Schuhe für den A.

16. Mai 2011, 12:18
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Wenn Packerl unergründliche Irrwege gehen und Konsument und Anbieter aneinander vorbeireden

Meine Tochter wünscht sich Holzsandalen. Ich bin eine gute Mutter. Meine Tochter bekommt Holzsandalen. Im Internet werde ich bei der Firma Zara am 8. April fündig. Den Preis von 35,90 Euro ist mir das Leuchten in den Kinderaugen locker wert. Klick!, mit dem Abschicken der Online-Bestellung beginnt die Reise der kleinen Schuhe. Es wird eine sehr lange Reise.

Dabei fängt es ganz viel versprechend an. Zara schickt drei Tage nach Bestellung eine Versandbestätigung, ich sehe der Ankunft der Sandalen gelassen entgegen. Neun Tage später werde ich langsam unruhig. Wird das Paket etwa zu Fuß transportiert? Ein Anruf bei Zara verrät zumindest, woher die Schuhe kommen. Die Dame am Telefon erwähnt in sympathischem Schwyzerdütsch freundlich und nichts ahnend: "Die Schuhe sind vor sieben Tagen von Herrn A. in 1030 Wien übernommen worden." - "Aha", sage ich und versuche mir kurz vorzustellen, was dieser Herr wohl mit meinen Schuhen anfangen könnte.

Knapp 85.000 Menschen leben im dritten Wiener Gemeindebezirk. Was Herrn A. als Abnehmer für mein Paket qualifiziert, weiß ich nicht. Und die Auswahl der Lieferadresse ist mir ein Rätsel, gibt es doch keine logische Verbindung mit meiner eigenen Wohnadresse. Die Dame von Zara bleibt mir eine Erklärung ebenfalls schuldig, versichert mir jedoch glaubhaft, dass das Paket - das als Ostergeschenk gedacht ist - spätestens am Karfreitag bei mir eintreffen würde.

Karfreitag, 20 Uhr: Die nette Dame mit dem Schweizer Dialekt ist wieder am Apparat. Bedauerlicherweise arbeitet am Karfreitag beim Schweizer Paketdienstleister DPD niemand. Dachte ich mir schon, denn von den Schuhen ist, zumindest in meiner Gasse, nach wie vor keine Spur. Ich ziehe die Konsequenzen und meine Bestellung deshalb zurück. Die Rücküberweisung des Betrages erfolge prompt, versichert mir die Dame noch abschließend. 

Neue Schuhe müssen her und selbstverständlich bekomme ich das auch am Karsamstag noch irgendwie hin. Glückliche Tochter, glückliche Mutter. Der Shopping-Marathon ist fast schon vergessen, als zwei Wochen nach Ostern plötzlich ein Bote von DPD mit einem Paket vor meiner Haustüre steht. Was drin ist? Die Holzsandalen von Zara. Meinen Unmut werde ich in einem Email an die Firma gleich los, die mich auch umgehend telefonisch kontaktiert. Wie sich herausstellt, hält die Versandfirma DPD meine Heimadresse nun für die einer Zara-Filiale.

Das Angebot der freundlichen Dame am Telefon: DPD holt das Paket in den nächsten beiden Tagen wieder bei mir ab. Ich flehe um Gnade. Nein, bitte nicht, was, wenn ich nicht da bin oder aber DPD meine Adresse wieder nicht findet?

Wir einigen uns auf folgendes Procedere: Ich deponiere das Paket an meinem Arbeitsplatz und DPD holt dieses am darauf folgenden Tag von dort ab. Gesagt, getan - die Hoffnung, dass die Sache damit erledigt ist, bleibt jedoch eine Illusion. Die Schuhe werden weder am nächsten, noch am übernächsten Tag abgeholt. Dafür läutet es am dritten Tag an meiner Haustüre. Über die Sprechanlage höre ich nur ein: "Abholung" und im selben Moment verliere ich endgültig meine Fassung.

"Ich will dieses Paket nicht", kreische ich in den Hörer, und "wenden Sie sich an die Firma Zara, an den Herrn A. oder sonst wo hin." Im Übrigen kann ich auch auf die 35 Euro, die den Weg auf mein Konto noch nicht zurückgefunden haben, ebenfalls gut und gerne verzichten. (derStandard.at, 16.5.2011)

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    So groß wenn sie wären, die Holzpantoffeln der Wahl, würde man noch verstehen, dass ihren Transport niemand übernehmen kann.

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