Hinweise auf mysteriöses Muster im Milchstraßen-Zentrum

13. Mai 2011, 20:32
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Längliche planetarische Nebel weisen bestimmte Ausrichtung auf, die Ursache für die Beobachtung bleibt ein Rätsel

Die Beobachtung eines britischen Astronomen fällt wohl zweifellos in die Kategorie "mysteriöses Phänomen" - so sie tatsächlich auch zutrifft: Der Forscher will festgestellt haben, dass längliche planetarische Nebel im Zentrum der Milchstraße parallel zur Ebene der galaktischen Scheibe liegen, was auf ein grundsätzliches, aber bis jetzt noch unerklärliches Muster schließen lässt.

Bryan Rees von der Universität von Manchester, der seine Ergebnisse im vergangenen Monat beim National Astronomy Meeting in Llandudno, Großbritannien, vorgestellt hat, entdeckte die seltsame Ausrichtung, nachdem er 44 derartige Nebel genauer unter die Lupe genommen hatte. Die Entdeckung deckt sich mit ähnlichen Beobachtungen seiner Kollegen Walter Weidmann vom Cordoba Observatory in Argentinien und Ruben Diaz vom Gemini Observatory in Chile.

Man geht davon aus, dass die Nebel-Strukturen selbst das Ergebnis der Wechselwirkung zweier Sterne in einem Doppelsternsystem sind: eine alternde Sonne stößt ihre Gashülle ab, die sich im rechten Winkel zur Rotationsebene ausbreitet, in der die beiden Sterne umeinander wirbeln. Die Ausrichtung der planetaren Nebel parallel zu galaktischen Ebene würde demnach darauf hindeuten, dass auch die Rotationsebenen der Doppelsternsysteme sich durch eine noch nicht näher bekannte Kraft an der Galaxis orientieren.

Starke Magnetfelder?

Albert Zijlstra, ein Kollege von Bryan Rees in Manchester, spekuliert, dass früher starke magnetische Felder den zentralen Bereich der Milchstraße umgeben haben. Diese könnten einen Einfluss auf die Orientierung jener Gaswolken ausgeübt haben, aus denen schließlich die Doppelsternsysteme hervorgingen.

Mike Edmunds von der Universität Cardiff rät zu Vorsicht und warnt vor übereilten Schlüssen. Der Astronom hält es für möglich, dass die festgestellte Orientierung der planetaren Nebel an der galaktischen Ebene auf einem Beobachtungsfehler basiert. Vielleicht würde man diese Ausrichtung einfach leichter sehen, andere Orientierungen, die zwar ebenso häufig vorkommen könnten, blieben dagegen unsichtbar. "Räumliche Statistik ist ein Minenfeld," meint er und empfiehlt den Kollegen eine neuerliche Analyse ihrer Daten und Beobachtungen. (red)


Abstracts

  • Der planetarische Nebel Minkowski 2-9 im Sternbild Schlangenträger. Nebel wie dieser scheinen im Milchstraßenzentrum parallel zur galaktischen Ebene zu liegen. Was der Grund dafür sein könnte, bleibt unklar - sofern die Beobachtung korrekt ist.
    foto: bruce balick (university of washington), vincent icke (leiden university, the netherlands), garrelt mellema (stockholm university), and nasa/esa

    Der planetarische Nebel Minkowski 2-9 im Sternbild Schlangenträger. Nebel wie dieser scheinen im Milchstraßenzentrum parallel zur galaktischen Ebene zu liegen. Was der Grund dafür sein könnte, bleibt unklar - sofern die Beobachtung korrekt ist.

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