EU-Konjunktur

Wirtschaft wächst kräftig, aber Länder driften auseinander

Thomas Mayer, 13. Mai 2011, 18:20

In der EU kam die Konjunktur Anfang 2011 gut in Fahrt, ganz stark in Österreich und Deutschland. Aber der Abstand zu Krisenländern nimmt zu

Hauptproblem bleibt laut Prognose der EU-Kommission die Arbeitslosigkeit.

***

Er habe in einzelnen Details ganz erstaunliche Nachrichten zu überbringen, erklärte EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn Freitag in Brüssel, als er die Frühjahrsprognose für die gesamte EU und die Eurozone in Brüssel präsentierte. So sei die Wirtschaft im krisengebeutelten Griechenland im ersten Quartal 2011 um 0,8 Prozent gewachsen. Das sei natürlich mit Vorsicht zu genießen, dennoch „ein ermutigendes Signal", glaubt Rehn.

Der luxemburgische Premierminister und Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker rechnet aber nicht damit, dass sich Griechenland nächstes Jahr wieder eigenständig mit Geld versorgen kann: „Für mich ist klar, dass Griechenland 2012 nicht zurück an die Finanzmärkte kehren kann", sagte er dem Münchner Merkur. Griechenland müsse die inneren Streitigkeiten aufgeben, Reformen fortsetzen, es bleibe in einer „außerordentlich schwierigen Lage", sagte Rehn - so wie auch Portugal, das laut Prognose auch 2011 aus der Rezession nicht herauskommen dürfte. Ähnlich Irland. Die EU-Finanzminister werden sich am Montag mit zusätzlichen Maßnahmen für diese Länder befassen.

Die größte Bedrohung für einen weiteren Aufschwung in Europa, erklärte Rehn, sei die Verschuldung, die in Griechenland enorm, aber auch generell in der EU und in der Eurozone (mit 83 bzw. 88 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt, BIP) viel zu hoch sei.

Dennoch zeichne sich ab, dass die Konjunktur 2011 und 2012 in EU und Eurozone etwas besser laufen werde als erwartet: Die EU-Staaten könnten im Schnitt nun mit einem Wachstum von 1,8 Prozent rechnen, im Jahr darauf mit 1,9 Prozent. Die Eurozone liegt knapp darunter (siehe Grafik). Der Wermutstropfen: Der Abstand zwischen den Krisenländern, zu denen mit anhaltend geringem Wachstum auch Italien gehört, und den boomenden EU-Staaten wird immer größer. Das schlägt natürlich auch auf die Arbeitslosigkeit durch, die in Spanien oder in den baltischen Staaten jenseits der 20 Prozent verharren werde, erklärte Rehn. Mit durchschnittlich neun Prozent wird die Arbeitslosigkeit in Europa bis Ende 2012 etwas geringer.

Musterschüler Österreich

Bei den positiven Indikatoren hob Rehn Deutschland und Österreich hervor. Die Alpenrepublik werde neben den Niederlanden 2011 und 2012 die niedrigste Arbeitslosenquote haben: unter 4,5 Prozent. Österreich kann mit starkem Wachstum rechnen, wie auch das Wifo in Wien am Freitag bestätigte. Statt 1,7 Prozent soll das BIP um 2,4 Prozent wachsen, 2012 dann um zwei Prozent.

Alles in den Schatten stellt aber Deutschland: Im ersten Quartal ist die Wirtschaft um 1,5 Prozent gewachsen - im Vergleich zum Vorjahrsquartal sogar um 5,2 Prozent. Mit 2,6 Prozent Plus im Gesamtjahr ist die größte EU-Wirtschaftsmacht neben Frankreich der Hauptgrund für die nach oben korrigierten Zahlen. Es seien vor allem der Export in Europa und die Weltwirtschaft, die für die besseren Zahlen verantwortlich sind, erläuterte der Kommissar.

Die Inflation, die wegen höherer Rohstoffpreise 2011 EU-weit auf drei Prozent steigt (Eurozone: 2,5), werde langfristig kein größeres Problem, sagte Rehn. 2012 werde sie auf zwei Prozent fallen. An Risiken für einen gefestigten Aufschwung mangle es aber nicht, vor allem im Energiebereich durch die Krisen in Nahost und Nordafrika. (Thomas Mayer aus Brüssel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15.5.2011)

Kommentar

Lokomotiven des Nordens - Von Eric Frey

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 82
1 2 3
Wirtschaftswachstum
02
14.5.2011, 17:13

Ich wette mit Olli Rehn um eine Kiste Champagner, daß selbst die kosmetisch geschönteste Inflation 2012 über 2% liegen wird.

Sitacui
00
14.5.2011, 16:10

Wir haben gute Politiker.

alla riscossa
01
14.5.2011, 22:22
der war gut!!!

academius
92
14.5.2011, 14:41

Und einmal mehr sieht man, dass die bürgerlich-konservativ geführten Länder (Deutschland, NL, Schweden, Frankreich) deutlich erfolgreicher sind als die sozialistischen Staaten des Südens (Spanien, Portugal, Griechenland.

Dann will mir noch einer erklären, die Sozialisten könnten wirtschaften. Die Wirtschaftskompetenz ist und bleibt bei den Konservativen - die ÖVP in Österreich geht mit bestem Beispiel voran. Dass wir mit unserem Wachstum durchaus gut dastehen, hat wohl damit zu tun, dass die Reformjahre des Schüssel-Grasser Kurses noch immer wirken.

Und glücklicherweise sind Finanz- und Wirtschaftsministerium seither in guten Händen.

Peter Ebner1
00
15.5.2011, 19:23
Die Sozialisten haben noch nie wirtschaften können...

aberdie haben auch nicht wirklich ernsthaft jemals das Gegenteil behauptet. Ihr Credo ist immer noch Steuern so hoch wie möglich zu schrauben, um die Reichen nicht noch reicher zu machen. Das Problem ist halt je höher man die Steuern treibt, desto energischer werden Schlupflöcher gesucht. Wenn es nur irgendwie ginge würde die Einkommenssteuer heute bei 80-90% liegen, allerdings hätte man dann im Lande keine Investitionen mehr und alle die sichs leisten können würden das Weite suchen. Es ist leider immer dasselbe Spiel. Die Steuereinnahmen reichen nie, und wenn der Steuereinfallsreichtum noch so toll ist. Nachdem dann wieder Vermögens- und Erbschafststeuern wieder da sind, wirds nach einiger Zeit wieder eng, dann dreht man an der MWST.

alla riscossa
00
14.5.2011, 22:23
hältst du dich selber aus?

im Standard sind alle perfekt!!
20
14.5.2011, 18:38

sie nehmen mir die worte aus dem mund. von mir gibts ein "grünes stricherl" :-)

mfg

Idefix der zweite
 
00
14.5.2011, 18:31

Wollen Sie uns nicht bitte mit Ihrem immer gleichen Mist verschonen.
Danke

Alfredo di Stefano
24
14.5.2011, 17:20

die övp ist eine partei der bauern und beamten aber sicher keine wirtschaftspartei

cannery row
10
14.5.2011, 19:25
da stellt sich aber die frage..

wer die wirtschaft bei uns macht.. die roten? kaum. die grünen? no comment. die blauen? (glücklicherweise) noch nicht.
also der leitl? bewundernswert, für einen hansl..

Apocalypse
00
15.5.2011, 08:38

Die Wirtschaft und Banken deponieren ihre Interessen und Mitglieder direkt bei der Partei. Generell sind aber die meisten VP Mitglieder nicht in der Lage komplexe Zusammenhänge zu erkennen, speziell nicht die Schotter Miezi mit ihren High Tech Unternehmen.

Salz Burger
20
14.5.2011, 15:10

Die Regierungen von Nationalstaaten haben inzwischen so wenig Einfluss auf die Wirtschaft, dass man wirklich nicht mehr das Spiel Konservativ gegen Sozialisten spielen kann. Das ist vorbei.

Gute Ideen finden heute ihre eigenen Wege zum Erfolg, da braucht es keine kleinliche Parteipolitik mehr dazu. Egal in welchem Land.

W123
22
14.5.2011, 14:52

Der Letzte Satz hat sie soeben um ein grünes Stricherl von mir gebracht.
Die Stillstands-und Klientelpolitik der Wirtschafts- und Finanzpolitik ist scharf zu kritisieren. Von wegen in guten Händen. Österreich und D stehen auch deshalb gut da, weil die Mentalität und Arbeitseinstellung immer noch relativ geshen sehr gut ist und man auf Strukturen und wohlstand vergangener Zeiten aufbeuen kann...

General Cornwell
20
14.5.2011, 16:16
Vor allem Österreich

profitiert von seiner Vergangenheit - den für die Zukunft sieht es dort zappenduster aus: Politik ist absolut null reformwillig und -fähig.

Die großen Anforderungen der nächsten Jahre: Schuldenkrise, demographischer Wandel, Bevölkerungsschwund, Unfinanzierbarkeit der traditionellen Sozialsysteme wird Österreich so um die Ohren fliegen, dass es nur so kracht.
Das wird auch Deutschland treffen, aber nicht so stark, da das Beharrungsvermögen und die Reformresistenz nicht so ausgeprägt sind.

W123
00
14.5.2011, 17:06

Zustimmung, mit der Ausnahme der Einschätzung Deutschlands. Für die deutsche Zunkunft sehe ich schwarz. Es gibt kein Land mit soviel Selbsthaß, daß von PC-Eliten regiert wird, die Deutschland als Nation ablehnen. Um die Meinungsfreiheit und die Pressefreiheit ist es schlecht bestellt (Sarrazin, Heisig, Herman,..). Bloß weil man dort vieles nicht ansprechen darf, heißt es nicht daß es nicht existiert. Bei der Lektüre der Foren, oder durch den Sarrazinerfolg, merkt man sehr deutlich, daß es ordentlich brodelt. Die FDP ist vernichtet, somit gibt es abgeshen von der Union ohne Werte, nur Parteien, die sich in linken Spektrum auf die Zehen steigen. Sobald der Soazialstaat nicht mehr finanzierbar ist, wird es in D krachen und zwar heftig.

Agnostiker1
10
14.5.2011, 19:20
Sie besitzen den Anspruch auf den absoluten Blödsinn.

Der Sozialstaat in Österreich wird viel eher krachen als der in Deutschland. Unser Nachbarn sind zumindest reformfähig (Renten- und Krankenvers-. Abschaffiung der Wehrpflicht usw.). Und was geschieht bei uns? Null. Dann schaen Sie einmal, wo wir eine bedeutende Position im Weltmarkt einnehmen?Nirgends.

General Cornwell
00
14.5.2011, 18:18

Ich gebe ihnen vollkommen recht.

Meine Aussage war aber nicht, dass die Probleme in Deutschland kleiner wären als in Österreich, sondern dass Deutschland mehr Reformkraft und trotz aller PC-Mentalität sogar noch mehr Mut zur Wahrheit besitzt als Österreich.

Wahrscheinlich wirds am Ende des Tages eh nichts helfen, da gebe ich Ihnen recht und somit wirds wurscht sein. Österreichs Lage sehe ich aber a priori als noch schlechter.

JohnP
01
14.5.2011, 14:38
out of topic - an den standard.

telering-werbung:

wenn ich auf das kreuzerl drücke, dann möchte ich, daß die werbung verschwindet und nicht daß ich auf eine andere homepage komme.

an den standard:
wenn der online-standard mit der manipulation nicht sofort aufhört, wechsle ich auf eine andere ONline-Zeitung !!!!!!

HomerJ
00
14.5.2011, 15:05

wechsel den browser (firefox/adblock) oder opera

JohnP
00
14.5.2011, 16:37

firefox hab ich - adblock bis jetzt noch nicht.

thanks für den hinweis, werd ich gleich installieren,
:-)

General Cornwell
00
14.5.2011, 14:15
Verrückt

die Weltwirtschaft funktioniert im Moment - verkürzt gesprochen - ungefähr so:

China wächst wie verrückt, weil es billige Produkte auf dem Weltmarkt anbietet (--> billiger als normal weil Regierung Wechselkurs künstlich niedrig hält).

Die chinesischen Schnäppchen werden von der USA förmlich aufgesogen (auf Pump - das Geld dazu wird wiederum von den Chinesen geliehen) --> Wachstum China

Der Devisenfluss, den China durch Exporte erhält, muss irgendwohin --> Import von deutschen Schnäppchen (Schnäppchen, weil durch den EUR sind deutsche Produkte künstlich unterbewertet)

--> Deutschlands Wachstum geht durch die Decke

[Ö exportiert nach D --> wächst mit]

Durchtrennt man ein Glied dieser -politisch geschaffenen- Kette: *bang*

Agnostiker1
10
14.5.2011, 13:02
Wir sollten bei aller Begeisterung herausrechnen, wieiviel.....

...von unserem Wachstum durch Deutschland induziert ist. Dann schauts nämlich ganz anders aus.

Heefcleeve
32
14.5.2011, 13:50

Und weiters sollten wir davon herausrechnen, wieviel vom Wachstum wiederum den Euro kaputtmacht:

http://www.querschuesse.de/allzeitho... tschlands/

Agnostiker1
20
14.5.2011, 18:39
Die Deutschen haben eine excellente Forschungslandschaft.

Wir sind dagegen Stümper.

Ich habe einen Vorgang konkret miterlebt: General Electric baute vor ca. 2 Jahren das europäische Forschungs- und Entwicklungszentrum. Zur Auswahl standen Wien, Paris und München. M. erhielt den Zuschlag. Die Gründe waren; GE sucht bewußt den Standort des größten Konkurrenten (Siemens), außerdem suchte GE das Land mit einer führenden Rollle bei Zukunftstechnologiem (D. ist Weltmarktführer bei der Windenergie und 2. bei Solar). Und entscheidend war der sehr gute Ruf der TU mit der Anbindung an den Forschungsreaktor Garching (Medizintechnik, Materialprüfung). Wir waren nach dem 1. Gespräch ausgeschieden, die Franzosen versuchten politisch zu taktieren, aber Sieger war München.

Agnostiker1
11
14.5.2011, 18:22
Ich sehe keine Korrelation zwischen meiner Aussage und .....

,...und der von Ihnen aufgeworfenen Frage.

Ich kann Ihnen ziemlich genau erklären, was die Hintergründe sind: 1. Japan's Ausfall wird im wesentlichen von D. aufgefangen. 2. Die deutsche Industrie hat keine Facharbeiter entlassen in der tiefsten Rezession. Große Unternehmen haben bewußt rote Bilanzahlen in Kauf genommen, um beim Neustart sofort reagieren zu können. 3. Aicj om der Rezesssion wurden masive Rationalisierungsinvestitionen durchgeführt. 4. Die Ertragslage der deutschen Exportidustrie ist dadurch glänzend.

Von irgendwas kaputt machen kann keine Rede sein. Der Bedarf auf dem Weltmarkt ist da und er wird auf jeden Fall befriedigt. Die Deutschen haben ihre Hausaufgaben gemacht und ernten jetzt die Früchte. Schluß steht oberhalb.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 82
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.