee? welche idee überhaupt? (shared space ist die idee?)

warum ist die idee angkifft und sie kommt aus holland? also shared space (auch wenn sie vielleicht auf wiki oder woanders was anderes lesen) ist ein konzept das in der landschaftsplannung etwa 100 jahre alt ist und erstmals von deutschen plannern in berlin formuliert wurde (der begriff ist natürlich jünger), shared space kann die idee also nicht sein - weils ja nicht aus holland kommt.

ach, drücken sie sich doch bitte einfach klarer aus. danke.

gracchus l'ouverture
00
16.5.2011, 22:04
da spricht...

die Boku. Dort muss man sich nicht mit "Verkehrssystemtechnik", der Voodooburschenschaft der TU auseinandersetzen. Aber auch abseits davon ist es ziemlich schwierig, Bürgermeistern usw. das Konzept näher zu bringen, da Fortbewegung außerhalb der eigenen vier Wände im größten Teil des Bundesgebiets als Ausweis für Minderjährigkeit gilt...
Möglich dass das dieser Berliner schon vor 100 Jahren formuliert hat, vermutlich hat die Grundidee davor auch schon irgendwer irgendwo formuliert - das ist aber nicht der Punkt,das derzeitige Konzept unter aktuellen Bedingungen kommt aus Holland.
Trotzdem hat mittlerweile jeder in den angrenzenden Disziplinen gecheckt wie wichtig Landschaftsplanung ist, kein Grund zum trotzigen "Hier sind wir!" :)

Coleman Silk
00
17.5.2011, 16:39
stimmt. da spricht die boku! :) und auch sonst:stimmt, stimmt, stimmt.

bezüglich:VST.sollte man/frau wirklich mehr hören, wobei's natürlich für den planner weniger bedeutung hat,als für andere bereiche. vorallem müssen wir ja auch eine - wenn sie so wollen - ideologie umsetzen.das ganze studium bringt ja nix, wenn man nachher alles so weiter macht wie bisher und 50% der bevölkerung und 80% der bedürfnisse des individuums schlichtweg weiter vergisst und nicht berücksichtigt.soll heißen:wenn ich so baue wie der momentane mobilitätswunsch der meisten menschen ist, baue ich weiterhin einfach die landschaft zu und jene (der großteil) die sich heute über mehr spuren,usw. freuen, jammern in 30 jahren über lärm, gesundheit, lebensquali im allgemeinen.schlimm aber war:man muß die menschen immer auch zum glück zwingen.

Fritz Menzl1
00
17.5.2011, 17:54
Ad Ideolgie

War ja genau mein Einwand. Die Shared Space Idee hat kein Ideologisches Mascherl, wird aber immmer dann in Frage gestellt, wenn die andere Fraktion im Gemeinde/Stadtrat damit anfängt; .. denSatz: "geht bei uns nicht, maximal bei den angekifften Holländern" , habe ich eben schon aus allen Richtungen gehört.

link: www.sharedspace.at

Coleman Silk
00
18.5.2011, 14:47

aha. ok.
jetzt versteh ich!

mir war der inhalt ihres postings einfach nicht klar.

danke für die aufklärung.

Dnadoc1
00
16.5.2011, 12:46

Bitte erst informieren, wissenschaftliche Grundlagen gibts zuhauf. Ich denke nicht, dass diese Projekte ideologisch motiviert sind - eher ist es Ihr Kommentar.

Vorerst mal Wikipedia-Artikel durchlesen :-)

http://de.wikipedia.org/wiki/Shared_Space

Ben Yamin
62
16.5.2011, 13:03
Selbstverständlich ist das ideologisch,...

...wenn ein Artikel über einen riesigen Umbau mit Shared Space aufmacht. Das ist, als würde man einen Umbau der Verkehrsorganisation eines Ortszentrums damit übertiteln, man würde jetzt einen Kreisverkehr bauen.

Shared Space kann unter bestimmten Veraussetzungen bei einer bestimmten Zusammensetzung des Verkehrs sinnvoll sein. Kann aber auch einfach nicht sinnvoll sein. ZB, wenn die PKW dominieren, was oft der Fall ist.
In den zig Jubelartikel über Shared Space wurde noch nie darauf eingegangen. Weil "shared" klingt halt sooooo supi links.

Coleman Silk
00
16.5.2011, 20:35

shared space bringt auch bei hoher pkw dichte etwas - allerdings ist dann die umsetzung heikler. sie haben also zum teil recht.

in diesem fall muß nämlich ein besonderes augenmerk auf radikale (mind. 50%) reduktion der parkmöglichkeiten u massive entschleunigung gesetzt werden. bäume neben der strecke die sie verkleiner bringen da oft nicht genug. es müssen tatsächlich barrieren eingebaut werden (u kurven zb) warum? der pkw fahrer muß die strecke fürderhin als so nervig empfinden dass er sie nur mehr fährt wenn er auch muß, nur dass reduziert genug um den space tatsächlich wieder shared zu machen - also von allen verkehrsteilnehmern nutzbar. hohe pkw dichte heißt ja schlichtweg: sonst fast nix.

gracchus l'ouverture
00
16.5.2011, 22:16
naja...schaus

dir mal auf Googleearth an. Die Straße ist fast völlig gerade. Parallel läuft die Umfahrung, auf der man praktisch gleich schnell an dem Dorf vorbeikommt (außerdem wurde baulich da schon vorgeleistet - 47.017581,15.439648. Was noch fehlt ist die Fortführung Richtung Leibnitz samt einem P&R Kalsdorf für die schnell wachsenden Gemeinden im Süden) Als jemand der die Strecke schon öfters mal gefahren ist kann ich dir versichern, dass das was dort geplant ist vollkommen ausreicht um die in der Stoßzeit restlos genervten Pendler auf die Umfahrung (wo man außerdem Teilweise sogar auf 100 darf oder in Zukunft vermutlich "durfte", so oder so ist man in Zukunft sicher [zumindest gefühlt] schneller) zu bringen.

Coleman Silk
00
17.5.2011, 16:28

gebe dir völlig recht.

hab ja auch nie angezweifelt dass das konzept funktioniert - würde halt noch besser funken wenns mehr barrieren gebe.

aber das ist ja eigentlich nicht der punkt. sondern: mein posting war ne antwort auf Ben Yamin:"Shared Space kann ... nicht sinnvoll sein. ZB, wenn die PKW dominieren."

und das stimmt schlichtweg nicht - das konzept muß dann nur ein anderes sein als bei weniger pkw. mehr hab ich nicht gesagt, zu dem projekt konkret eigentlich gar nix.

TRockenmilch
00
16.5.2011, 13:36

wieso haben sie so angst vor "linken" ideen??

joky1
03
16.5.2011, 14:40

ad "links":
Der Ortskern von Gleinstätten wurde unter den schwarzen zur Shared Space.

"Shared Space" ist ja auch nur ein neuer Name für das, was war, bevor Straßen die Domäne der Autowelt wurden.

Gruß

Markus Griesser
01
16.5.2011, 16:14

auch in Feldkirchen hat die ÖVP die Absolute

Ben Yamin
10
16.5.2011, 13:54
Hab ich nicht.

Ich finds nur immer so lächerlich, wenn sofort die Scheuklappen fallen, wenn irgendein Reizwort wie eben zB "shared" fällt.
Das ist wie bei den Rechten: Denken abschalten, laut blöken und mitschreien.

The_new_number_2
00
16.5.2011, 16:13

Wie bitte? Falls du es nicht weißt: "shared" ist Englisch und heißt einfach nur "gemeinsam genutzt". Es ist mitnichten ein Reizwort.

gracchus l'ouverture
01
16.5.2011, 13:14
na sicher

ist shared space kein Wundermittel, mit dem man die Probleme beseitigen könnte.
In diesem Fall gehts darum, die Leute endlich auf die Umfahrung zu kriegen und das schafft shared space schon (wobei das hier eigentlich unorthodox ist).
Im übrigen weiß ich nicht was daran zwangsläufig links ist. Es ist noch gar nicht so lange her, da wäre das rechts gewesen.
Die Überflüssigmachung des PKW ist aber schon links, auf jeden Fall. (aber dazu taugt halt shared space allein überhaupt nicht).

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