Eurofinanzminister wollen Nachfolge Jean-Claude Trichets unter den Hut bringen
Auf die Bestätigung von Mario Draghi als Nachfolger des Franzosen Jean-Claude Trichet an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte die Affäre von IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn vermutlich keine Auswirkungen haben. Der Chef der italienischen Notenbank galt zuletzt als eindeutiger Favorit, nachdem die deutsche Kanzlerin Angela Merkel vergangene Woche erstmals durchblicken ließ, dass sie mit ihm einverstanden wäre.
Frankreich, das zweitmächtigste Mitglied der Eurozone, hatte sich schon früher einem entsprechenden Wunsch Italiens angeschlossen. Die Personalie wird von den EU-Finanzministern in Brüssel behandelt. Ein EU-Gipfel muss bis Ende Juni entscheiden. Ursprünglich hatte Deutschland auf den Posten gepocht, aber nach dem freiwilligen Rückzug von Bundesbankchef Axel Weber wieder verzichtet. Danach ließ Merkel streuen, dass sie sich Draghi auch als Nachfolger von Strauss-Kahn an der IWF-Spitze gut vorstellen könnte. Der EZB-Vizepräsident ist Portugiese, was in Berlin Sorge vor "Südlastigkeit" weckte. (tom, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 16.5.2011)