Lebensmitteluntersuchungen

Tschernobyl strahlt noch im Wild

15. Mai 2011, 17:53
  • Artikelbild
    foto: apn photo/hermann j. knippertz

    Zehn Prozent der untersuchten Wildschweine weisen Cäsium-137-Werte über dem Grenzwert von 600 Bequerel pro Kilo auf.

Wildschweine und Rehe sind nach wie vor belastet - Gesundheitsministerium: "Belastete Regionen untersucht"

Wien - 25 Jahre nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl sind Isotope, die bei jenem GAU freigesetzt wurden, noch immer in den österreichischen Wäldern zu finden - und im Fleisch des Wildbrets, das dort erlegt wird. Insbesondere Wildschweine sind davon betroffen, da sie im Boden wühlen und mit Radiocäsium kontaminierte Erde schlucken. Die Ergebnisse einer vom Gesundheitsministerium in Auftrag gegebenen Ages-Studie zur Belastung von Wildbret zeigen, dass etwa zehn Prozent der untersuchten Wildschweine und etwa vier Prozent der untersuchten Rehe Cäsium-137-Werte über dem Grenzwert von 600 Bequerel pro Kilo aufweisen.

Diese Fakten machte nun Gesundheitsminister Alois Stöger auf Anfrage des grünen Landwirtschaftssprechers Wolfgang Pirklhuber publik. Nach dem Reaktorunfall galten besonders Pilze als verstrahlt - noch jetzt heißt es: "Aufgrund der deutlich höheren Bioverfügbarkeit von Radiocäsium in Waldböden im Unterschied zu Ackerböden sind Waldprodukte wie Wildpilze und Beeren noch immer vergleichsweise stark mit Radiocäsium belastet." Allerdings brauche man sich bei Eierschwammerln und Steinpilzen keine Sorgen zu machen, auch in Beeren werden keine bedenklichen Werte mehr erreicht.

Auch in Milch kann Radioaktivität noch gemessen werden

Der Grüne sorgt sich dennoch, weil er ein grundsätzliches Problem sieht: "Dass auch noch Jahrzehnte nach einer Reaktorkatastrophe Rückstände von Radionukliden in Lebensmitteln nachgewiesen werden können, offenbart den dringenden Änderungsbedarf an der aktuellen EU-Energie-Strategie, die am Ausbau der Atomenergie nach wie vor festhält."

In Produkten wie Milch, die häufig mehr Konsumenten erreichen als die Waldprodukte Wildfleisch (hier liegt der Durchschnittsverbrauch bei einem halben Kilo pro Kopf und Jahr), Beeren und Pilze, ist die dem Tschernobyl-Unfall zuzurechnende Radioaktivität zwar kaum bedenklich - gemessen werden kann sie aber immer noch.

Belastete Regionen im Test

Das Gesundheitsministerium verweist darauf, dass sich die Untersuchungen auf besonders belastete Regionen beziehen, in denen die radioaktiv belastete Wolke im Mai 1986 besonders viele Spaltprodukte abgelagert hat. Dort kommt es mitunter zu heftigen Grenzwertüberschreitungen im Wildfleisch: Der höchste gemessene Wert liegt bei etwa 6000 Bequerel je Kilo Fleisch, also zehnfach über dem Grenzwert.

Weil kaum jemand größere Mengen Wildbret genießt, sei aber auch das nicht so schlimm - und die Katastrophe von Fukushima ist bisher nur in vereinzelten Messungen in der Luft nachzuweisen. (Conrad Seidl, DER STANDARD-Printausgabe, 16.5.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 108
1 2 3
Nutze den Tag
00
Waldböden waren gleich belastet wie Ackerböden.

Nur haben wir von dort schon alles längst aufgegessen.
Interessant wäre mal am Zentralfriedhof die Strahlenbelastung der Graberde zu messen, da wir ja am Ende als Ende der Nahrungskette alles aufkonzentriert haben.

Kati Weg
25
19.5.2011, 07:28

na was ham sich gedacht... alles bloedsinn mit den halbwertszeiten, in 30 jahren ist alles wieder gut?

und wenns den sakopharg irgendwann erneuern wirds dann heissen: genaue untersuchungen ergaben, dass der ungluecksreaktor unter dem sakopharg noch immer strahlt. und die leute werden sich wundern: "was noch immer, gibts ja nicht..."

Michael_Gutsch
00
29.5.2011, 21:42

wenn dort überhaupt noch sonderlich viel drinnen ist... - Vieles spricht dafür, das der überwiegende Teil damals aus dem Reaktor rausgeschleudert wurde. Die großflächigen zum Teil intensiven Verstrahlungen, welche heute noch messbar sind, sprechen unter anderem auch dafür, das der Unglücksreaktor inzwischen so gut wie leer ist.

Zitronenbaum
03
26.5.2011, 10:42
Na ja, mit der Halbwertszeit ist das ja so eine Sache...

... Und zwar ist das eine Sache, die man mathematisch erklären kann:
Am Anfang zerfällt viel, weils ja die Hälfe ist, dann aber zerfällt die Hälfte dieser Hälfte und dann wieder die Hälfte der zerfallenen Hälfte.
Kurz gesagt: Auch wenn ein Stoff nach der erreichen Halbwertszeit zum Großteil zerfällt, dauert es eine sehr lange Zeit, bis er soweit zerfallen ist, dass man ihn nichtmehr nachweisen kann.

Also in 200 Jahren wird die Strahlung wohl immer noch nicht weg sein.
Ist halt so.

molekühl
10
27.5.2011, 14:42

Sie sollten ein Mathematiklehrbuch schreiben.

Cuchullain
00
27.5.2011, 14:16
Damit eine radioaktive Substanz "fast" zerfallen ist, ...

... nimmt man das zehnfache der HWZ 1/(2^10)= das ~0,001-tel der Anfangsaktivität. Das heißt aber nicht, dass dann überhaut nichts mehr da ist.

der dogtorIn
01
18.5.2011, 20:33

und wie sehr die fische erst noch zu strahlen beginnen werden ...

Selfdefense
24
17.5.2011, 08:10
Was im Wildfleisch nicht drinnen ist

Rückstände von Wachstumshormonen und Antibiotika (die werden bei der Massentierhaltung gerne benutzt); Stresshormone (Transport, Blutgeruch im Schlachthof); Fett zwischen den Fleischfasern (das man daher auch nicht wegschneiden kann).

Und für diejenigen die daran glauben: Schlechtes Karma ist im Wildfleisch auch nicht enthalten, da es bis zur (mit Bedacht erfolgten) Erlegung ein natürliches Leben gehabt hat.

Zitronenbaum
01
26.5.2011, 10:40
Ja, nur eben...

... dass wir für so etwas eigentlich Wildtiere haben sollten, die diese Wildschweine jagen und fressen. Haben wir aber nicht, von daher ist das schlechte Öko-Gewissen trotzdem noch da. :)

fuerTiere
44
17.5.2011, 07:13
gegen AKWs !!!

Atomkraft muss ein Auslaufmodell bleiben. Sonne, Wind und Wasser plus Energieeffizienz und Einsparung gehören die Zukunft!

Erstversuch
52
19.5.2011, 13:32
AKWs sind eh ein Auslaufmodell

Sobald wir was besseres haben nehmen wir's natürlich. Ad Einsparung: haben sie schon genauere Pläne wer Strom haben darf und wer nicht?

Don schlau on
02
17.5.2011, 13:54
Es wäre schon ein Erfolg wenn die 450 Meiler auf 100

oder 50 reduziert würden!

Doch ich fürchte es werden mehr statt weniger, wenn die geplanten gebaut werden haben wir über 500Meiler Weltweit.

raff1
05
16.5.2011, 22:48
toll, dann kann ich mir den restlichtverstärker bei

der nächtlichen jagd sparen.

Zhdophanti
01
27.5.2011, 15:03

Bevor sie das Wildschwein mit dem Geigerzähler finden, findet das Wildschwein sie :D

Erstversuch
00
19.5.2011, 13:34
Hui, auf Schwarzwild mit dem Geigerzähler, ich kann nur abraten

radioaktive Strahlung von der gefährlichen Sorte ist nämlich sehr kurzreichweitig.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
19.5.2011, 16:18
wer weiß,

vielleicht hats schon der Tassilo in Kremsmünster seinerzeit so versucht...

Erstversuch
00
20.5.2011, 09:52
Aber das war halt noch ein echter Kerl.

yes2bertl
13
16.5.2011, 18:58
Die Energienutzung des Menschen bedroht jegliches Leben auf der Erde.

Schon mal von radioaktiven Abfällen der Öl-und Gasgewinnung gehört?
Die Deutschen fangen an das Problem zu erkennen, die Engländer entsorgen die Abfälle im Meer, von den anderen weiß man gleich gar nix.

Wahnsinn wie nur Mensch treiben kann:

http://www.dradio.de/dlf/sendu... k/1119961/

Dr. Lari and Mr. Fari
 
21
19.5.2011, 16:22
Der radioaktive Abfall ausd der Öl- etc. Gewinnung ist nichts weiter als

Uran- und -folgeprodukte-hältiges Urgestein, das ebensogut in den Zentralalpen etc. etc. vorliegt.
Natürlich erscheint das in winzigen Spuren auch bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen.
Aber nur Ruhe, dafür werden bei Verbrennung von Holz K-40 und C-14 frei.

Merke: Radioaktivität bzw. ionisierende Strahlung sind Teil unserer NATÜRLICHEN Umwelt, und die natürliche Exposition in Mitteleuropa ist viel geringer als die natürliche in etlichen anderen Weltgegenden (Ostbrasilien, Südindien, oder speziell hochgelegene Weltgegenden), auch wenn da was von Tschernobyl dazugekommen ist.

Don schlau on
00
17.5.2011, 20:40
Warum man den radioaktiven Schlamm aus den Ölböhrlöchern

nach der Ausbeutung nicht wieder zurückdrückt würde mich interessieren. Warum lagert man ihn extra. ich würde ihn dort zurückgeben wo man ihn hergenommen hat, das Risiko bleibt das Gleiche vor allem gibt es im Borloch noch wesendlich mehr von dem Zeug.

Oder man holt das Uran heraus und drückt den Rest zurück, Dieser Schlam strahlt mit bis zu 15.000.000 bquerel/ kg

Doktor Leid
01
16.5.2011, 17:01
"... in Tschernobyl sind Isotope, die ..."

Besser wäre, den Begriff Nuklide zu verwenden, Isotope sind es nur vom selben Element.

Paul Arterl
10
16.5.2011, 16:36
Wioe viele Strahlentote gibts es nun in Japan mittlerweile?

gigngogn
 
22
16.5.2011, 17:16
Immer noch 0 (in Worten Null)

yes2bertl
02
16.5.2011, 18:20
Vorort Bericht, schon den neuen JOb in Fuku angetreten?

FalscherProphet
24
16.5.2011, 18:28
Der Gigngogn ist ein Pro-Atomkraft Verwirrter,

der sich während der letzten Wochen feige in seinem "virtuellen Atombunker" verkrochen hat,
da er in den Foren klarerweise mit seinen schwachen Pro-Argumenten "kein Leiberl" hatte.

Jetzt ist es aber wiederum soweit:
Die Atomkraft-Profiteure kriechen langsam aus ihren Verstecken -
und starten neue Kampagnen zur Etablierung dieser
(weitgehend verbrecherischen) Schmutz-Technologie.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 108
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.