Intel lässt SchülerInnen Weltprobleme lösen

14. Mai 2011, 10:27
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Auf der Intel-Wissenschaftsmesse zeigen Junge, was sie draufhaben, um die Probleme der Welt lösen zu helfen

Es geht zu wie in einem Bienenhaus. In blau umränderten, 80 mal 80 Zentimeter großen Waben sitzen oder stehen sie vor ihrem Honigseim - in unzähligen Stunden ausgebrütete Ideen. Projekte, die ein wenig helfen sollen, die Welt zu verbessern, und die zeigen, wie klug und motiviert sie heute schon ist - sie, die kommende Generation von Wissenschaftern, Tüftlern und Mitarbeitern.

Weltgrößte Wissenschaftsmesse für SchülerInnen

1500 Jugendliche aus über 60 Ländern wetteifern hier in Los Angeles auf der Intel International Science and Engineering Fair 2011 (ISEF), der weltweit größten Wissenschaftsmesse für Schülerinnen und Schüler, um Preisgelder, Stipendien und Praktika im Wert von vier Mio. Dollar. Der US-Chipkonzern ist einer der Hauptsponsoren der jährlichen Innovationsmesse.

Da ist der Maturant Filip Naiser aus dem tschechischen Litomysl. Er hat einen Algorithmus entwickelt, mit dem Menschen mit körperlichen Behinderungen Mauszeiger und Tastatur mit dem Auge bedienen können. Als Hardware dient eine auf der Kappe befestigte Webcam. Vier Monate hat er in seiner Freizeit dafür fast jede Minute aufgewendet. "Jeder, der hier ist, gehört zu den Besten", kommentiert er den Wettbewerb. "Es ist eine gute Erfahrung, unter Jugendlichen zu sein, die ihre Freizeit mit anderem als Computerspielen oder TV verbringen."

Seit über 20 Jahren unterstützt die Intel Foundation Bildungsprogramme. Nicht ohne Eigennutz, räumt Wendy Hawkins ein, Direktorin der Bildungsinitiative. "Anfangs haben wir Programme gemacht, um die besten Uni-Studenten aus Fächern wie Informatik oder Mathematik für uns zu interessieren und unter ihnen wählen zu können." Nach und nach habe man erkannt, dass man damit schon früher beginnen müsse und dass es auch von Vorteil ist, bei potenziellen Kunden gut ausgebildete Köpfe zu haben.

Mit Sonne Wind machen

Die 14-jährige Fatima Sohail aus Karachi, Pakistan, demonstriert eifrig das Modell einer simplen Windturbine. "Ich habe dabei das einfache physikalische Prinzip genutzt, dass warme Luft leichter ist als kalte und aufsteigt", sprudelt es aus ihr in ausgezeichnetem Englisch heraus. "In einer transparenten Kammer gesammelte Luft wird von der Sonne erhitzt, steigt in einem Rohr auf und treibt eine Turbine an", erläutert die Schülerin und rattert dahinterstehende mathematische Formeln herunter wie andere Gleichaltrige die Namen ihrer Lieblingsbands. Pakistan und andere arme Länder hätten großen Bedarf an günstig produzierter Energie, nennt sie als Motiv für ihre Arbeit.

Warum ein Konzern, der Bausteine für Computer herstellt, auch Wissenschaft fördert, die unmittelbar nichts damit zu tun hat, ist für Hawkins schnell erklärt: "Welches Unternehmen möchte schon nur Freaks beschäftigen, die nur Produkte für ihresgleichen ausdenken?"

Über 400 Stunden Arbeit

Mehr als je 400 Stunden Zeit haben die beiden österreichischen ISEF-Teilnehmer in ihr Projekt gesteckt. Josef Dunst und Christian Pichler schafften mit ihrer cleveren Lkw-Kran-Konsole im Vorjahr nicht nur die Matura an der HTL Mödling, sondern belegten bereits beim Wettbewerb Jugend Innovativ den ersten Platz. Das Duo konstruierte ein universelles Kopplungssystem, um Ladekräne einfach und zeitsparend an Brummis zu befestigen. Dafür wird eine von ihnen entwickelte Adapterplatte an das Heck geschweißt. Die Konsole des Krans wird mithilfe spezieller, per Hydraulik in die Adapterplatte geschobener Keile an der Platte fixiert und kann so im Handumdrehen samt Kran vom Lkw gelöst und abgelassen werden.

Bildung ist für Hawkins ein Schlüssel zur Lösung vieler Probleme dieser Welt. Und auch für die Entwicklung jedes einzelnen Menschen, wofür sie auch eine Anekdote als Beleg bereit hat: "Diesen Februar trafen sich zwei Männer in Oregon. Der eine ist der Sohn eines Fleischhauers. Der andere, obendrein noch gemischter Hautfarbe, ist der Sohn einer alleinerziehenden Mutter, die zeitweise auf Lebensmittelmarken der Sozialhilfe angewiesen war. Beide hatten also einen zunächst bescheidenen Hintergrund. Heute gehören die zwei zu den mächtigsten Männern der Welt: Intel-CEO Paul Otellini und US-Präsident Barack Obama." (Karin Tzschentke aus Los Angeles/ DER STANDARD Printausgabe, 14. Mai 2011)

  • Auf der Intel-Wissenschaftsmesse zeigen Junge, was sie draufhaben, um die Probleme der Welt lösen zu helfen
    foto: societyforscience.org/isef/

    Auf der Intel-Wissenschaftsmesse zeigen Junge, was sie draufhaben, um die Probleme der Welt lösen zu helfen

  • Globale Messe für junge Talente: Die 14-jährige Fatima Sohail (Mitte) zeigt mit zwei Kolleginnen ihre Erfindung: Sonnenwärme erhitzt die Luft, die beim Aufsteigen eine Windturbine antreibt.
    foto: strobel/intel

    Globale Messe für junge Talente: Die 14-jährige Fatima Sohail (Mitte) zeigt mit zwei Kolleginnen ihre Erfindung: Sonnenwärme erhitzt die Luft, die beim Aufsteigen eine Windturbine antreibt.

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