Samsung Galaxy S II: Rasantester Androide bisher

15. Mai 2011, 15:13
284 Postings

Sehr gute Kombination aus 1,2 GHz Dual Core-Chip, Super AMOLED Plus-Display und Gingerbread

Anfang Mai ließ Samsung sein aktuelles Android-Flaggschiff Galaxy S II vom Stapel laufen. Das Smartphone gehört zu den am meisten nachgefragten Geräten am Markt und folgt dem äußerst populären Galaxy S nach. Mit seiner Ausstattung hat es nicht nur unter den Android-Modellen die Nase vorne, sondern gilt auch als schärfster Konkurrent für das iPhone 4. Der WebStandard hat sich angesehen ob es den hohen Erwartungen gerecht wird.

Nach dem Nexus S

Wurden das erste Google-Phone G1 und das Nexus One noch vom taiwanesischen Hersteller HTC gefertigt, hat sich Google für das Nexus S Samsung als Kooperationspartner geholt. Zur Vorstellung galt das Nexus S als am weitesten entwickeltes Android-Modell. Das Galaxy S II (Modellnummer GT-I9100) entspricht nun nicht nur einfach dem Nexus S mit Samsung-Branding, sondern bietet neben einem anderem Design auch eine technologische Weiterentwicklung.

Design

Das Galaxy S II ist mit Abmessungen von 125,3 x 66,1 mm zwar relativ breit, eine Dicke von 8,49 mm machen es jedoch zu einem der dünnsten Geräte an Markt. Aur der Vorderseite befindet sich nur ein Hardware-Button für die Home-Taste, links und rechts davon sind zwei Touch-Buttons integriert, die nur bei aktiver Nutzung aufleuchten. Die Verarbeitung ist elegant und wirkt stabil, wenngleich die Akkuabdeckung aus Kunststoff etwas dünn geraten ist. Immerhin lässt sich die Rückenabdeckung leicht entfernen. Zum Tausch der microSD-Karte muss leider der Akku entnommen werden. Mit lediglich 116 Gramm inklusive Akku ist das Galaxy S II angesichts seiner Größe unglaublich leicht und liegt sehr gut in der Hand. Im Test ist allerdings aufgefallen, dass das Gerät sowohl an der Rückseite als auch am Display schnell sehr warm wird.

Performance

Bei den meisten Highend-Modellen setzen die Hersteller mittlerweile auf Dual Core-Prozessoren. Ein Vergleich: für Desktop-Computer kamen im die ersten Dual-Core Chips erst vor etwa sechs Jahren zum Einsatz. Im ersten Galaxy S und dem Nexus S verrichtet ein 1 GHz ARM Cortex A8 Prozessor seine Arbeit. Für das Galaxy S II setzt Samsung auf den eigenen Exynos 4210 SoC mit dem 1,2 GHz flotten A9 Dual-Core-Chip. Der Hersteller hat hier seit der Präsentation des Gerät nochmal nachgebessert, da zu dem Zeitpunkt noch von einem 1-GHz-Chip die Rede war.

Bei Benchmarks die Nase vorne

Für Grafikaufgaben ist eine ARM Mali-400MP-GPU integriert. Damit bietet das S II Video-Wiedergabe und -Aufnahmen in FullHD-Qualität mit 1080p sowie 2D- und 3D-Grafikbeschleunigung. Von Anandtech und Engadget durchgeführte Benchmarks stellen das Galaxy S II an die Spitze aktueller Smartphones. Das Gerät bietet zudem 1 GB Arbeitsspeicher und je nach Modell 16 oder 32 GB internen Speicher, der sich durch eine microSD-Karte erweitern lässt.

Schnelles Surfen

Konkret für den Nutzer macht sich die starke Ausstattung unter anderem durch extrem schnelles und flüssiges Scrollen auf Websites, einem absolut ruckelfreien Wechsel zwischen Home- und App-Screens und schnelles Starten von Apps bemerkbar. Websites bauen sich dank Dual-Core-Chip und HSPA+ schnell auf. Selbst bei Seiten mit Flash-Inhalten war das Galaxy S II im Test (über das A1-Netz) überraschend flott unterwegs. Generell setzt Samsung mit Support für Bluetooth 3.0 und WLAN 802.11 a/b/g/n auf schnelle Datenübertragungsmöglichkeiten.

Spiele-Profi

Die Grafik-Leistung sorgt beispielsweise bei Google Earth dafür, dass 3D-Modelle sehr schnell aufgebaut werden. Aber auch bei Games kann das Galaxy S II seine Stärken ausspielen. Über den Game Hub bietet Samsung Zugriff auf eine Auswahl verschiedener Social Games und Premium-Spiele von Gameloft, die kostenlos ausprobiert werden können. Rennspiele wie etwa Shrek Kart HD machen dank der guten Performance und des großen Displays viel Spaß.

Video-Paket

Videos in FullHD-Qualität laufen während der Aufnahme und Wiedergabe flüssig und ohne Aussetzer. Für die Videos bietet Samsung einen eigenen Editor, der jedoch nur eine maximale Auflösung von 720p unterstützt. Der Editor ist zwar etwas unübersichtlich, ermöglicht aber das schnelle Zusammenstellen eines Clips mit kurzen Aufnahmen, Fotos und Hintergrundmusik zu verschiedenen Themen wie Reisen oder Party. Die selbstgedrehten Videos können auf DLNA-kompatible Fernseher getreamt werden. Mit einem microUSB-Adapter funktioniert auch die Ausgabe via HDMI-Kabel an einen HD-Fernseher.

Umfangreiche Kameraoptionen

Im Galaxy S II sind dafür zwei Kameras verbaut. Die Hauptkamera mit 8 Megapixeln wird durch einen LED-Blitz, Autofokus, Gesichtserkennung, verschiedene Aufnahmeszenen und zahlreiche andere Einstellungsmöglichkeiten unterstützt. Die zweite Kamera auf der Vorderseite bietet 2 Megapixel. Der Fokus kann durch Antippen des Touchscreens gesetzt werden, das funktioniert allerdings nur bei Fotos, nicht bei Videoaufnahmen. Sowohl Fotos als auch Videos gelingen mit der Kamera sehr gut. Dank Makrooption sind sogar Aufnahmen aus wenigen Zentimetern Entfernung möglich.

Fotobearbeitung an Bord

Wie für Videos, hat Samsung auch für Fotos einen Editor vorinstalliert, mit dem sich Bildbearbeitungen wie Zuschneiden, Drehen und Kopieren in ein anderes Bild durchführen, Sättigung, Kontrast und Helligkeit anpassen und einige Effekte hinzufügen lassen. Gemeinsam mit der Kamera-App bietet Samsung ein abgerundetes Foto-Paket auf dem Galaxy S II, was die Installation von anderen Foto-Apps mit Basisfunktionen überflüssig macht. Erst für speziellere Effekte muss man den Android Market aufsuchen. 

Display

Dass Videos und Spiele auf dem Galaxy S II einen so guten Eindruck machen, ist auch dem Display geschuldet. Samsung hat dem Smartphone ein 4,3 Zoll großes Super AMOLED Plus Display verpasst. Über die Technologie hinter dem Display hat der WebStandard bereits früher berichtet. Neben einer besseren Darstellungsqualität mit leuchtenden Farben und echtem Schwarz, sind mit Super AMOLED Plus auch deutlich dünnere Geräte möglich. Das S II ist wie bereits erwähnt mit 8,49 mm eines der dünnsten Geräte am Markt. Das iPhone 4 misst im Vergleich dazu 9,3 mm.

Die Auflösung des Samsung-Geräts liegt mit 800 x 480 Pixel bei 4,3 Zoll allerdings hinter der des Apple-Smartphones mit 960 x 640 Pixel und 3,5 Zoll. Beim direkten Vergleich ist deutlich bemerkbar, dass die Schrift auf Websites ohne Zoom am iPhone 4 besser lesbar ist, bei der alltäglichen Nutzung des Samsung-Modells fällt das jedoch nicht auf. Das Galaxy S II-Display ist zudem sehr hell einstellbar, was die Lesbarkeit im Freien verbessert.

Lautsprecher

Samsungs Androide verwöhnt nicht nur die Augen, sondern auch die Ohren. Der integrierte Lautsprecher erzeugt runde und weniger blechern klingende Töne als bei vielen anderen Smartphones. Für Filme und Games kann man somit - sofern es die Umgebung zulässt - getrost auf Kopfhörer verzichten. Auch beim Telefonieren ist die Klangqualität angenehm aufgefallen.

Akkuleistung

Obwohl das Super AMOLED Plus-Display weniger Strom verbraucht als AMOLED, muss man bei intensivem Spielen, Videofilmen und -schneiden dennoch aufpassen, dass man bei längeren Aufenthalten unterwegs ein Ladekabel mitnimmt. Bei durchschnittlicher Nutzung (gelegentliches Surfen, Fotos aufnehmen, E-Mails abrufen, Musik hören und Telefonieren) schaffte der 1650 mAh-Akku im Test aber immerhin eineinhalb Tage. Hat man sich (durchgehend) in ein Spiel vertieft, verkürzt sich die Laufzeit natürlich deutlich. Dank der erweiterten Akku-Anzeige von Android 2.3.3 Gingerbread kann man genau überprüfen, welche Komponenten bzw. Prozesse den meisten Strom fressen und sein Nutzungsverhalten gegebenenfalls anpassen.

Android mit Samsung-Anstrich

Als Betriebssystem bleibt Samsung seiner Android-Linie treu und setzt beim Galaxy S II auf Gingerbread 2.3.3. Was Gingerbread zu bieten hat, wurde bereits im WebStandard-Test des Nexus S ausführlich erklärt und soll hier daher nicht nochmals wiederholt werden. Im Gegensatz zum Nexus-Modell ist der Galaxy-Neuling jedoch mit Samsungs eigener Oberfläche TouchWiz ausgestattet. Das Erscheinungsbild von Android wird wie schon beim ersten Galaxy S doch deutlich verändert. So findet man am Homescreen nicht den üblichen Android-Launcher, sondern vier Icons für Telefon, Kontakte, Nachrichten und Anwendungen. Die ersten Drei lassen sich beliebig gegen andere Apps austauschen. Das Apps-Icon ist fixiert, da es sonst keine Möglichkeit gibt zum Menü der Anwendungen zu gelangen.

(Zu) viele vorinstallierte Apps

Über vier Hubs fasst Samsung bestimmte Inhalte zusammen: neben dem erwähnten Game-Hub gibt es noch die Music, Social und Readers Hubs. Der Readers Hub bietet News über PressDisplay, Magazine von Zinio und E-Books von Kobo. Für alle drei Stores müssen User allerdings eigene Konten einrichten. Über den Music Hub gelangt man zum Download-Angebot von 7digital. Der Social Hub verbindet Updates aus Social Networks mit E-Mails und Instant Messaging. Daneben hat Samsung eine Reihe weiterer Apps vorinstalliert. Das mag für Nutzer, die sich nach dem Kauf eines Geräts nicht darum kümmern wollen ein eigenes Paket essentieller Apps aus dem Android Market zusammenzustellen, Vorteile bringen. Allerdings können die vorinstallierten Apps nicht vom Telefon gelöscht werden. Alleine die bereits vorhandenen Apps füllen fast drei Screens.

Root

Für alle User, die die Anpassungen von Samsung loswerden wollen, gibt es jedoch gute Nachrichten: das Galaxy S II kann gerootet werden. Eine Anleitung findet man bei xda-developers. Hierbei sollte man beachten, dass nur erfahrene User derartige Eingriffe vornehmen sollten und der Garantieanspruch erlischt, wenn das Telefon aufgrund eines fehlgeschlagenen Roots nicht mehr benutzbar ist.

Update über Kies

Für die Datensynchronisierung mit dem Computer stellt Samsung seine Kies-Software bereit. Der Haken an Kies 2.0 für den Desktop: es steht nur für Windows XP, Vista und 7 zum Download bereit. Unter Mac OS X und Linux kann man das Gerät via USB zwar normal als Massenspeicher nutzen (dafür ist es notwendig, in den Einstellungen des Smartphones USB Debugging zu aktivieren). Das Firmware-Update ist allerdings nur über einen Windows-Rechner möglich.

Kies air

Alternativ zum Desktop-Client kann man zumindest für die Datensynchronisierung plattformunabhängig Kies air über den Browser nutzen. Dafür müssen sich Computer und Smartphone nur im selben WLAN befinden, am Handy wird die Kies air App gestartet. Die Verbindung erfolgt automatisch, indem man im Browser die am Handy angegebene Adresse eingibt und auf beiden Geräten die Verbindung zulässt. Hat man das gemacht, wird im Browser sofort eine Webanwendung gestartet und sämtliche Inhalte des Geräts werden in einer übersichtlichen Benutzeroberfläche angezeigt. Die Verbindung wird getrennt, indem man auf dem Handy auf Stopp klickt.

Fazit

Das Samsung Galaxy S II ist eines der schnellsten, den Benchmarks nach zu urteilen sogar das schnellste Smartphone derzeit am Markt. Die Kombination aus dem Prozessor, dem exzellenten Display und der aktuellen Version von Android macht es zum derzeit attraktivsten Android-Smartphone. Als störend fallen die vielen von Samsung vorinstallierten Apps auf. Den größten Minuspunkt gibt es allerdings für die Bindung des Firmware-Updates an die Kies-Software. Hier ist zu hoffen, dass Samsung bald weitere Plattformen unterstützt. Das Gerät ist ohne Vertrag und SIM-Lock im Handel ab ca. 550 Euro erhältlich. (Birgit Riegler/derStandard.at, 15. Mai 2011)

  • Das Samsung Galaxy S II ist das derzeit schnellste Android-Smartphone am Markt ...
    foto: birgit riegler

    Das Samsung Galaxy S II ist das derzeit schnellste Android-Smartphone am Markt ...

  • ... eines des dünnsten Geräte ist es obendrein.
    foto: birgit riegler

    ... eines des dünnsten Geräte ist es obendrein.

  • Mit der 8-Megapixel-Kamera gelingen gute Fotos mit leuchtenden Farben.
    foto: birgit riegler

    Mit der 8-Megapixel-Kamera gelingen gute Fotos mit leuchtenden Farben.

  • Die Kamera bietet zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten, darunter auch eine Option für Makroaufnahmen.
    foto: birgit riegler

    Die Kamera bietet zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten, darunter auch eine Option für Makroaufnahmen.

  • Auf dem Galaxy S II läuft Android 2.3.3 Gingerbread, Samsung hat jedoch mit seiner TouchWiz-Oberfläche einige Änderungen vorgenommen. (Screenshots können übrigens aufgenommen werden, indem man den Power-Button und die Home-Taste gleichzeitig drückt.)
    screenshot: birgit riegler

    Auf dem Galaxy S II läuft Android 2.3.3 Gingerbread, Samsung hat jedoch mit seiner TouchWiz-Oberfläche einige Änderungen vorgenommen. (Screenshots können übrigens aufgenommen werden, indem man den Power-Button und die Home-Taste gleichzeitig drückt.)

  • Dank schnellem Prozessor, guter Grafik und großem Display eignet sich das Galaxy S II hervorragend als mobile Spielekonsole. Über den Games Hub steht eine Auswahl an Premium-Titeln von Gameloft zur Verfügung, die kostenlos ausprobiert werden können.
    screenshot: birgit riegler

    Dank schnellem Prozessor, guter Grafik und großem Display eignet sich das Galaxy S II hervorragend als mobile Spielekonsole. Über den Games Hub steht eine Auswahl an Premium-Titeln von Gameloft zur Verfügung, die kostenlos ausprobiert werden können.

  • Auf dem Smartphone sind (zu) viele Apps vorinstalliert. Bis auf die vier letzten Apps, die in diesem Screenshot zu sehen sind, handelt es sich um Anwendungen, die nicht gelöscht werden können.
    screenshot: birgit riegler

    Auf dem Smartphone sind (zu) viele Apps vorinstalliert. Bis auf die vier letzten Apps, die in diesem Screenshot zu sehen sind, handelt es sich um Anwendungen, die nicht gelöscht werden können.

Share if you care.