Klettersport hat negative Folgen für seltene Pflanzen

14. Mai 2011, 18:03
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Einfluss auf Verbreitung und genetische Struktur von seltenen Berggewächsen entdeckt

Kletterer gelten eigentlich als naturverbunden und durch ihren direkten Kontakt mit der Natur als vergleichsweise umweltbewusste Menschen. Eine aktuelle Studie konnte nun aber nachweisen, dass die Ausübung dieser Sportart nicht ganz unproblematisch ist. Biologen von der Universität Regensburg haben gezeigt, dass das Klettern nämlich negative Folgen für die Verbreitung und die genetische Struktur von seltenen Pflanzen in Bergregionen haben kann.

Weltweit nimmt die Begeisterung für das Klettern beständig zu. Dadurch steigt aber auch der Druck auf die Vegetation gerade in solchen Gebieten, die sich bei Kletterern großer Beliebtheit erfreuen. Dies gilt ebenfalls für den nördlichen Franken-Jura und die Schwäbische Alb, die beide zu den bedeutendsten Kletter-Regionen Deutschlands zählen. Beide Gebirge gehören zu den Hauptverbreitungsgebieten des seltenen gelben Hungerblümchens (Draba aozides), das auch als "Immergrünes Felsenblümchen" bekannt ist und auf Kalksteinfelsen wächst.

Um herauszufinden, ob das Klettern einen Einfluss auf die Verbreitung und die genetische Struktur der seltenen Pflanze hat, verglichen die Regensburger Biologen Christoph Reisch und Frank Vogler die Pflanzenpopulationen auf insgesamt 16 Felsen, von denen acht beklettert werden, während die anderen acht bislang davon unberührt geblieben sind.

Auswirkungen auf Samenausbreitung

Die Forscher fanden heraus, dass sich die Pflanzenpopulationen auf den beiden Felstypen deutlich voneinander unterscheiden. So sind die Pflanzen auf den Kletterfelsen kleiner und weniger zahlreich als ihre Artgenossen auf den nicht bekletterten Felsen. Darüber hinaus konnten die Regensburger Forscher auch Auswirkungen des Kletterns auf die genetische Struktur der Populationen feststellen, denn die genetischen Unterschiede zwischen der oberen und der unteren Hälfte der Populationen waren auf den bekletterten Felsen signifikant niedriger. "Eine Veränderung, die auf die Ausbreitung von Samen und Pflanzenteilen durch Klettern zurückzuführen ist", meint Reisch.

"Die mechanischen Belastungen durch das Klettern führen zu Veränderungen der Populationsstruktur", erklärt Reisch. Zwar fördern Bergsteiger durch ihre Auf- und Abstiege die Verteilung der Pflanzensamen. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass die von den Forschern beobachteten genetischen Veränderungen langfristig die Fähigkeit der Pflanzen, in ihrer ursprünglichen Umgebung zu überleben, beeinträchtigen könnten.

Aufgrund ihrer relativen Unzugänglichkeit gehören die Felsmassive vor allem der Mittelgebirge zu den wenigen Ökosystemen, die in den letzten Jahrhunderten nur bedingt durch den Menschen in ihrer Entwicklung gestört wurden. Sie beheimaten zumeist eine große Bandbreite seltener und gefährdeter Pflanzenarten. "In Gebieten, die bei Kletterern besonders beliebt sind, ist es deshalb dringend erforderlich, unberührte Felsen zu erhalten, auf denen sich die einzelnen Pflanzenarten ohne äußere Einflüsse entwickeln können", meint Reisch. (red)

  • Das seltene Gelbe Hungerblümchen (Draba aozides) leidet unter den Kletterern, wie eine Studie nachweisen konnte.
    foto: universität regensburg

    Das seltene Gelbe Hungerblümchen (Draba aozides) leidet unter den Kletterern, wie eine Studie nachweisen konnte.

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