Walther Sommerlath soll 1938 in Berlin "arisierten" Betrieb eines deutschen Juden übernommen haben
Stockholm - Schwedens Königin Silvia lässt die Rolle ihres 1990
gestorbenen deutschen Vaters während der Nazi-Herrschaft und bei der
Judenverfolgung untersuchen. Das teilte der Stockholmer Hofsprecher Bertil
Ternert am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa mit. Die gebürtige Heidelbergerin
reagiert damit auf eine TV-Dokumentation vom Ende vergangenen Jahres, wonach ihr
Vater Walther Sommerlath 1938 in Berlin den "arisierten" Betrieb eines deutschen
Juden übernommen und dort während des Zweiten Weltkrieges für die Wehrmacht
produziert haben soll.
Nach der TV-Dokumentation hatte sich die 67-jährige Ehefrau von König Carl
XVI. Gustaf darüber beklagt, dass sie mit dem an der Judenvernichtung in
wichtigen Funktionen beteiligten SS-Offizier Adolf Eichmann auf eine Stufe
gestellt worden sei.
Weitgehend einhellig in Schweden kritisiert wurden frühere
Interview-Äußerungen von Silvia, in denen sie die Mitgliedschaft ihres Vaters in
der Nazi-Partei ab 1934 und seine geschäftlichen Aktivitäten in den folgenden
Jahren verteidigt hatte: "Es war doch eine Maschinerie, oder wie? Er war ja
nicht politisch aktiv oder Soldat. (...) Wenn man sich dagegen stellte, war man
ja gegen die ganze Maschinerie."
Dazu hatte der deutsche Publizist Rafael Seligmann in einer Dokumentation des
Stockholmer Senders TV4 erklärt: "Wenn eine schwedische Königin 2010 ein
Argument benutzt, wie das auch Adolf Eichmann vor 49 Jahren im Gerichtssaal in
Israel getan hat, ist das jämmerlich."
Hofsprecher Ternert sagte, die Königin wolle jetzt mit Hilfe von Kontakten in
Deutschland und Brasilien "eine Anzahl offener Fragen" zu den Aktivitäten ihres
Vaters klären lassen. Dazu werde sie sich sich auch professioneller Hilfe von
Historikern und anderen bedienen. (APA)