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Roland Schimmel, "Von der hohen Kunst ein Plagiat zu fertigen". € 8, 90 / 91 Seiten. LIT Verlag, Münster 2011
Sie sind jung, Politiker, Familienvater und brüten über einer Dissertation? Sie sind mitunter überfordert, können aber keine Schwäche eingestehen? Und vor allem, Sie wollen niemanden, aber auch wirklich niemanden enttäuschen?
Bleiben Sie ruhig. Es besteht kein Grund, nervös zu werden. Ein kurzer Blick in einschlägige Fachliteratur kann verhindern, dass Sie ihre alma mater später einmal an den Öhrchen zieht.
Weil das Rettende dort wachsen muss, wo Gefahr ist - damit keine Missverständisse aufkommen, dieser schöne Satz stammt nicht vom gelegentlich ziemlich überforderten Autor dieser Zeilen, sondern von Friedrich Hölderlin -, hat Roland Schimmel eine kleine, hilfreiche Fibel vorgelegt.
Der Herr, seines Zeichens Rechtsanwalt und Hochschulprofessor, gibt eine "Anleitung in 10 Schritten" zur hohen Kunst, ein Plagiat zu fertigen. Das Geleitwort dazu stammt von Karl-Theodor zu Guttenberg, ein Nachwort zum Geleitwort von Frau Dr. Silvana Koch-Mehrin ("Ich hülle mich in Schweigen, Schweigen ...").
Für Herrn Schimmel steht felsenfest, dass ein Plagiat moralisch und wissenschaftlich verwerflich, aber dennoch "vielerorts wohlgelitten" sei. Deswegen könne man sich ohne weitere Debatten gleich praktischen Fragen zuwenden: "Lohnen sich Plagiate? Und: Wie plagiiert man richtig?"
Wege zum Erfolg
Grundsätzlich kann man die letzte Frage mit Schimmel so beantworten: Ein erfolgreiches Plagiat fällt "dem Prüfer nicht auf und erspart dem Geprüften die Mühe des eigenen Denkens ganz oder wenigstens teilweise". Der erste Ratschlag des rechtskundigen Professors ist also: "Erst planen, dann plagiieren". Dort, oder genauer in Fußnote 27, kommt auch der hilfreiche Hinweis vor, dass ein Plagiat möglichst vom Autor selbst gefertigt werden sollte, weil das a) Kosten (Doktorarbeiten ab 10.000 Euro) und b) Kalamitäten erspart: "Die Durchsetzung von Mängelgewährleistungsansprüchen gegen den Lohnschreiber ist heikel." Überdies könne man die Wahrscheinlichkeit der Entdeckung, die immerhin bei 67,24 Prozent liegt, deutlich senken, wenn der Plagiator mit dem nötigen Ernst und dem Anspruch an sein Werk gehe, das perfekte Verbrechen zu begehen.
Gründliche Recherchen über Prüfer, deren Gewohnheiten und Forschungsgebiete ("bei Wissenschaftlern ist mit Neugier zu rechnen") sind dafür natürlich Voraussetzung. Genauso wichtig ist das Einkalkulieren von verräterischer Software. Daneben gibt Schimmel wertvolle Tipps zu Quelltexten (bis hin zum "Sonderfall Selbstplagiat"), Aktualisierung und Formatierung.
Und im Entdeckungsfall? Der Professor empfiehlt professionelles Krisenmanagement, geordneten Rückzug und allenfalls ein (Teil-)Geständnis. Und noch ein Rat: "Ein gutes Plagiat verlangt Zeit, Sorgfalt, Sachkenntnis und Konzentration - ähnlich wie eine gute wissenschaftliche Arbeit." (Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.05.2011)
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