Krisen-Hilfe

Strauss-Kahn-Affäre behindert Fahrplan

Thomas Mayer, 16. Mai 2011, 08:32

Eurominister setzen nach Festnahme des IWF-Präsidenten ihre Beratungen fort, die Nachfolgedebatte läuft

New York - Die Festnahme des Chefs des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, in New York droht den Fahrplan zur Bewältigung der Schuldenkrise in der Eurozone durcheinanderzubringen. Strauss-Kahn war am Samstag am John F. Kennedy Airport aus dem Flugzeug geholt worden. Dem 62-Jährigen wird zur Last gelegt, eine Hotelangestellte in New York belästigt zu haben. Die Anklage lautet auf sexuelle Nötigung, versuchte Vergewaltigung und Freiheitsberaubung. Strauss-Kahn bestreitet nach Angaben seines Anwalts die Vorwürfe. Im Verhör mit dem zuständigen Richter werde er auf unschuldig plädieren.

Strauss-Kahn hätte am Sonntag mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel in Berlin über neue Hilfen für Athen beraten wollen. Heute Montag wäre er in Brüssel erwartet worden, wo die EU-Finanzminister das Rettungspaket für Portugal beschließen und über Anschlusskredite für Griechenland debattieren wollen. Der IWF trägt die Hilfen für die klammen Euroländer zu einem Drittel mit.

Beratungen über neue Hilfen werden nun von einer Debatte über die Nachfolge des Franzosen überlagert. Griechenland warnte am Sonntag bereits vor Verzögerungen. Ein Regierungssprecher erklärte aber, dass begonnene Reformen umgesetzt würden, ein Privatisierungsschub kommt.

***

Wäre der Anlassfall für die allerjüngsten Turbulenzen nicht so brutal, müsste Jean-Claude Juncker in Brüssel frei nach Friedrich Torbergs Tante Jolesch wohl aufstöhnen: Wennst kein Glück hast, ist das Pech auch nicht weit.

Vor einer Woche war ein "Geheimtreffen" der Finanzminister der großen Eurostaaten bei ihm in Luxemburg aufgeflogen. Seither wurde der Chef der Eurogruppe nicht fertig mit Dementis, dass eine Umschuldung Griechenlands oder gar ein Austritt aus der Währungsunion kein Thema sei.

Für heute Montag lag eigentlich das 78 Milliarden Euro schwere Hilfspaket von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) für Portugal fertig zur Verabschiedung auf dem Verhandlungstisch der EU-Finanzminister. Italien hatte angekündigt, mit Mario Draghi offiziell den von Frankreich, Deutschland und Großbritannien mitgetragenen Kandidaten für die Nachfolge des Chefs der Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, auf den Weg zu bringen (siehe Bericht unten).

Neuer IWF-Chef gesucht

Die Verhaftung von IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn wegen angeblich versuchter Vergewaltigung einer Hotelangestellten in New York wird all das wohl in den Schatten stellen, wenn sich sämtliche Finanzspitzen Europas am Nachmittag im Justus Lipsius, dem Ratsgebäude der EU in Brüssel, zusammenfinden. Strauss-Kahn hätte eigentlich dabei sein sollen.

Die Absicht des französischen Sozialisten, bei den Präsidentenwahlen nächstes Jahr gegen Nicolas Sarkozy anzutreten, hätte ohnehin bald dazu führen müssen, dass man sich über einen Nachfolger an der IWF-Spitze verständigt. Der Chefsessel steht traditionell den Europäern zu, während die USA in der Regel den Chef der Weltbank stellen.

Unter den gegebenen Umständen dürfte die Debatte, wer Strauss-Kahn nachfolgen könnte (sein vorzeitiger Abgang nach Frankreich war erst für Ende des Jahres angepeilt) wohl vorgezogen werden müssen. Anspruch darauf hat der britische Premierminister David Cameron angemeldet. Gute Chancen wurden aber auch der französischen Finanzministerin Christine Lagarde zugemessen. Interimistisch übernimmt Strauss-Kahns Stellvertreter John Lipsky den Spitzenposten.

Hilfspaket für Portugal steht

Aber solche Personalturbulenzen sind eher klimatischer Natur. Direkte Auswirkungen auf Inhalt und Umsetzung der Hilfsprogramme für Griechenland, Portugal und Irland werden sie nach übereinstimmender Ansicht von Experten jedenfalls keine haben. Nicht zufällig hat der IWF sofort nach der Verhaftung Strauss-Kahns in einer Aussendung betont, dass die Arbeit des Instituts ohne Einschränkung weitergehe.

Das Hilfspaket für Portugal ist bereits seit zwei Wochen im Kern fertig geschnürt. Die EU-Kommission hat in den vergangenen Tagen noch einige offene Detailfragen geklärt: Das Land bekommt bis 2013 insgesamt 78 Milliarden Euro an Kredithilfen, von denen 26 Milliarden vom IWF stammen.

Dafür muss die künftige portugiesische Regierung ein hartes Fiskalsparpaket umsetzen, den staatlichen Sektor kräftig zurückstutzen und die Löhne senken sowie Privatisierungen vornehmen.

Es ist davon auszugehen, dass in der Eurogruppe kein Land gröbere Einwände erhebt. Nachdem der zuständige Ausschuss des finnischen Parlaments sich Freitag mit großer Mehrheit für die Portugal-Hilfe ausgesprochen hat, wird es in der Eurogruppe grünes Licht geben. Mitte Juni wird die erste Tranche von etwa neun Milliarden Euro nach Portugal fließen.

Griechen privatisieren mehr

Anders die Lage mit Griechenland. Das Land braucht bald ein zweites Hilfspaket aus dem Eurorettungsfonds (EFSF), weil das erste von Mai 2010 nicht ausreicht. Es war von den Eurostaaten als Kredithilfe damals noch bilateral gegeben worden.

Wie es in Brüssel heißt, werde die Eurozone weitere Kredite auch gewähren bzw. eine deutliche Fristerstreckung für die Rückzahlung von Verbindlichkeiten, ohne schnelle Umschuldung. Die Griechen müssten dafür aber ihr Privatisierungsprogramm beschleunigen. Der Staat besitzt allein 340 Milliarden an Immobilienvermögen.

Premierminister Giorgos Papandreou kündigte bereits an, dass Privatisierung von Staatsvermögen ab nun "erste Priorität" habe. 50 Milliarden will man bis 2015 erlösen. Sein Land werde beweisen, dass es in der Lage sei, die Schulden zu bedienen. EZB-Chef Trichet betonte am Wochenende, der Euro sei als Währung "stabil und glaubwürdig. Was wir derzeit in einigen Ländern beobachten, ist in erster Linie eine Schuldenkrise der öffentlichen Haushalte". (Thomas Mayer, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 16.5.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 170
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MartiniS
00
30.11.2011, 18:43
"Strauss-Kahn hätte ... mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel in Berlin über neue Hilfen für Athen beraten wollen." Ob er bei dieser Gelegenheit etwas "Falsches" sagen wollte? Es ist sicher nur ein Zufall

das die Frau aus einer "ehemaligen" Kolonie Frankreichs kam.....

Psycho87
10
16.5.2011, 13:07
Was er sich wohl gedacht hat:

Hey, ich bin zwar stinkreich, mächtig, berühmt und kann mir alles kaufen. Aber hin und wieder überkommt es mich einfach. (?)

Das versucht man uns zumindest einzureden.

Linus Tintifax
00
16.5.2011, 11:58
dauer-randale

"Giorgos Papandreou kündigte bereits an, dass Privatisierung von Staatsvermögen ab nun 'erste Priorität' habe. 50 Milliarden will man bis 2015 erlösen. Sein Land werde beweisen, dass es in der Lage sei, die Schulden zu bedienen."
mit dieser kriegserklärung an die autonomen (und dem rest der bevölkerung) wird's "lustig" auf griechenlands straßen. also liebe fotografen, immer genug akkus und speicherkarten mitnehmen!

Bromosel
00
16.5.2011, 10:29
3.000 Dollar für eine Nacht

Erste Bank Aufsichtsrat genehmigt sich mal locker Gehaltsverdopplung auf 700.000 €/Jahr.
Das sind 1.917,81 € pro Tag.
Das ist pervers.

Stimme der Vernunft
00
16.5.2011, 09:53
DSK immer noch Keynote Speaker im Brussels Economic Forum am Mittwoch :-)

Also, ich glaub nicht, dass sich das ausgehen wird:

Auf http://ec.europa.eu/economy_f... index.html wird DSK immer noch fuer Mittwoch, 18. Mail 9:40-10:00 fuer die Keynote Address als Sprecher angefuehrt.

Vielleicht per Videoschaltung aus einer Knastzelle? Waer mal was anderes :-)

Die Edle
13
16.5.2011, 09:45
Ich kann mir nur schwer vorstellen,

dass der Chef des IWF sich dermaßen deppad anstellt, dass er nackt in einem Hotelzimmer über das Zimmermädchen herfällt?! Ich will nicht mit Verschwörungstheorien anfangen,die sprießen ja immer wie Spargel aus dem Maiboden bei solchen Geschichten, aber das ganze ist so extrem schwachsinnig, dass es irgendwie schwer glaubwürdig ist.

eknaD
00
16.5.2011, 18:52

Kann ich nicht ganz nachvollziehen.
Viele argumentieren so "er müsste doch wissen..", "er kann sich doch eine Prostituierte leisten..", "kann nicht sein, dass er so dumm ist.."

diese Überlegungen gehen aber davon aus, dass ein Mensch IMMER absolut ratio-gesteuert handelt. Das ist aber nicht so.

Sternchen100
53
16.5.2011, 09:44
Wahrheit oder Lüge? Bei USA weiß man das nimmer

Die USA hat mit ihren Aktionen gegen Julian Assange, gegen Irak usw. derart ihren Ruf beschädigt, dass man schon gar nichts glaubt. Strauss-Kann war kein Amerikaner und noch dazu französischer sozialistischer Kandidat in Frankreich - und das als IWF-Chef, wo doch die Rating-Agenturen endlich auch mal der pleite-USA das +AAA-Rating streichen wollten. Immer wenn die USA jemand anpatzen wollen, geschieht das entweder mit Sex oder mit angeblichem Betrug.

Was machte das Zimmermädchen ungefragt und grundlos in seiner Suite? Hatte der Mann ein verkleidetes Callgirl erwartet und war sie deswegen da, absichtlich, untergeschoben? Oder war das nur unglücklicher Zufall?

Man sieht, die USA hat inzwischen einen ganz schlechten Ruf, selbst schuld.

MartiniS
00
16.5.2011, 19:43
Das Europa lügt ist klar.

Europa hat mit seinen Aktionen gegen Julian Assange, gegen Irak usw. derart ihren Ruf beschädigt, dass man schon gar nichts glaubt. Strauss-Kann ist ein Europäer und noch dazu französischer sozialistischer Kandidat in Frankreich - und das als IWF-Chef. Wenn der nicht spurt und den pleite Iren, pleite Griechen, pleite ..... , wenn auch immer, nicht das Geld zur Verfügung stellt damit sie die nächste Woche überstehen, wird er angepazt. So was geschieht in Europa entweder mit Sex oder mit angeblichem Betrug.
Ist ja schließlich nicht das erste Mal das Europa das versucht. Korruptionsvorwürfe 1999... Eine kleine Affäre vor 3 Jahren... und jetzt das.

In Europa wäre es wirklich sehr komisch das ein Zimmermädchen in eine Suite kommt. Das würde

MartiniS
00
16.5.2011, 19:58

ja bedeuten dass sie arbeitet. In Europa? Undenkbar!!
In Amerika kann das aber anders sein. Vielleicht machen dort die Zimmermädchen die Zimmer sauber?
Man sieht, Europa hat inzwischen einen ganz schlechten Ruf, selbst schuld.

(o)
00
16.5.2011, 09:39

bis dieser "mensch" freigesprochen wird, könnte man ihn doch vorübergehend durch einen leiharbeiter ersetzen))) wäre sowieso dafür, leiharbeiter auch in der politik einzusetzen!

die milch im loch des knie
01
16.5.2011, 09:29

' ...Was wir derzeit in einigen Ländern beobachten, ist in erster Linie eine Schuldenkrise der öffentlichen Haushalte" ' = ein gläubigerglücksfall der bankster

Dr. Seltsam
 
00
16.5.2011, 09:33

Stimmt zu 100%. Jetzt können wieder "Risikoaufschläge" ohne Risiko verrechnet werden.

forever52
01
16.5.2011, 09:25
Das kann aber nicht sein...

...dass wegen diesem Wappler wichtige Interventionen nicht forwärts gehen !!!!!

##V+##
00
16.5.2011, 09:43
Wie jetzt, Fahnen - vau oder Vogel - ef?

gas karl
00
16.5.2011, 09:16
f&f ....der ist leider

über den ersten Step in der Bedürfnispyramide nicht heinausgekommen....man sollte ja meinen dass so Zeit und Energie findet was sinnvolle zu machen. beim Strauss -Kahn hat das . icken und fressen erst begonnen

die liebe augustine
19
16.5.2011, 09:11
drei fliegen auf einen streich:

1. er ist öffentlich kompromittiert
2. er muß als IWF chef zurücktreten
3. er kann nicht mehr Frankreichs präsident werden

MartiniS
00
16.5.2011, 19:55
Dann hat Europa und seine Bürger ja alles was sie wollten. Kein Zufall, sondern volle Absicht.

Sternchen100
12
16.5.2011, 09:44

Dann hat die USA ja alles, was sie wollte. Was für ein Zufall.

##V+##
00
16.5.2011, 09:43
Job well done

Emil Sacklinger
 
11
16.5.2011, 09:09
ein maximal peinlicher popanz,

der schleunigst zurücktreten sollte.

(und tschüß !!!)

widerstehen1
 
30
16.5.2011, 08:47
Sofitel Hotel in New York

Mit großen Opfern hatte ich eine anständige kleine Summe, rettete etwa dreitausend € und ich verbrachte den ganzen oder vielmehr investiert, und buchen Sie eine Suite im Sofitel Hotel in New York im Namen eines "alten Gesabbel" von 73 Jahren . Wir hoffen, dass dieses alte vergessen dein Handy irgendwo.
Pasiphae und ihre Auswirkungen auf Kunst und Kultur. Vom Mythos zur Legende: Wie ist es in den Arsch!

http://www.scribd.com/doc/52060... a-di-troia

The Brain User
03
16.5.2011, 09:41
?

Was genau rauchen sie?

widerstehen1
 
00
16.5.2011, 09:51
Ich entschuldige mich für meine deutschen

Ich entschuldige mich für meine deutschen

smile file
52
16.5.2011, 08:36
Tja...

...der Inhalt des Verhörs wäre interessant! In den Fängen des FBI,- über den Tathergang zur Rettung des "€uro's) um erfolgreiche Gegenmasznahmen seitens des Dollar's zu starten.

Amerika,...du bist wirklich unglaubwürdig geworden..

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