AKW Fukushima

Betreiber: Brennstäbe fraßen kurz nach Tsunami Löcher in Reaktorboden

15. Mai 2011, 17:33
  • Artikelbild
    foto: kyodo news/ap/dapd

    Der Gouverneur der Präfektur Fukushima gedenkt den Opfern des Erdbebens und Tsunamis im März 2011.

Neue Details: Brennstäbe in Reaktor 1 bereits am Morgen des 12. März zum großen Teil geschmolzen - 136 Meter langes Schiff soll verseuchtes Wasser aufnehmen

Tokio - Neue Angaben am Wochenende machten das Ausmaß der Schäden in der Atomruine Fukushima immer deutlicher. Die zum großen Teil geschmolzenen Brennstäbe sollen Löcher in den Boden eines der Reaktorkessel gefressen haben. Dies erschwert die Versuche, die Atomanlage unter Kontrolle zu bringen, hieß es.

Laut dem Betreiber Tepco dürften durch das nach dem Erdbeben und dem Tsunami entstandene heiße Gemisch aus Metall und Brennstoff im Boden des Reaktorbehälters Löcher entstanden sein. Deshalb dürfte der Reaktorbehälter nach Einschätzung eines mit der Krise befassten Regierungsberaters nicht wie geplant zur Kühlung mit Wasser geflutet werden.

Reaktor hätte gestoppt werden sollen

Nach der vorläufigen Einschätzung von Tepco seien die Brennstäbe im Reaktor 1 bereits um 6.50 am Morgen des 12. März zum großen Teil geschmolzen und auf den Boden des Behälters gelangt. Der Reaktor hätte am Vortag bereits kurz nach dem Mega-Beben automatisch gestoppt werden sollen - aber dann kam der Tsunami. Der Kühlwasserstand sei bis zum oberen Teil der Brennstäbe gesunken, hieß es weiter. Am selben Abend gegen 18.00 Uhr habe die Temperatur zu steigen begonnen. Gegen 19.30 Uhr habe dann die Beschädigung der Brennstäbe eingesetzt, von denen der größte Teil bis 6.50 des folgenden Morgens geschmolzen sei, wurde Tepco zitiert. Inzwischen wurde der Atomunfall auf die höchste Stufe sieben der internationalen INES-Skala eingestuft - ebenso wie Tschernobyl.

Der Betreiber will die Lage in der Atomanlage in sechs bis neun Monaten unter Kontrolle bringen. Goshi Hosono, ein mit der Atomkrise beauftragter Berater von Ministerpräsident Naoto Kan, hält es jedoch für unausweichlich, dass der ursprüngliche Plan von Tepco zur Flutung des beschädigten Reaktorbehälters mit den geschmolzenen Brennstäben geändert wird. Tepco hatte zuvor im Untergeschoß des Gebäudes von Reaktor 1 schätzungsweise rund 3.000 Tonnen wahrscheinlich hochgradig radioaktiv verseuchtes Wassers entdeckt, das vier Meter hoch gestanden sei.

Wasser soll dekontaminiert werden

Dies deute daraufhin, dass in den Reaktorkern gepumptes Wasser durch jene Löcher gelangte, welche die geschmolzenen Brennstäbe in den Boden gefressen haben sollen. Bei einer Flutung bestehe die Gefahr, dass verseuchtes Wasser ins Meer gelange, sagte Hosono am Sonntag nach Medienberichten. Die Regierung erwäge stattdessen Möglichkeiten, das zur Kühlung der Brennstäbe in den Reaktor gepumpte Wasser zu dekontaminieren, so dass es erneut benutzt werden kann, wurde Hosono von der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo weiter zitiert.

Als Auffangbecken für leicht verstrahltes Wasser soll ein gigantisches Schiff dienen. Der 136 Meter lange Lastkahn, der bisher im Hafen der Stadt Shimizu in der Provinz Shizuoka als schwimmende Insel für Angler eingesetzt wurde, solle voraussichtlich in ein bis zwei Wochen in Fukushima eintreffen.

Noch Zehntausende Tonnen verseuchtes Wasser

Es wird geschätzt, dass sich im Turbinengebäude des Meilers Nummer 3 rund 22.000 Tonnen verseuchte Flüssigkeit angesammelt haben. Bisher seien in Meiler 2 von anfangs rund 25.000 Tonnen etwa 5.550 abtransportiert worden, hieß es unter Berufung auf den Betreiber Tepco weiter. Insgesamt sollen 10.000 Tonnen in die Entsorgungsanlage gepumpt werden.

Daneben bauen Arbeiter zusätzlich Behelfstanks für schwach verstrahltes Wasser. Bis Ende des Monats sollen dadurch zusätzliche Kapazitäten von 28.000 Tonnen entstehen

Ein Erdbeben der Stärke 9.0 und ein folgender Tsunami hatten die schwerste Atomkatastrophe seit dem Unglück von Tschernobyl im Jahr 1986 ausgelöst. Die Lage ist immer noch nicht unter Kontrolle. Schwach radioaktives Wasser musste bereits in Meer abgelassen werden. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 347
1 2 3 4 5 6 7 8
Das Ja, natürlich - Schweinderl
07
17.5.2011, 12:26
Wo

sind denn jetzt eigentlich unsere Nachwuchs-Experten des Atominstituts, die uns so schön am Schmäh gehalten haben mit ihren Verharmlosungen?

Die sollen mir bitte jetzt die völlige Kernschmelze mit Löchern im Reaktordruckbehälter mal ein wenig genauer erklären... ob das auch noch so 'harmlos' klingt wie ihre Lobbyarbeit vor 2 Monaten?

Und wer hat gerade nochmal den Herrn Kromp der Panikmache bezichtigt? Er hatte die ganze Zeit Recht!

FalscherProphet
05
17.5.2011, 15:59
Speziell diese "Experten" von der TU

werden sich jetzt wohl bereits irgendwo verkrochen haben.

Die logen und verharmlosten im ORF ja,
dass sich nur so die Brennstäbe bogen.

Meiner Meinung nach sollte die Etablierung eines Atomkraft-Verbotsgesetzes diskutiert werden:

Gefängnisstrafen für Atomkatastrophen-Verharmloser.
Selbige sind schließlich Schädlinge der Zivilbevölkerung.

(Haben Einfluss auf die Stimmung im Land
-> Politiker können AKW-Projekte mit weniger Widerstand absegnen
-> Gefahr von nuklearen Katastrophen und Leukämierate steigen.)

Gerhard Ingolf
51
17.5.2011, 15:49
Herr Kromp hatte recht???

Die halbe Belegschaft ist in den ersten Wochen gestorben? Japan oder zumindest Tokyo ist unbewohnbar?

Bitte die tatsächlichen Auswirkungen bewerten, nicht irgendwelche "Vermutungen" die zum Zweck der Panikmache in die Welt gesetzt wurden. Kernschmelze zerstört sicher den Reaktor und kann schlimme Auswirkungen nach außen haben, kann aber auch, wie im vorliegenden Fall, von überschaubarer Größenordnung sein.
Die Auswirkungen sind bekannt - es gibt genügend Messungen von Universitäten und Sicherheitskräften die veröffentlicht sind. Gefahr außerhalb der Schutzzone besteht nicht und auch innerhalb der Schutzzone ist sie nicht unmittelbar lebensbedrohlich.

Das Ja, natürlich - Schweinderl
04
18.5.2011, 12:35
Woher

nehmen sie die Information über die Auswirkungen?
Glauben sie TEPCO nicht, das der Gesamtausstoß an Radionukliden Tchernobyl übersteigen kann?
Gerade im Meer vor dem AKW(wohin die meiste Radioaktivität entweicht) werden unabhängige Messung verhindert.
Was ist mit den Greenpeace-Messungen ausserhalb der Schutzzone im NW des AKW?
Ich meinte bei Kromp auch nur die Aussage: "Die Kernschmelze ist längst im Gange!"
Das kann jetzt ja wohl keiner mehr abstreiten.
Das "unter Kontrolle bringen" hängt sogar lt. TEPCO vom erreichen eines Kühkreislaufes ab. Viel Spaß dabei mit Köchern im Kontainment!

Das Ja, natürlich - Schweinderl
01
18.5.2011, 12:36

"Löchern" meinte ich! Ja, natürlich!

Knochenmann
06
17.5.2011, 08:48
KeineAngst!

Ist doch nur vorübergehend geschmolzen. Außerdem nur partiell.

pepe123
30
17.5.2011, 06:24

Ja !! Zu Atom Strom !

hier könnte ihr name stehen
05
16.5.2011, 22:16
und gleich noch einmal "frohe" kunde.

diesmal aus deutschland. die betreiber erhöhen den druck auf das kanzleramt, damit die zwischenzeitlich stillgelegten akw wieder ans netz dürfen. begründung: es sei sicherer, die brennelemente weiter abzubrennen, da sie noch zu heiss seien, um sie in den abklingbecken einzulagern...
http://www.berlinonline.de/berliner-... 344275.php

pepe123
30
17.5.2011, 06:23

Richtig so ! Würde noch ein paar akws bauen den ohne die gehts nicht kapieren das auch die Österreicher ?! Sind eh hinten nach überall

·Übermorgen·
01
23.5.2011, 02:34
Ohne XYZ gehts nicht …

… war immer schon eine sehr „intelligenten“ und „vorausschauende“ Aussage.

fritz1004
02
17.5.2011, 00:04
"zu heiß"

physikalisch lässt sich das wohl kaum begründen.
Bei den kurzlebigen Radionukleiden stellt sich (abhängig von der gefahrenen Reaktorleistung) schnell ein Gleichgewicht zwischen Neubildung und Zerfall ein. Bei den längerlebigen kumuliert das Inventar über die Laufzeit, und damit steigt die Wärmeentwicklung beim Zerfall dieses Inventars.
Je länger in Betrieb, je mehr Abbrand, je "heisser".
Will man den Brennstoff weiterverwenden, was ja gegenüber neuem Brennstoff Sinn macht, solange es noch andere AKW's gibt (auch hinsichtlich Gesamtproduktion von Atommüll) muß man ihn halt eine Zeit lang im Abklingbecken lassen, und dann per Kastor in eines der noch laufenden Werke bringen.
Für Weiterbetrieb ist d i e s , ganz neutral, imo kein Grund.

hier könnte ihr name stehen
01
17.5.2011, 08:09
eine der erklärungen steht ja eh ein bisserl weiter unten im text:

"Der RWE-Konzern hatte im Dezember in Biblis B eine ungewöhnlich große Zahl Brennelemente erneuert. Dadurch sparte RWE rund 280 Millionen Euro der neu eingeführten Brennelementesteuer, die bei Beladung ab Januar 2011 fällig geworden wäre."

money makes the world go 'round and 'round and 'round and....

hier könnte ihr name stehen
03
16.5.2011, 21:14
und es geht weiter:

"Im Kernkraftwerk Fukushima hat sich geschmolzener Kernbrennstoff durch den Stahlboden des Reaktors gefressen. Es droht eine verheerende Explosion."

http://www.spiegel.de/spiegel/0... 38,00.html

no_milk_today
02
16.5.2011, 21:29

warum hört man nix mehr von reaktor 4? abgesehen von dem vid von russia today vor ein paar tagen ...

fritz1004
01
16.5.2011, 21:59

Nr. 4 ist doch der, der entleert war. Die Brennstäbe waren im Abklingbecken.
Von den ganzen Abklingbecken hört man übrigens nichts mehr.

hier könnte ihr name stehen
01
16.5.2011, 22:23

stimmt. das einzige up-date, das ich gefunden habe: http://fukushima.grs.de/sites/def... 1_0500.pdf

werwolfi
19
16.5.2011, 17:17

wie zu vermuten war - es wurde beschwichtigt und gelogen, dass sich die balken bogen.

endlich ist die einstufung bei INES 7, wo sie von beginn an hingehört hätte.

und jetzt kommen garantiert auch hier wieder die beschwichtiger aus ihren löchern gekrochen und erzählen uns, dass alles ja gar nicht so schlimm wäre und eh alles in butter und eh noch keiner dran gestorben etc. usw. usf. ad nauseam...

Gerhard Ingolf
70
16.5.2011, 17:57

Also im Vergleich zu dem, was im Falle einer Kernschmelze angekündigt worden war ist es wirklich nicht so schlimm, da muss ich Ihnen Recht geben :) Nicht nur die Hälfte der Arbeiter haben die der Kernschmelze folgenden Wochen überlebt, sondern alle. Tokyo wurde nicht evakuiert und die Strahlenwerte sind dort normal. Und es besteht Hoffnung, dass ein Großteil der Evakuierten nach einem Jahr wieder dauerhaft (nicht nur auf Besuch wie jetzt) nach Hause darf.

Das Ja, natürlich - Schweinderl
02
17.5.2011, 12:31

Über die tatsächliche Menge der frei gewordenen Radionuklide werden wir genauso spät informiert werden wie über die Kernschmelze, also in Monaten.

Es besteht immer Hoffnung, das auch die grössten Dummköpfe auch mal schlauer werden. Bei ihnen bin ich unsicher...

Steverino
05
16.5.2011, 18:18

Woher nehmen Sie die Bestimmtheit, dass die selben, die im Zusammenhang mit einer frühen Kernschmelze verheimlicht und gelogen haben, in den, von Ihnen angesprochenen Zusammenhängen die Wahrheit sagen?

werwolfi
03
16.5.2011, 18:18

"Und es besteht Hoffnung, dass ein Großteil der Evakuierten nach einem Jahr wieder dauerhaft (nicht nur auf Besuch wie jetzt) nach Hause darf."

da reden wir in ein paar jahren weiter - ich bin da weit weniger optimistisch.

edgar franz
04
16.5.2011, 16:39

na was solls, alle 25 jahre ein schwerer gau, ist doch ein klacks für unsere lobbies, verrecken tut sowieso nur der pöbel.

The_new_number_2
03
16.5.2011, 16:48

Und die Aufräumarbeiten bezahlt eh nur der Steuerzahler...

no_milk_today
04
16.5.2011, 16:01

ich gehe mal davon aus, dass das dann ohnehin nicht mehr von weiterer bedeutung ist ...
http://online.wsj.com/article/S... 21604.html
The pressure vessel a cylindrical steel container that holds nuclear fuel, "is likely to be damaged and leaking water at units Nos. 2 and 3," said Junichi Matsumoto, Tepco spokesman on nuclear issues, in a news briefing Sunday.

He also said there could be far less cooling water in the pressure vessels of Nos. 2 and 3, indicating there are holes at the bottom of these vessels, with thousands of tons of water pumped into these reactors mostly leaking out.

hier könnte ihr name stehen
01
16.5.2011, 14:41
und die economiesuisse bringt schon mal ihre geschütze in stellung:

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaf... y/10607520

was sind die risiken schon, wenn man sich prächtig die eigenen taschen füllen kann.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 347
1 2 3 4 5 6 7 8

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.