Königin Silvia lässt Nazi-Vergangenheit ihres Vaters prüfen

15. Mai 2011, 18:47

Walther Sommerlath soll 1938 in Berlin "arisierten" Betrieb eines deutschen Juden übernommen haben

 

Stockholm - Schwedens Königin Silvia lässt die Rolle ihres 1990 gestorbenen deutschen Vaters während der Nazi-Herrschaft und bei der Judenverfolgung untersuchen. Das teilte der Stockholmer Hofsprecher Bertil Ternert am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa mit. Die gebürtige Heidelbergerin reagiert damit auf eine TV-Dokumentation vom Ende vergangenen Jahres, wonach ihr Vater Walther Sommerlath 1938 in Berlin den "arisierten" Betrieb eines deutschen Juden übernommen und dort während des Zweiten Weltkrieges für die Wehrmacht produziert haben soll.

Nach der TV-Dokumentation hatte sich die 67-jährige Ehefrau von König Carl XVI. Gustaf darüber beklagt, dass sie mit dem an der Judenvernichtung in wichtigen Funktionen beteiligten SS-Offizier Adolf Eichmann auf eine Stufe gestellt worden sei.

Weitgehend einhellig in Schweden kritisiert wurden frühere Interview-Äußerungen von Silvia, in denen sie die Mitgliedschaft ihres Vaters in der Nazi-Partei ab 1934 und seine geschäftlichen Aktivitäten in den folgenden Jahren verteidigt hatte: "Es war doch eine Maschinerie, oder wie? Er war ja nicht politisch aktiv oder Soldat. (...) Wenn man sich dagegen stellte, war man ja gegen die ganze Maschinerie."

Dazu hatte der deutsche Publizist Rafael Seligmann in einer Dokumentation des Stockholmer Senders TV4 erklärt: "Wenn eine schwedische Königin 2010 ein Argument benutzt, wie das auch Adolf Eichmann vor 49 Jahren im Gerichtssaal in Israel getan hat, ist das jämmerlich."

Hofsprecher Ternert sagte, die Königin wolle jetzt mit Hilfe von Kontakten in Deutschland und Brasilien "eine Anzahl offener Fragen" zu den Aktivitäten ihres Vaters klären lassen. Dazu werde sie sich sich auch professioneller Hilfe von Historikern und anderen bedienen.  (APA)

Bugio
00
17.5.2011, 03:50
Leider, zu spät.

Sollen nun alle "Freiheit für Lappland und Nazis raus" posten ? Der schwedische Außenminister Carl Bildt hatte ganz klar gezeigt wofür Schweden steht. Nun ist es leider zu spät. Die Distanzierung von den Nazis hätte Schweden zumindest einige Jahrzehnte früher deutlich machen müssen.

Gebhard von Bluecher
03
16.5.2011, 21:07
immer weiter

die Vergangenheit darf nicht ruhen. Zur Not posthum ein Prozess und zumindest eine Entschuldigung der Tochter.
Darf man diesem Tun auch überdrüssig sein ?
Seit wieviel Jahrzehnten arbeiten wir auf? 95%
der Beteiligten sind tot und der Rest im Status des John Demjaniuk - es verkommt zur Farce.

RO81
00
26.1.2012, 11:13

eine entschuldigung der tochter?
darf ich sie danach fragen, wie sie zu ihrem seltsamen rechtsverständnis gekommen sind?

es gibt keine sippenhaftung in rechtsstaaten. außer, wenn es darum geht, dass jemand profit aus der vergangenheit schlagen möchte. dann wird sowas eingeführt...

der vater soll posthum verurteilt werden, wenn er ein nazi war. aber was in gottes namen hat sich dabei die tochter zuschulden kommen lassen?

Jürgen Rembremerding
00
16.5.2011, 23:42
"Darf man diesem Tun auch überdrüssig sein ? "

"Überdrüssig sein" ist mit dem zweiten Fall!

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