Meischberger will wieder ORF-Geschäfte

13. Mai 2011, 18:30
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Unter Wahrheitspflicht versicherte Walter Meischberger Freitag vor Gericht: kein Deal mit Alexander Wrabetz über die Wahl zum ORF-General und Projekte - Wenn der Wirbel vorbei ist, hofft er auf "normale Geschäfte", "auch mit dem ORF".

Wien - Auf einem Flughafenklo auf Ibiza sah er Wolfgang Fellner zum letzten Mal, vor Ostern, erinnert sich Walter Meischberger. Da streckte ihm der "Österreich"-Chef, telefonierend, freundlich seine Hand entgegen. Im Blatt behandelt er ihn weniger freundlich. Ein Grund, warum Meischberger Freitag gegen "Österreich" prozessierte.

Fellners Zeitung schrieb in einer Story über "Die Akte Grasser" im September 2010: "Es wurde sogar ein Mail-Verkehr zwischen Meischberger und dem ORF sichergestellt, in dem Meischberger teils unter Berufung auf KH Grasser 2 Mio. Euro vom ORF forderte." Meischberger klagte. Im Februar 2011 publizierte "Profil" ein E-Mail, in dem Meischberger 2007 von ORF-Chef Alexander Wrabetz (ohne Verweis auf Grasser) den Auftrag für ein TV-Magazin einfordert, Budget: drei Millionen. Meischberger, der Wrabetz 2006 als ORF-Stiftungsrat zur Wahl verhalf, erinnert an "Vereinbarungen", die Wrabetz nicht hielt.

Als Zeuge vor Gericht sagt Wrabetz Freitag wie im Stiftungsrat: "Soweit ich mich erinnere, habe ich auf dieses Mail nicht geantwortet, hat es keine Gespräche darüber gegeben." "Nie" sei dieses Projekt eines TV-Magazins konkret kalkuliert worden.

VP-General Hannes Rauch sah Freitag Widersprüche zu Aussagen im Stiftungsrat, weil Wrabetz vor Gericht "Überlegungen und Gespräche über ein Fernsehprojekt" erwähnte - auf die sich  Meischberger in dem Mail offenbar bezogen hat.  Ein VP-Stiftungsrat hatte Wrabetz am Donnerstag insgesamt fast ein Dutzend Gespräche und Kontakte mit Meischberger - über verschiedene Projekte - vorgehalten.

Von welcher "Vereinbarung" Meischberger schrieb, wisse er nicht, sagte Wrabetz wie Onlinedirektor Thomas Prantner.

Erst Rat, dann Deal

Meischberger sagt vor Gericht: "Es gab keine Vereinbarung auf ein Wahlverhalten meinerseits in Bezug auf künftige Projekte". Er habe sich "auf Vereinbarungen bezogen mit Alex Wrabetz, nachdem ich Stiftungsrat war".

Meischberger erklärt das so: 1999 habe er vom ORF die Lizenz für das Seitenblicke Magazin bekommen. Ein Jahr zuvor hatte der Freiheitliche übrigens den ORF-Aufsichtsrat verlassen. Seitenblicke verkaufte er 2004 an Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz, übrigens mit Rückenwind Grassers.

Meischberger erzählt, als "Medienunternehmer" wollte er danach wieder mit dem ORF ins Geschäft kommen. Mit dem TV-Magazin etwa, mit der Vermittlung einer Schweizer Agentur für einen Relaunch von ORF.at, später mit der Social-Media-Plattform D-ORF. "Vollkommen klar" nennt Meischberger, dass der ORF die rechtlich nicht führen dürfte. Die ORF-Rechtsabteilung las das 2008 vom STANDARD enthüllte und selben Tags gestoppte Projekt anders - und legte sich quer. Laut Meischberger heute sollte der ORF eine Minderheit an D-ORF halten und es in TV und Radio promoten - wie bei den Lotterien. Heute "hofft" Meischberger, dass "in Zukunft wieder normale Geschäftsverhältnisse wieder möglich sind, auch mit dem ORF". Österreich beantragte Werber Peter Dirnberger, der an einer D-ORF-Sitzung teilgenommen hat, als weiteren Zeugen.

Meischberger rätselt, warum Fellner so unfreundlich über ihn berichtet. Wo die Staatsanwaltschaft in der Megacausa Buwog/Immofinanz auch gegen den Herausgeber ermittle, wegen eines Immobiliengeschäfts, samt Hausdurchsuchungen. Fellners Hand will er übrigens nicht ergriffen haben. Das lag vielleicht nicht nur am Ort ihres Treffens. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 14./15.5.2011)

  • Meischberger vor Gericht, diesmal als Kläger.
    foto: standard/newald

    Meischberger vor Gericht, diesmal als Kläger.

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    Der als Zeuge geladene ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.

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