Das Limit setzt der Lärm

13. Mai 2011, 17:58
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Die Strecke in Spielberg ist eröffnet - Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel und sein Teamkollege Mark Webber drehen Demorunden

Spielberg - Die Rennstrecke sieht aus wie um die Jahrtausendwende, als sie auf den Namen A1-Ring hörte, und mit Ausnahme der erneuerten Start-Ziel-Geraden ist sie noch mit dem alten Asphalt bedeckt. Sie ist 4,3 Kilometer lang, hat fünf Rechts- und zwei Linkskurven. Mittendrin und rundherum ist alles neu: das 250 Meter lange Boxengebäude samt Medical und Mediacenter und täglich geöffnetem Restaurant, das Driving Center, der Gokart-Kurs, die Enduro- und Trialstrecken, der 4WD-Kurs et cetera. Das alles, ein paar Hotels in der Umgebung, Golfplatz und Reitstall gehören Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz persönlich, seine Firma ist Sponsor und Namensgeber des Rings, des zentralen Elements im Projekt Spielberg.

"Wenn Sie den Ring buchen wollen", sagt der frühere Zehnkämpfer Thomas Tebbich, der als General Manager fungiert, "müssen Sie sich beeilen. Bis Ende Oktober sind wir zu 79 Prozent ausgebucht." Prinzipiell ist es für jedermann möglich, den Rennrundenrekord von Michael Schumacher zu jagen. Der Rekordweltmeister benötigte 2003 mit seinem Ferrari 1:08:337 Minuten; Kollege Rubens Barrichello war 2002 im Training noch schneller (1:08:082), doch im Rennen durfte er seinen Meister nicht besiegen, was damals für große Aufregung sorgte.

Der Preis für die Rekordjagd: fünfeinhalb Stunden Rennstrecke samt kleinstem Sicherheitspaket (sieben Streckenposten, ein Arzt, zwei Rettungsautos), Race-Controll, Medical Center und einer Box kommen auf 10.800 Euro. In die Box passen zwei Autos und auf den Parkplatz dahinter noch einmal zwei.

Der Haken an der Geschichte: Das ist der Tarif für straßenzugelassene Autos. Für Formel-Autos kostet der Spaß mit einem etwas größeren Sicherheitspaket 15.000 Euro, aber da ist man auch noch längst nicht auf Formel-1-Niveau. Denn Lärm ist teuer. Laut Österreichs Oberster Sportkommission OSK dürfen sich auf dem Ring jeweils bis zu 60 Autos und 68 Motorräder vergnügen. Und jedes Brummen wird von vier Messstationen registriert. "Wir haben eine bestimmte Lärmmenge in der Saison zur Verfügung", sagt Tebbich, "und die dürfen wir ja nicht überschreiten."

Tebbich bietet zu seinen Paketen eine Versicherung an (Ableben, Invalidität), kostet zehn Euro pro Person und Tag. Und wer haftet dafür, wenn der Rekordjäger ausreitet, Furchen in ein Kiesbett wühlt und eine Leitschiene demoliert? "Das Kiesbett-Service ist inklusive", sagt Tebbich, "die Kosten unseres Leitschienendienstes werden dem Kunden aber in Rechnung gestellt."

Der Ring entspricht den höchsten Sicherheitskriterien des Internationalen Automobilverbandes Fia, ist für die Formel 1 homologiert. Doch die ist für Mateschitz, den Besitzer des amtierenden Weltmeisterteams, der aus St. Marein im Mürztal stammt, mittelfristig kein Thema. (Benno Zelsacher, DER STANDARD Printausgabe, 14./15. Mai 2011)

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    foto: standard/zelsacher
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