Fidler lässt sich die Därme flechten

31. Mai 2011, 16:04
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Endlich findet er Cordula auf Sardinien - und fährt dafür ganz schön weit in die schönen Berge

Und wo war nun Cordula? Weit weg jedenfalls, und gar nicht einfach. Aber so leicht gibt der Fidler nicht auf, wenn er sich etwas einbildet. Für Cordula fährt er meilenweit.

Im Domu Sardu hatte Cordula gerade ihren freien Abend, wie treue Schmeck's-Userinnen und User schon wissen. Nächster Versuch: Villasalto, nicht so weit von Cagliari beziehungsweise Pula, meinem Basislager auf Sardinien. Und: Das Paolo Perella in Villasalto hebt der Osteriaführer mit einer Schnecke hervor, stets ein Anziehungspunkt für den Fidler. Aber: Der Paolo ist ein bisschen schwierig, scheint mir. Das lag jedenfalls nicht alleine an meinem mageren Italienisch - ich spannte auch eine beider Sprachen kundige Reiseführerin ein, als ich nicht mehr weiterkam.

Mittags und abends soll das Lokal offen haben, sagt der Fressführer, und man möge, weil klein, unbedingt reservieren. Der Chef indes sagt: mittags gern, abends aber nur ab acht Personen. Ich esse zwar für drei, aber für acht würde selbst mich überfordern. Wild entschlossen klinke ich mich aus dem übrigen Programm aus und rufe noch einmal an: Ist Cordula da? Nein, ich frage natürlich, ob der gute Paolo Cordula heute mittag anbietet. Nein. Ok, ich gebe auf.

Sind ja nur ein paar (eigentlich viele) Dutzend Kilometer mehr zur nächsten Schnecke in Gavoi. Und das mir für Cordula empfohlene Sa Mesa, in der Nähe Cagliaris, hat mittags nicht offen. Und: Santa Rughe hat Cordula vorrätig. Also sattelt der Fidler die Micra Mouse und reitet in die schon sehr schönen Berge Mittelsardiniens. Ökologisch betrachtet natürlich ein Wahnsinn, zeitökonomisch sowieso, aber immerhin bewahrt das Solo vor dem Kapitalrausch der Kollegen, die den Bootsausflug wählten. Aber für Cordula...

Ich sag's besser gleich: Cordula war den Aufwand nicht wirklich wert. Der Osteriaführer erklärt das Gericht als "geflochtene Zicklein- oder Lammdärme". Das klingt nicht schön, ist es auch nicht wirklich. Das Innere des Tieres wird wurstförmig verpackt und gegrillt. Schmeckt außen knusprig, innen ein bisschen milchig, aber vor allem relativ langweilig und trocken, vor allem in Kombination mit dem sardischen Dünnbrot.

Franco Podda ist von seiner Cordula offenbar auch nicht restlos überzeugt: Der Wirt und Koch lässt mir bei der Bestellung an Herz und Gaumen legen, doch gleich zur Cordula noch ein anderes landestypisches Gericht in seiner Interpretation zu nehmen. Ich glaube, Su Tattaliu zu hören, habe das als Hirtengericht aus Innereien gelesen, und bin schon dabei. Das beschert mir eine komplette zweite Hauptspeisenportion von relativ konventionellen, nach meiner Nase etwas zuwenig gründlich geputzten Kutteln in Paradeissauce und einem ordentlichen Schwung Bries mit Salzerdäpfeln und Petersilie. Vor allem das Bries sehr okay. Die Interpretation dürfte sich aber doch eher weitläufig von einem Hirtengericht ableiten, scheint mir. Egal.

Mengenmäßig waren wir drei (aber eben nicht acht) Fidler auch ein bisschen überfordert - schließlich brauchte auch die gewaltige Portion mir als Hausspezialität empfohlene Riesenravioli mit Wildschweinsauce vorweg Platz. Die fand ich übrigens sehr gut.

Beliebteste Speise an diesem Mittag waren in diesem doch etwas meerferner gelegenen Lokal übrigens Miesmuscheln. Aber ihre Esser reisten vermutlich nicht wie ich auch vom Meer hierher an. Und gut, auch in Österreich stehen Branzino, Austern und Seeteufel auf Speisekarten.

PS: Wo wir schon beim Kilometerstand des Essens sind: Meine nächste Lern-Etappe in Sachen Dry Ageing habe ich auch absolviert. Herr Corti empfahl mir, endlich ins Charly P's in der Währinger Straße zu gehen. Und fürwahr, ein ansehnliches, laut Karte 31 Tage gereiftes Steak vom Angus, mit Bärlauchbutter, hausgemachten Chips und Zwiebelringen, war für 18,50 Euro kein Fehler. Um die paar etwas flachsig-fettere Stelle kann man ja herumschneiden, da braucht man nicht groß meckern.

Der irische Bioziegenkäse mit Gemüse im Filoteig als Hauptspeise war ebenso fein wie üppig, vor allem nach der wirklich schönen, aber auch nicht gerade leichten Karfiolsuppe. Die netten Kartoffelteigbällchen mit Lauch, Zwiebel und einer Ei-Schnittlauch-Trüffel(öl)-Remoulade als Gruß aus der Küche nicht zu vergessen. Ich hatte vorweg sechs schöne Austern mit Champagner-Vinaigrette. Die hatten, ich geb's ja zu, vermutlich auch eine etwas weitere Anreise.

Nicht ausgeschlossen, dass Charly einen neuen Stammkunden hat.

Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

  • Pane Carasau, sardinisches Dünnbrot im Santa Rughe
Santa RugheVia Carlo Felice 2Gavoi Sardinien0039 0784 53774
Vorspeise, zwei Hauptspeisen, Wasser, Kaffee: 25 Euro
    foto: harald fidler

    Pane Carasau, sardinisches Dünnbrot im Santa Rughe

    Santa Rughe
    Via Carlo Felice 2
    Gavoi
    Sardinien
    0039 0784 53774

    Vorspeise, zwei Hauptspeisen, Wasser, Kaffee: 25 Euro

  • Ravioli mit Wildschweinragout, sehr fein, aber nicht gerade klein. Dabei müssen noch zwei Hauptspeisen reinpassen
    foto: harald fidler

    Ravioli mit Wildschweinragout, sehr fein, aber nicht gerade klein. Dabei müssen noch zwei Hauptspeisen reinpassen

  • Cordula, gebettet auf Brot - nicht gerade saftig, muss man sagen
    foto: harald fidler

    Cordula, gebettet auf Brot - nicht gerade saftig, muss man sagen

  • Wir nähern uns Cordula
    foto: harald fidler

    Wir nähern uns Cordula

  • Und so sieht sie von innen aus, die Gute.
    foto: harald fidler

    Und so sieht sie von innen aus, die Gute.

  • Und hier noch ein paar saftigere innere Werte: Kutteln und sehr schönes Bries. Damit Cordula nicht so staubt
    foto: harald fidler

    Und hier noch ein paar saftigere innere Werte: Kutteln und sehr schönes Bries. Damit Cordula nicht so staubt

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