Facebook gegen Google

Don’t Be Stupid!

Eberhard Lauth, 14. Mai 2011, 10:19

Facebook hat eine PR-Firma engagiert, um Google wegen Verletzung der Privatsphäre von Usern anzupatzen. Geht’s noch blöder?

Ich weiß, wahrscheinlich bin ich naiv. Wahrscheinlich ist die Welt da draußen bereits völlig von Dirty Campaigning unterwandert. Wahrscheinlich ist alles nur eine große Beeinflussungsmaschine. Wahrscheinlich geht es ohnehin allen um die Weltherrschaft. Und am Ende gewinnt der mit der besten Lügengeschichte.

Eine von Facebook lancierte Lügengeschichte ging dann allerdings doch nicht auf, wie ein Artikel im Online-Magazin The Daily Beast zeigte. Das soziale Netzwerk hatte eine PR-Agentur namens Burson-Marsteller damit beauftragt, Negativ-Meldungen über Google zu verbreiten. Doch leider brachte USA Today lieber einen Hintergrundbericht zum Plan von Facebook, und als der Blogger Chris Soghoian den E-Mail-Verkehr zwischen ihm und Burson veröffentlichte, zog Daily Beast mit - und Facebooks Plan war endgültig Geschichte.

Wer im Glashaus sitzt ...

Doch welche Meldung hätte Facebook eigentlich gerne unter die Leute gebracht? Sie hatte mit Googles Funktion Social Circle zu tun, die dem durchschnittlichen User kaum bekannt ist. Diese listet einem via Google Account eingeloggten User sämtliche Kontakte und sozialen Verbindungen auf, die die Suchmaschine in Erfahrung bringen kann. Die Daten dafür sammelt Google unter anderem aus öffentlichen User-Profilen in Social Networks wie Facebook.

Pikant am Vorwurf ist, dass gerade Facebook durch stete Änderungen seiner Allgemeinen Geschäftsbedingungen dafür sorgt, dass viele dieser Profil-Daten ohne das Wissen der User einsichtig sind. Dumm daran ist, einem Gegner am Markt anzulasten, dass er sich den eigenen laxen Umgang mit Userdaten zunutze macht. Und lehrreich ist, dass eine große PR-Agentur, die für solch eine verdeckte Kampagne engagiert wird, nicht immer eine gute PR-Agentur ist - das aber nur nebenbei bemerkt.

Viel spannender ist das Selbstverständnis der handelnden Akteure, das sich an dieser Panne enthüllt. Da ist auf der einen Seite das Team Sergey Brin und Larry Page, in dem gemäß einem über Jahre aufgebauten Image den ganzen Tag Lego gebaut wird, um gute Ideen zu haben und dabei niemandem Böses zu tun. Und da ist auf der anderen das Team Mark Zuckerberg, dem seit dem Film „The Social Network" gerne unterstellt wird, sich einem kaltschnäuzigen Soziopathen unterzuordnen.

Am Ende wird nicht die beste Lüge gewinnen

Beide Bilder sind natürlich überzeichnet, aber das erzählte PR-Missgeschick offenbart in seiner Peinlichkeit vor allem eines: Die nehmen die ihnen zugeschriebenen Ansprüche auf Vorherrschaft im Web mittlerweile so ernst, dass sie selbst ein bisschen daran glauben - und zumindest beim Team Facebook ist nun evident, dass ein derartiges Selbstverständnis auch nervös und anfällig für Fehler macht. Und dass diese Fehler Vertrauen zerstören können.

Eine Vielzahl der Geschäfte, die im Web gemacht werden, basieren auf der Auswertung persönlicher Daten. Und die erfolgreichsten Geschäfte wird wohl nur der machen, der diese Daten nutzt und gleichzeitig das Vertrauen seiner User nicht missbraucht. Am Ende wird also nicht die beste Lügengeschichte gewinnen, sondern das beste Geschäftsmodell. Und die besten Geschäftsmodelle basieren auch im Netz nicht auf Verleumdung, Schlamperei und Dummheit. (derStandard.at 14.5.2011)

Autor

Eberhard Lauth, The European, der Journalist arbeitete viele Jahre als freier Autor und in den Chefredaktionen der Magazine "WIENER" und "Seitenblicke". 2009 gründete er das Meinungsmagazin ZiB21

Kommentar posten
10 Postings
Meerwelle
01
15.5.2011, 08:12

Umfrage:
Wer glaubt, dass es bezahlte Kampfposter im Netz gibt -> grün
dass es keine bezahlten Kampfposter im Netz gibt -> rot

(Unter "bezahlten Kampfposter meine ich so wie von TuringBot beschrieben... Also auch im Sinne von mehr als "ein oder zwei", die es ja vielleicht wirklich irgendwo geben mag.)

Jetzt!
00
15.5.2011, 11:45

...und an zensur kritischer kommentare, egal zu welchem artikel.

und zum thema: warum macht sich facebook so verrückt?
1. kennt keiner die beschriebenen google-dienste.
2. sollte sich facebook da mal zwecks userdaten-sichtbarkeit ganz stark zurückhalten. (ich meine die datenpanne, nicht die daten, bei denen JEDER entscheidet was er freigebt)

site:°~+*-||!#.\>
01
15.5.2011, 02:24

Überflüssiger Kommentar auf dem Niveau eines Ex-WIENER und Seitenblicke Autors.

Ohne Erkenntnis, einfach

stupid!

TuringBot
12
14.5.2011, 15:39
verstehe diese "weltweite Verschwörung" der Unterwanderung nicht

ist doch just business, oder?

Brauchen's doch gar nicht so weit schauen - bei jedem politischen Artikel haben's auch hier im Forum die bezahlten Kampfposten, die bloß Parteiparolen absondern und den politischen Gegner diffamieren, und vermutlich selbst überhaupt keinen Bezug zu der von ihnen vertretenen Partei haben, sondern nächste Woche auch beim Gegner anheuern könnten und dieselbe Show abziehen.

Oder Berichte über ÖBB und Wiener Linien, bei denen wie das Amen im Gebet sofort die Poster auftauchen, die der Welt erklären, wie bescheuert und unmöglich die Kunden sind und wie ungerechtfertigt die Kritik.

Gehört mittlerweile einfach dazu. Man sollte halt nicht alles glauben, was im Netz steht.

Jetzt!
00
15.5.2011, 11:50
ich glaube eher,

dass kritische kommentare regelmäßig gelöscht werden. ich hab jetzt schon 4mal was beim strache-artikel (gegen seine ansichten) geschrieben und bis jetzt wurde trotz normaler sprache (keine schimpfwörter o.ä.) noch nichts veröffentlicht.
mal sehen ob der kommentar hier erscheint.

Jetzt!
00
15.5.2011, 12:12

oh er ist da! das überrascht mich positiv.

Meerwelle
01
15.5.2011, 08:09

Glauben sie wirklich, dass hier irgendwer Geld fürs Kampfposten bekommt?
Ich persönlich halte das immer für eine "Urban-Legend" (also so was wie eine moderne Legende).
Früher glaubte man halt bei Legenden, dass es Drachen und Heiligenwunder gibt, und heute glaubt man an das massive bezahlte Kampfpostertum.
Also ich glaube eher, es gibt sehr viele ziemlich bescheuerte Menschen, die das auch wirklich glauben, was sie posten.

Allmächtiger Satan
02
15.5.2011, 00:20

Wenn Sie glauben, dass Parteien, ÖBB, etc für den Unsinn, den Poster hier verbreiten, bezahlen, dann unterschätzen Sie die Blödheit ebendieser Poster. Die machen das so freiwillig wie die gehirnarmen Luschen in Spiras Alltagsgeschichten.

morgen war gestern
00
14.5.2011, 14:48

waren burson-marsteller nicht mit nikolai ceausescu verbandelt?

presumption of innocence
00
14.5.2011, 14:44
Lt. Film hat Facebook aber mit Dreckschleudern begonnen

seine Exfreunding wollte ihn auch als Millionär nicht mehr haben.
Könnte zum Geschäftsmodell geworden sein.

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