Heftige Kritik an Verurteilung Oppositioneller

15. Mai 2011, 14:28

Oppositionsführer zu fünf Jahren Haft verurteilt - Sannikow soll "massive Unruhen" geschürt haben

Minsk - Mit Empörung hat der Westen auf die harten Strafen für den weißrussischen Oppositionsführer Andrej Sannikow und vier weitere Regierungsgegner reagiert. Die US-Regierung bezeichnete das Urteil eines Minsker Gerichts vom Samstag als "politisch" motiviert. In einer Erklärung der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton hieß es, die Regierung des autoritären Staatschefs Alexander Lukaschenko müsse sofort die Verfolgung politischer Oppositioneller einstellen. Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) erklärte, es sei "nicht Recht gesprochen, sondern der politische Wille von Präsident Lukaschenko vollstreckt worden."

Fünf Jahre Haft

Wegen seiner Beteiligung an den Protesten nach der Präsidentschaftswahl im Dezember war Andrej Sannikow am Samstag zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ein Gericht in Minsk befand ihn schuldig, nach dem Urnengang "massive Unruhen" geschürt zu haben. Sannikow hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Die US-Regierung sprach von einem "politischen" Urteil.

Der ohne Rechtsgrundlage und Beweise geführte Strafprozess gegen ihn zeige, wie groß die Angst des weißrussischen Regimes vor einer Wende sei, sagte Sannikow nach Angaben von Medien. Beobachter sprachen von einem politischen Schauprozess in "Europas letzter Diktatur". Die Strafe gegen Sannikow ist die bisher höchste, die seit der Wahl in den Dutzenden Verfahren gegen die Gegner Lukaschenkos verhängt wurden.

Sannikow muss seine Haftstrafe in einem Straflager verbüßen, wie ein Reporter aus dem Gericht berichtete. Die Ankläger hatten am Freitag sieben Jahre Haft für den 57-Jährigen gefordert. Drei jüngere Mitangeklagte Sannikows wurden zu je drei Jahren Haft verurteilt, ein vierter erhielt dreieinhalb Jahre. Das US-Außenamt erklärte, das Urteil sei "politisch" motiviert.

Sannikow war bei der umstrittenen Wahl gegen den seit bald 17 Jahren autoritär regierenden Staatschef Alexander Lukaschenko angetreten. Laut offiziellem Ergebnis erhielt Lukaschenko fast 80 Prozent der Stimmen, Sannikow kam demnach auf 2,4 Prozent. Wegen seiner Teilnahme an einer abendlichen Großkundgebung gegen die Manipulation der Wahl wurde Sannikow festgenommen und angeklagt. Sannikow ist der erste von sieben angeklagten Gegenkandidaten Lukaschenkos, der nun verurteilt wurde.

Weitere Prozesse

Sannikow hatte wie andere Inhaftierte auch von Folter im Untersuchungsgefängnis des Geheimdienstes KGB gesprochen. Auch den Ex-Präsidentenkandidaten Nikolai Statkewitsch und Dmitri Uss drohen wegen der "Organisation gewaltsamer Ausschreitungen" in der Ex-Sowjetrepublik Haftstrafen.

Auch Sannikows Ehefrau Irina Chalip, die als Journalistin für die russische Oppositionszeitung "Nowaja Gaseta" arbeitet, sowie viele andere Kandidaten der Opposition wurden wegen ihrer Protestteilnahme festgenommen. Insgesamt nahmen die weißrussischen Sicherheitskräfte an dem Tag rund 600 Demonstranten fest. Vier weitere Oppositionskandidaten stehen derzeit noch vor Gericht, einem fünften, Ales Michalewitsch, gelang die Flucht nach Tschechien.

Sannikow hatte in seinem Schlusswort am Freitag alle Anklagepunkte als "absurd" und "erfunden" zurückgewiesen. Dem Gericht warf er einen politisch motivierten Rachefeldzug vor. "Ich will all jene warnen, welche das Gesetz missachten, dass Ihr eines Tages selbst die Angeklagten sein und bestraft werdet." Er wolle sich weiter mit "friedlichen Mitteln" für einen politischen Wandel einsetzen.

Im Prozess gegen Chalip, in dem die Anklage zwei Jahre auf Bewährung gefordert hat, wird das Urteil am Montag erwartet. Chalip steht unter Hausarrest. Mit Sannikow hat sie einen gemeinsamen Sohn Danik, der am Sonntag vier Jahre alt wird. In einem Drama, das international für Aufsehen sorgte, versuchten die Behörden, die Vormundschaft über das Kind zu erhalten.

Sannikow rief nach der Urteilsverkündung: "Kümmert Euch um meine Nächsten!" Sein Schwiegervater rief ihm zu, er solle unbesorgt sein. Zuhörer riefen "Freiheit" und "Schande über die Regierung".

Sannikow hatte unter Lukaschenko als Vize-Außenminister gedient, war jedoch 1996 aus Protest gegen seine Politik zurückgetreten. Anschließend hatte er die oppositionelle Bewegung und Nachrichtenseite Charter 97 gegründet.

Das Verfahren gegen Sannikow sei ein "trauriger Höhepunkt maßloser Justizwillkür", hatte die deutsche Grünen-Bundestagsabgeordnete Marieluise Beck vor dem Urteil mitgeteilt. "Diktator Lukaschenko" erinnere mit dem politischen Schauprozess an längst vergangene Sowjetzeiten. Sannikow sei bei seiner Verhaftung am 19. Dezember 2010 schwer misshandelt worden.

Die weißrussische Justiz geht seit Monaten so scharf wie seit Jahren nicht mehr gegen Andersdenkende vor. Aus Sicht von Beobachtern steckt die hoch verschuldete Ex-Sowjetrepublik in einer schweren Krise. Das Land war im April von einem Bombenanschlag in der Metro in Minsk erschüttert worden. Dabei starben 14 Menschen, mehr als 200 weitere wurden verletzt. Die Hintergründe gelten weiterhin als unklar. Zuletzt sprachen Ermittler nicht mehr von Terror, sondern von Rowdytum.  (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 47
1 2
JOSHIK
01
16.5.2011, 08:08
ARD Tagesschau - Report über Sannikov's Verurteilung

http://www.tagesschau.de/multimedi... _res-.html

Der Kommentar von Guido Westerwelle (siehe Report) trifft es auf den Punkt. Ex-Aussenminister Spindelegger, der sich für das Lukashenko-Regime immer stark gemacht hat, scheinen die Verletzung von Menschenrechten in Belarus völlig kalt zu lassen. Vermutlich stecken massive wirtschaftliche Interessen (und finanzieller Risken) österreichischer Unternehmen (u.a. Telekom Austria und Raiffeisenbank) dahinter - aber welche Medien in Österreich interessieren sich schon dafür, welche Geschäfte österreichische Unternehmen mit Europa's letztem Diktator abwickeln.

Standard Leser4
 
20
16.5.2011, 19:01
...und welche Menschenrechte werden in Weissrussland verletzt ?

Das Recht auf eine Demonstration ohne Bewilligung ? Solch ein Menschenrecht gibt es nicht einmal im Heiligendamm oder vor der Staatsoper in Wien !

Herzerzog Johann
01
15.5.2011, 17:02
Die weissrussische Botschaft ...

... scheint eine sehr fleissige Posterriege zu unterhalten. Oder, was wegen des monotonen Stils wahrscheinlicher ist, einen noch fleissigeren Einzelposter mit multipler Identität.

Miklaus Röchlinger
01
15.5.2011, 16:12

und währenddessen trällert Lukaschenkos Nummerngirls bem Song COntest "I love Belarus":..

Standard Leser4
 
00
15.5.2011, 15:48
Die Hintergruende gelten weiter unklar. ? ! ? !

Betr,; Minschlag in Minsk: Hat da nicht erst diese Woche der General Sekt d Interpol Ronald Noble auf einer Presskonferenz gesagt der Interpol liegen Beweise vor d es sich um einen Einzeltaeter handelt der beide Anschlaege 2008 und 2011 ausgefuehrt hat.? Waere doch interessant auch von einer solchen Pressekonferenz zu lesen, oder ?
Betr 19 Dez: Warum hat Mc Donalds erst bei der Gerichtsverhandlung die Schadenersatzklage von 8.4 Mill BYR zurueckgezogen ? Haben die auf Anweisung aus d USA gewartet oder gehts denen so schlecht d 2 000 Euro eingeklagt werden muessen, und dadurch d Angeklagte die Hoechststrafe von 5 Jahren erhaelt ?

Wolfgang Keim
00
15.5.2011, 15:46
wie lange waren die Nasen auf dem Wahlplakat?

Andrei Tchoubrikov
33
15.5.2011, 08:31
"massive Unruhen" geschürt haben

Also, jetzt mal abseits der Frage wer was "geschürt" haben soll, die Unruhen waren wirklich massiv, und es war klar eine Ordnungswidrigkeit.

Wenn auf einen Polizeieinsatz mit Gewalt reagiert wird (was dort klar der Fall war), gibt es ueberall Gegenreaktion... ueberall -- Wiener Opernballdemo, Demos in Bruessel, US-Rassenkrawallen, G8/20-Treffen usw usf. Die "" im Artikel sind wirklich fehl am Platz.

Hugo Chavez
21
15.5.2011, 03:28
Das US-Außenamt erklärte, das Urteil sei "politisch" motiviert.

Was geht denn das die US-Verbrecherbande an???

die liebe augustine
21
15.5.2011, 00:58

was kümmert unsere wirtschaft und deren anhängsel, die politik altsteinzeitliche diktatoren, die ihre kontrahenten ins arbeitslager schicken...hauptsache die österreichische außenhandelsbilanz stimmt

linksextremer kampfposter, von der öh bezahlter
22
15.5.2011, 00:51
Die letzte Diktatur Europas

Das Land wird nicht ohne Grund so genannt... dort ist die Sowjetzeit nie vorübergegangen.

Standard Leser4
 
00
15.5.2011, 15:51
Damit reihen Sie sich in die lange Reihe der Sowjetexperten ein.

Die glauben die Untaten der DDR werden in Belarus weitergefuehrt.

wwg
94
14.5.2011, 22:28
Wie immer

Sobald es um nichtkapitalistisch regierte Laender geht leiden gleich wieder alle an komplettem Gedaechtnisschwund. Ich wette der Mann ist nicht wegen des Protestes gegen den Wahlausgang verurteilt worden sondern weil er gewaltsam das Parlament angegriffen hat weil ihm der Wahlausgang nicht gepasst hat. Was steht eigentlich hier in dieser "Diktatur" auf Hochverrat?

Plagiator
02
15.5.2011, 12:55

Staaten die nicht nach der Pfeife der NATO, EU oder der USA tanzen werden immer zu Schurkenstaaten oder Diktaturen abqualifiziert. Konnten wir nicht alle deutlich sehen was hinter den orangenen Revolutionen steckte und wer sie finanzierte? In Weißrussland haben die Menschen zu ihrem Glück rechtzeitig erkannt, dass die vom Westen gekaufte Opposition nicht zu ihrem Wohle aktiv ist. Wo stünde das Land heute, wenn es an die EU angedockt hätte? Dann würde dort auch schon der IWF und die EZB die Politik bestimmen. Von Sozialstaat wäre keine Spur mehr da. Siehe Lettland, Ungarn, Griechenland, Portugal. Und vorsichtig mit dem Foltervorwurf! Der schlimmste Folterer ist die USA - das lässt sich belegen.

Jürgen Rembremerding
04
14.5.2011, 22:54
Clown!

lessismore
00
15.5.2011, 15:47

Besser ein Clown.

B.P.
00
14.5.2011, 22:13
5 Jahre?!?...

... da is er eh noch gut weggekommen... in anderen aus der ehem. UDSSR hervorgegangenen "Demokratien" werden Oppositionelle enteignet und jahrzehntelang in Straflager gesteckt...oder gar gleich ganz entfernt... da sind die paar Jahre doch ein Klacks...

H.P. Lovecraft
00
15.5.2011, 08:06
relativ

Ich nehme einmal an, dass die dem die 5 Jahre so servieren, dass es sich wie ein paar Mal Ewigkeit anfühlt.

H.P.

rosentod
00
14.5.2011, 21:46

bin gespannt ob/wann dort die revolution losgeht

bagdadbatterie
97
14.5.2011, 20:08
ich kenne den mann nicht, aber...

die erfahrung lehrt: wenn ein oppositionspolitiker aus irgendeinem bitterbösen passt-uns-nicht-staat in unseren medien als saubermann hingestellt wird, stellt sich nicht selten heraus, dass es sich tatsächlich um nichts weniger als schwerkriminelle halsabschneider handelt. das berühmteste beispiel ist wohl das "justizopfer" nummer eins, michail chodorkowsi, den man uns ja auch krampfhaft als heroischen kämpfer für demokratie und gerechtigkeit verkaufen möchte. natürlich nennt man belarus abfällig "europas letzte diktatur" - übersetzung für die noch denkenden: der letzte staat, der es wagt, nicht zur gänze nach der pfeife von irgendwelchen großkonzernen zu tanzen. aber auch sie werden sie wohl noch zum tanzen bringen...

diamant
22
14.5.2011, 21:34
Obwohl sie von nichts eine Ahnung haben schreiben sie ziemlich viel...

garmin
21
14.5.2011, 21:07
ja genau.

und weils dort so toll ist, wollen die meisten weg.

Standard Leser4
 
10
15.5.2011, 15:53
Die Grenze ist offen, die Leute besitzen alle einen Reisepass, warum fahren Sie nicht ?

lessismore
25
14.5.2011, 20:58

Seit der besoffene Putschist Jelzin zum Vorzeigedemokraten geadelt wurde, weil das den deutschen Banken so paßte, läuft immer wieder dieselbe Masche ab, und ich muß sagen, ich hab' es BIS HIER.

Der Ruhestifter
 
32
15.5.2011, 00:25
schwammkopf

Lukaschenko ist ganz offen anti-demokratisch. Man muss nicht nur bösartig, sondern auch ein absolut enthirnter pavian sein, um seine bezeichnung als diktator für westpropaganda zu halten. Der einzige trost ist, dass die spinner, die so 'denken' meistens ohnehin ziemlich mies leben.

Plagiator
00
15.5.2011, 18:55

Wie nennen/nannten sie Obama und Bush? Etwa Demokraten, oder Folterer und Kriegsverbrecher?
Wenn die Dämonisierung in unseren gutbürgerlichen Medien erst eingesetzt hat, dann verlieren viele die moralische Orientierung. Aus sozial wird Diktatur und aus Elend und Arbeitslosigkeit wird Demokratie.
Also, nicht vergessen auch den Schwammkopf einzuschalten.

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