Heinz-Christian Strache ist wieder zurück - Nicht nur mitregieren möchte er, sondern gleich an die Macht
Heinz-Christian Strache ist wieder zurück. Aus Italien, wo auch Jörg Haider gerne Rechtspopulisten traf. Aber Strache will ja nicht sein wie Haider. Nicht nur mitregieren möchte er, sondern gleich an die Macht. Vertraute er dem ORF-Mittagsjournal an. Die Umfragen schließen das nicht mehr aus.
Politiker der Regierungsparteien wissen kein Rezept gegen Strache, der mit der Art seines Auftretens die politische Messe liest. Großeltern und Enkel sind seine häufigsten Bewunderer. Wobei vermutlich die hohen Spritpreise und die Milliardengewinne der Ölmultis eine mindestens so große Rolle spielen wie die Ausländerfrage.
Dazu müsste Strache erst etwas sagen, wenn er an der Regierung wäre. Er würde das Problem der unverschämt hohen Benzin- und Diesel-Preise nach Brüssel delegieren. Die Leute würden es ihm glauben. So wie sie den derzeitigen Regierenden nichts mehr glauben. Die halbherzigen Leistungsbekenntnisse des Michael Spindelegger helfen da nicht weiter.
Denn wer heute ein Unternehmen gründet, dem werden allfällige Gewinne rasch weggesteuert. Und Sozialversicherungsbeiträge bei der gewerblichen Wirtschaft zahlen auch jene, die längst in Pension sind, aber halt noch etwas "leisten" möchten. Am einträglichsten sind in Österreich legal die Stiftungen (was nur wenigen Unternehmern gelingt) und illegal der Pfusch (der Profit der "Fleißigen").
Wenn die Enttäuschten nicht immun sind gegen Rechtspopulisten, gehen sie ihnen auf den Leim. Dazu kommen die unterschiedlichen Persönlichkeitsprofile der Parteichefs, deren Körpersprache und Rhetorik. Die unter die Haut geht oder auch nicht.
Für Strache ist "nicht wichtig, ob auf der Visitenkarte ,Bundeskanzler' steht," sagt er ganz locker im Standard-Interview vom Samstag. "Die bestimmende Kraft" will er sein. Selbstbewusst wie seinerzeit Haider diktiert er das.
Dem gegenüber Spindelegger. Er hat einen sanfteren Begriff von Kraft. Er will "die Kraft" haben, die ÖVP wieder Richtung Spitze "zu entwickeln". Das klingt noch vorsichtiger als Josef Pröll und ist meilenweit entfernt vom Machtbewusstsein des Wolfgang Schüssel, als dieser 1995 ÖVP-Obmann wurde.
Strache plakatiert Ideen, Spindelegger "sammelt" sie erst - Parteitag ist am Wochenende. Spindelegger redet differenziert über die Zukunft Europas, Strache will wieder einmal den Euro abschaffen. Die EU hat er noch nie gemocht, das trägt ihn beim Publikum. Und lässt ihn über die Milliardenspritzen für Pleiteländer und -banken schwadronieren. Obwohl jene, die ihm applaudieren, bei der Sanierung der FPÖ-Finanzierungsbank Hypo Alpe Adria bei ihren Steuerleistungen vom Haider-Erbe belastet werden.
Selbst Journalisten haben da nicht immer den Durchblick: wenn die eine Zeitung eine Wochen alte Nachricht der anderen neu verkauft und sogar das Fachpublikum darauf hineinfällt, indem ihm der Text wie exklusiv vorkommt.
In diesem Teich aus echten Sorgen, erfundenen Geschichten und ungesühnten Gaunereien tümpelt die österreichische Politik dahin. Wem die Geduld reißt, der macht Schlagzeilen. Ganz kurz.
Geändert wird nichts. Außer, es gewinnt 2013 Heinz-Christian Strache die Nationalratswahlen. Aber da wird es heißen: Den sitzen wir aus.(Gerfried Sperl, DER STANDARD; Printausgabe, 16.5.2011)