Der Geheimcode, der Diebe abschreckt

13. Mai 2011, 18:54
  • Artikelbild
    foto: der standard/christian fischer

    Für das Codieren eines Fahrrades braucht Gruppeninspektor Harald Doppelreiter nicht einmal eine Minute. Die Zahlen werden 0,1 bis 0,2 Millimeter tief eingestanzt.

Immer mehr Radbesitzer lassen von der Polizei ihre Bikes codieren - Die eingemeißelte Vorsorge gegen Diebstahl wirkt, ist aber in der Branche nicht unumstritten

Wien - Harald Doppelreiter kommt gleich zur Sache: "Das Kabelschloss ist ein Scherz, das ist mit einem Leatherman in kurzer Zeit abgezwickt." Seit 15 Jahren gibt der Gruppeninspektor von der Simmeringer Polizei Fahrradbesitzern Tipps gegen Diebstahl. Immerhin wechseln in Österreich im Schnitt 57 Bikes pro Tag unfreiwillig ihre Besitzer. Eine Präventionsmaßnahme, die die Polizei empfiehlt und auch immer öfter gratis durchführt, ist die Fahrradcodierung. Allein in Wien haben bereits 45.000 Fahrräder gut sichtbar eine Identifikationsnummer eingestanzt. Doch manche Hersteller weisen darauf hin, dass damit die Garantie auf den Rahmen erlöschen kann.

Vor allem im Hochpreissegment auf dem Fahrradmarkt wird vor "absichtlich herbeigeführten Beschädigungen" des Rahmens gewarnt. Die Polizei, dein Freund und Zerstörer? Von Beschädigung will Gruppeninspektor Doppelreiter nichts wissen: "Der Code wird mit einem sensiblen Computernagelgerät in das Metall gestanzt, zwischen 0,1 bis 0,2 Millimeter tief. Das ist keine Beeinträchtigung des Rahmens." Zur Sicherheit muss aber jeder, der sein Rad codieren lässt, einer Erklärung zustimmen, dass die Polizei keine Garantie für die Garantie übernimmt.

Die Berechnung der möglichen Belastung eines Fahrrades hat mit höherer Mathematik zu tun. Jeder Hersteller kalkuliert die Kräfte, die vertikal, seitlich und horizontal einwirken können, genau. Ein Rahmenbruch aufgrund einer Codierung - auch in anderen Ländern gibt es die eingemeißelte Diebstahlsabschreckung - ist bisher jedenfalls noch nie dokumentiert worden.

Ewald Patzl vom Fachbetrieb Cooperative Fahrrad in Wien hat eine differenzierte Sichtweise: "Ultraleichte Alu- oder Carbon-Rahmen sind meiner Meinung nach nicht für eine derartige Codierung geeignet." Im Zweifelsfall empfiehlt er, beim Rahmenhersteller nachzufragen. KTM in Mattighofen gibt auf Standard-Anfrage teilweise grünes Licht: "Wenn die Codierung durch die Polizei am Sattelrohr durchgeführt wird, bleibt die Garantie erhalten." Aber auch KTM schließt Carbonrohre ausdrücklich von der Zustimmung aus.

Chiffrierter Datenmix

Der Code ist ein Mix aus Besitzerdaten und chiffrierte Adresskennzahlen der Statistik Austria. Deshalb muss jeder, der sein Fahrrad codieren lässt, einen Ausweis vorlegen. Eine rechtmäßige Weitergabe kann in den mit der Codierung ausgegeben Fahrrad-Sicherheitspass eingetragen werden. Ein codiertes Rad kann von der Polizei sofort einer bestimmten Adresse zugeordnet werden - ohne Abfrage in irgendeiner Datenbank.

Die Personalisierung ist auch der entscheidende Unterschied zur Rahmennummer, die die Produzenten meistens auf dem Tretlager unten eingravieren. "Im Fall eines Diebstahles ist ein codiertes Rad zumindest offiziell unverkäuflich", meint Polizist Doppelreiter. Und das scheint tatsächlich abschreckend zu wirken. In Wels, wo die Polizei 1995 mit Fahrradcodierungen begann, ist die Diebstahlsrate in den Folgejahren um knapp dreißig Prozent zurückgegangen. Manche Fahrradhersteller kopieren das erfolgreiche Konzept bereits mit eigenen Online-Datenbanken. (Michael Simoner/DER STANDARD, Printausgabe, 14./15. Mai 2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 333
1 2 3 4 5 6 7 8
Karli Marxi
00
5.12.2011, 11:57

In Wels werden jetzt um 3 Fahrräder wengier / Jahr gestohlen! Sensationell!

Grundsätzlich aber eine gute Idee! Werde meins auch gleich stanzen lassen

Heinrich Dacher
00
22.5.2011, 11:43
Gibts denn Erfahrungen der Art:

Verhältnis codierter/uncodierter Fahrräder insgesamt und das selbe Verhältnis bei den gestohlenen Rädern?
Dann würde man schon schön sehen ob das was bringt und wenn ja, wie viel.

a b1
00
Ich glaube nicht, dass die Diebe so dumm sind

Die wissen genau, dass quasi überhaupt nicht kontrolliert wird und somit die Nummer lediglich abschreckende Wirkung haben soll.

tödlich.
00
18.5.2011, 13:24

kann man auch zwischen nationalem und internationalem fahrraddiebstahl unterscheiden.
beim ersteren wird das fahrrad geklaut und in einem anderen bezirk angekettet und irgendwann verkauft.
zweiteres..unten erwähnter dunkelgrüner vw lt zb.

Gilgamesh
31
17.5.2011, 11:19

Das Geld wäre besser angelegt, wenn man es in Helme und eine Verkehrsausbildung investiert....

jo eh i a
03
17.5.2011, 09:30
wäre es nicht sinnvoll...

Schlösser in den Rahmen einzubauen, die das lenk- und Tretlager sperren, wie ein Zündschloß bei Motorrädern?

immer schön freundlich
00

mein erstes klapprad hatte so einen riegel.

Quark
00
17.5.2011, 12:20
ja

das fände ich auch viel sinnvoller.

Vor allem ist es absolut unpraktisch mit einem herkömmlichen Fahrradschloss abzusperren und dann muss man die wieder in einem Rucksack oder an der Lenkstange verstauen.

jo eh i a
00
17.5.2011, 14:56
ich würd

schon noch zusätzlich ein Bügelschloß verwenden, aber ich denke mir, dass so ein in den Rahmen integriertes Schloß schon sehr sicher wäre und abschreckend wirken würde, speziell für teure Räder wie E-Bikes.

Weiß wer ob es solche Systeme schon gibt?

simax
00
25.8.2011, 20:44
gibt es

bei einigen Stadträdern - soweit ich mich erinnere hauptsächlich gehobene deutsche oder schweizer Fabrikate. War in einem Fall ein Klappbügel an den Sattelstreben.

Borg101 (Flip Mode)
00
16.5.2011, 11:49
Heißer Tipp von einem Freund (er ist Polizist):

KTM ist das Mercedes von Fahrräder im "Osten".

Kauft euch (wie ich es leider viel zu spät gelernt habe) lieber eine 0815 Marke und 2 Fahrradschlösser:

1x Selbstgemacht mit Niro-Kette (muss lang genung sein damit vorderes Rad und Rahmen and einme am Boden befestigten Rad-Ständer/-Halter in einem gesichert sind) + Niro-Vorhangschloss (beides minimum 10 mm Durchmesser, Vorhangschloss mit seitlich gebohrte Vertiefungen und Lamellen) +

1x Fahrrad-Bogenschloss (minimum 12 mm Durchmesser von Innen-Stahl-Bogen, und ebenfalls seitlich auf dem Schlüssel angebrachte Vertiefungen und Lamellen {statt die alten Schlüssel-Zähne}), sollte lang genung sein um hinteres Rad mit dem Rahmen zu sichern.

GANZ WICHTIG: Schnell-Schrauben (mit Hebel zum Auf- und Zu-

Borg101 (Flip Mode)
00
16.5.2011, 11:55
Was von meinem Posting oben am Ende fehlt...

GANZ WICHTIG: Schnell-Schraube vom Sitz (mit Hebel zum Auf- und Zu-Schrauben) durch "normale" Schraube (Innen-Sechskant-Schraube, auch als "Imbus-Schraube" bekannt) ersetzen damit das entwenden vom Sitz schwerer wird (benötigt Werkzeug und etwas mehr Zeit).

MfG

freilaufend
00
17.5.2011, 15:38

Ich habe alle Schnellspanner (beide Reifen und Sitz) durch absperrbare Spanner ersetzt. Die bekommt man nur mit einem spezialschlüssel auf...

Borg101 (Flip Mode)
02
16.5.2011, 11:37
Warum die ganze Aktion absolut sinnlos ist:

1. Autos mit Anhänger voll bepackt mit Fahrräder (10, 20,30, 40 Stk. und mehr) mit "Ost-Europäischem" Kennzeichen werden an der Grenze nie kontrolliert

2. Die oben erwähnten Autos werden auch nicht innerhalb Österreich kontrolliert

3. Es hat noch nie von der Seite der Exekutive gezielte Aktionen/Kontrollen (ala "Planquadrat" z.B. auf der Prater-Alee) gegeben

4. Nach gestohlene Fahrrädern wird gar nicht gesucht

5. Wegen 4. wird auch Nichts gefunden und auch Nichts gemeldet und niemand bestraft

6. Ergo Sum: Diebe machen einfach weiter ohne Angst vor Strafe

MfG, Der 5 mal bestohlene!

simax
00
25.8.2011, 20:47
stimmt leider

hier in Kassel und Göttingen wird gelegentlich per LKW straßenweise abgeerntet.

tödlich.
00
18.5.2011, 13:22

ja, ich kenn einen, so einen dunkel.deunkel.moss.grünen vw lt bus.

Reversi
 
10
15.5.2011, 23:12
Eine rahmenschonende Alternative

sind diese Scherz-Nummerntaferl vom Jarhmarkt ("JOHNNY 1", "DICKER BRUMMER", "2GFRAST4U", ...).

Gibt's in vielen bunten Farben, individuell gestaltbar und kosten auch nicht die Welt.

Der Rahmen vom Radl bleibt unberührt und wenn es einer tschurt, bringt das Taferl genauso viel wie der Code.

e h
01
17.5.2011, 12:23

Na hoffentlich kommt der Dieb nicht auf die Idee, das Taferl abzumontieren...

Chocoholic
40
15.5.2011, 20:36
Angeblich ist es doch so, dass überhaupt keine Räder gestohlen werden,

Also vor allem, schenkt man unterschiedlichen postern zu anderen Fahrradthemen Glauben.

Quark
05
15.5.2011, 19:31
Also ich bin ja für sowas:

http://www.youtube.com/watch?v=pTPFrww6zdA

einfach genial :)

Quark
00
15.5.2011, 19:35

wens interessiert, hier das Making of: http://www.youtube.com/watch?v=k... cWUCU&NR=1

Verstand
10
15.5.2011, 15:43
Hersteller die Rahmenbelastung mit so wenig Sicherheit herstellen, müssten vom Markt gedrängt werden.

Neuer Nick neues Glück
00
16.5.2011, 00:26

Kommt drauf an.
Extremer Leichtbau hat auch seine Existenzberechtigung.

Carlos Clementin
83
15.5.2011, 12:17
Ein Beispiel setzten ...

Sollte tatsächlich mal ein Profi-Radldieb in Flagranti erwischt werden:
Am Hauptplatz anketten, Schild Raddieb, einen Hammer und eine Hand auf einen Amboss binden.
Wer Will darf draufhauen (auch anspucken erlaubt).
Eine Webcam und weltweit übertragen ....
(Besoffene und Gelegenheitsausleiher sollten nur eine Mildere Strafe bekommen, aber den Profiverbrechern gehört das Handwerk gelegt.)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 333
1 2 3 4 5 6 7 8

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.