"U-Bahn lassen wir nicht aus dem Auge"

15. Mai 2011, 18:09
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Mit der U-Bahn nach Klosterneuburg, Purkersdorf, Mödling oder Gänserndorf - für Niederösterreichs Verkehrslandesrat Karl Wilfing ist das mittelfristig denkbar

Standard: Haben Sie schon Kontakt mit Wiens Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou aufgenommen?

Karl Wilfing: Nein, weil es erst vor kurzer Zeit einen Termin mit ihr und Landeshauptmann Erwin Pröll gab. Aber natürlich müssen wir an der Schnittstelle Wien-Niederösterreich gemeinsam arbeiten. Ich werde mich einarbeiten und dann mit einer To-Do-Liste zu einem Gespräch kommen.

Standard: Was haben Vassilakou und Pröll besprochen?

Wilfing: Da ging es um ein gemeinsames Vorgehen beim öffentlichen Verkehr. Kurzfristig streben wir eine Taktverdichtung und eine Tarifreform an. Den großen Wurf einer U-Bahn-Verlängerung lassen wir nicht aus dem Auge, aber für die mittel- und langfristige Planung, weil der Großraum Wien, der ja zu drei Viertel in Niederösterreich liegt, der am stärksten wachsende Raum Mitteleuropas ist. Die österreichische Raumordnungskonferenz sagt voraus, dass wir dort in den nächsten 20, 25 Jahren ein Bevölkerungsplus von über 30 Prozent haben werden.

Standard: In welche Richtung soll die U-Bahn verlängert werden?

Wilfing: Rein kilometermäßig betrachtet wäre die kürzeste Anbindung nach Klosterneuburg. U-Bahn-Verlängerungen sind aufwendig, und wir müssen schauen, wo das am raschesten umsetzbar ist - auch von den Kosten her. Selbstverständlich ist auch der Westen von Wien hochinteressant, weil wir sehr starke Einzugsbereiche Richtung Purkersdorf haben. Langfristig - da spreche ich von 15 bis 20 Jahren - sind der Norden und der Osten die Räume, die am stärksten wachsen werden.

Standard: Das heißt, 2030 kann man vielleicht mit der U6 nach Mödling fahren, mit der U4 von Purkersdorf bis Klosterneuburg und mit der U1 nach Gänserndorf?

Wilfing: Das - oder Formen der U-Bahn - schließe ich nicht aus. Die U-Bahn muss dort nicht unterirdisch hinführen. Jedenfalls ist das ein Ziel, das wir gemeinsam mit Wien anstreben müssen.

Standard: Wer soll dafür zahlen?

Wilfing: Die Landesbudgets alleine wären damit überfordert, der Bund wird mithelfen müssen.

Standard: Sie sind auch für den Jugendschutz zuständig, über dessen bundesweite Vereinheitlichung schon sehr lange diskutiert wird. Macht es überhaupt Sinn, den als Ländermaterie beizubehalten?

Wilfing: Ich bin ein überzeugter Föderalist und gehe davon aus, dass es Sinn macht, viele Materien in den Bundesländern zu belassen. Es ist unter meinem Vorgänger schon gelungen, die Jugendschutzbestimmungen zwischen Wien, Niederösterreich und dem Burgenland abzustimmen. Wir sind offen dafür, diese in ganz Österreich zu vereinheitlichen. Ich bin zuversichtlich, dass das demnächst gelingen wird.

Standard: Wollen Sie auch das Modell der Niederösterreichischen Mittelschule mit der Neuen Mittelschule des Bundes harmonisieren?

Wilfing: Unser System soll größtmöglich mit dem Bundesmodell kompatibel sein. Wir wünschen uns, dass wir rasch Ressourcen bekommen, um die niederösterreichische Mittelschule flächendeckend umsetzen zu können. Wir haben 152 Hauptschulen, die bereit wären, Niederösterreichische Mittelschulen zu werden.

Standard: Bund und Länder wälzen immer mehr Aufgaben ab, beschweren sich Gemeindevertreter. Sie selbst waren Bürgermeister von Poysdorf, was nehmen Sie sich davon in die Landesregierung mit?

Wilfing: Ich möchte Maßnahmen so setzen, dass sie für die Gemeinden realistisch sind. Wenn wir von ihnen etwas erwarten, muss das Land darüber nachdenken, wie wir finanziell unterstützen.

Standard: Ist es ein Zufall, dass in Niederösterreich so viele rote Gemeinden verschuldet sind?

Wilfing: Die Grundsätze der Effizienz, Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit sind bei manchen Gemeinden, die ÖVP-geführt sind, offenbar konsequenter umgesetzt worden.

Standard: Laut einem "Profil"-Artikel benachteiligt das Land rote Gemeinden finanziell.

Wilfing: Ich gehe davon aus, dass wir gerecht vorgehen und das Land Bedarfzuweisungen so verteilt, wie Bedarf vorhanden ist.

Standard: Wird nicht nach der Partei des Bürgermeisters präferiert?

Wilfing: Ganz sicher nicht. (Andrea Heigl, Gudrun Springer, DER STANDARD-Printausgabe, 16.5.2011)

KARL WILFING (51) studierte Politikwissenschaft, war Landesobmann der JVP und Bürgermeister von Poysdorf.

  • Seit drei Wochen ist Karl Wilfing VP-Verkehrslandesrat, sein grünes Wiener Pendant, Maria Vassilakou, hat er noch nicht getroffen.
    foto: standard/heribert corn

    Seit drei Wochen ist Karl Wilfing VP-Verkehrslandesrat, sein grünes Wiener Pendant, Maria Vassilakou, hat er noch nicht getroffen.

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