Direktorenposten: "Das tu ich mir nicht an"

13. Mai 2011, 15:15
  • Artikelbild
    foto: standard/cremer

    "Ein Direktor ist heute de facto oft schlechter entlohnt als ein Lehrer mit ein paar Überstunden", sagt Slanar, Sprecher der BMHS-Direktoren.

Für jede dritte Stelle an einer BMHS gibt es nur drei Bewerber, fast ebenso oft nur einen - Auch an AHS "häufig nur drei Bewerber oder weniger"

Wien - Das Interesse am Job als Direktor einer AHS und berufsbildenden mittleren und höheren Schule (BMHS) nimmt ab. Seit 2006 wurden 51 Schulleiterposten an BMHS ausgeschrieben, in 17 Fällen gab es dabei nur drei Bewerber, in 15 Fällen überhaupt nur einen, zeigt die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der Grünen durch Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ). An den AHS gab es immerhin für 40 der 88 ausgeschriebenen Stellen mehr als drei Interessenten, für 21 Fälle indes nur einen einzigen. Auch wenn laut Ministerium aus diesen Zahlen "kein genereller Rückschluss auf ein zu viel oder zu wenig an Bewerbungen" möglich sei, spricht der Vorsitzende der AHS-Direktoren, Wilhelm Zillner, gegenüber der APA von einem "deutlichen Rückgang".

Viel Aufwand für wenig Geld

Allerdings müsse man dabei zwischen Stadt und ländlichem Gebiet unterscheiden. Denn während es in Wien oft "eine ganze Fülle an Bewerbern" gebe, seien es anderswo "häufig nur drei oder weniger". Als Gründe nennt Zillner eine im Verhältnis zum Aufwand schlechte Bezahlung und "das Gefühl, nicht unterstützt zu werden". Bei der Fülle an Aufgaben - von der Aufteilung der Finanzen über den Umgang mit gesellschaftlichen Problemen bis zur Umsetzung schulpolitischer Reformen - würden manche sagen: "Das tu ich mir nicht an", so der Direktor des BRG/BORG Kirchdorf an der Krems in Oberösterreich.

"Die Anzahl der Bewerber ist nicht begeisternd hoch", kommentiert auch der Sprecher der Wiener BMHS-Direktoren Peter Slanar die Zahl der Job-Interessenten. Und auch der Bundesvorsitzende der BMHS-Direktoren Max Dirisamer spricht von einer "gewissen Unzufriedenheit" unter seinen Kollegen. Von einer Krise könne man aber derzeit "sicher nicht" sprechen. "Im Durchschnitt passt es", sagt er und verweist darauf, dass es eben Schulen gebe, die für den Posten als Direktor interessanter oder weniger interessant seien - und zwar unabhängig von der Lage in der Stadt oder am Land.

Direktorn müssen auch unterrichten

Slanar selbst zeigt Verständnis für das abnehmende Interesse: Die "Motivation" müsse heute schon sehr hoch sein, denn "ein Direktor ist heute de facto oft schlechter entlohnt als ein Lehrer mit ein paar Überstunden". In Schulen mit weniger als 40 Klassen könne sich der Direktor nicht einmal auf seine Managementaufgaben konzentrieren, weil er zusätzlich unterrichten müsse.

Mehr Mitsprache bei der Lehrerauswahl, wie sie Schmied bereits angekündigt hat, würde Zillner befürworten. Diese Möglichkeit gebe es vielerorts schon jetzt, so Zillner. So könnten etwa in Oberösterreich die Schulleiter genaue Präferenzen angeben, etwa was die Fächerkombination des Kandidaten angeht. "Das halte ich für guten Stil."

Bewerbungsverfahren wie in der Wirtschaft gewünscht

Aus Dirisamers Sicht müsste eine Reform unterdessen weiter gehen, gerade an den BMHS hätten Direktoren aufgrund der starken Differenzierung schon jetzt "sehr großen Einfluss. Gegen meinen Willen wird niemand Lehrer an meiner Schule". Er wünscht sich allerdings bessere Entscheidungsgrundlagen für die Personalauswahl: "Wir möchten Bewerbungsverfahren, wie sie in der Wirtschaft üblich sind, vielleicht auch verkürzte Assessment Center", betont er. Denn Kriterien wie die Noten bei der Ausbildung oder die Beurteilungen von Praktika seien nur wenig aussagekräftig. Eine Zuweisung von Lehrern durch den Landesschulrat ohne Einbindung der Direktoren sieht er kritisch. "Es kann kein Kriterium sein, wie lange jemand auf einer Warteliste steht." (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 99
1 2 3
P. Spitz
00
24.5.2011, 17:09
Frage

Kann man sich eigentlich auch als Quereinsteiger (also ohne Unterrichtserfahrung) für einen Direktorsposten bewerben? Welche Vorraussetzungen müßten erfüllt sein, bzw. wie groß sind die Chancen?

D/E
00
24.5.2011, 18:57
Wahrscheinlich geht es nicht, da die meisten Ausschreibungen

eine in der Regel fünfjährige Praxis im jeweiligen Schultyp vorgeben.

Es wäre ja auch nicht sonderlich sinnvoll, "Quereinsteiger" zu suchen, denn die meisten Tätigkeiten eines Schulleiters lernt man nur im Schuldienst kennen. Die angeblich benötigten Manager-Qualitäten sind eher zweitrangig, weil innerhalb der Schulhierarchie sehr gute Kontakte und sehr viel Insiderwissen weit mehr bringen.

Man sollte den Job wirklich nicht glorifizieren. Bezahlt wird er de facto nicht, Erfolgserlebnisse gibt es auch nur, wenn man mit seiner Belegschaft gut zurechtkommt. (Es haben schon mehrere Schulleiter/innen, auch sehr gut qualifizierte, den Posten wieder geräumt, weil einfach niemand mit ihnen zusammenarbeitete.)

Murmelchen1
00
25.5.2011, 11:09
Meistens steht 3jährige Erfahrung am Schultyp ERWÜNSCHT.

D.h. es geht theoretisch auch ohne, was aber immer ein muss ist sind 5 Jahre Tätigkeit als Lehrer.
Ein Lehrer einer HAK kann also prinzipiell Direktor an einem Gymnasium werden, während es ausgeschlossen ist, dass jemand der noch nie unterrichtet hat Direktor wird.

guzo
00
20.5.2011, 06:58
Es täte dem Schulsystem sehr gut,

wenn nicht (nur) Ex-LehrerInnen DirektorInnen würden.

Was wir hier brauchen, sind Leute mit Personalführungsqualitäten, Managerqualitäten. Und LehrerInnen mögen ja gute PädagogInnen sein, ein Unternehmen zu führen ist aber etwas komplett anderes. Deshalb werden auch manche Schulen grottenschlecht geführt.

bm.koger
 
00
20.5.2011, 15:54
dann haben wir das

was in vielen firmen gang und gäbe ist: oben sitzen leute, die vom betrieb keine ahnung haben und daher seltsame entscheidungen treffen. es geht in der schule ja ums pädagogische, es geht ums soziale, ums menschliche, weil ja menschen betreut werden - und ich halte es für extrem wichtig, dass eine schulleiterin davon ahnung hat und nicht nur davon, wie man sponsoren aufreißt und supplierstunden billig aufteilt.

guzo
30
21.5.2011, 00:25
Dann haben WIR.....

..... einen Scheißdreck.
Oder alles.
Oder wasweißich.
Oder waswünschenschonSieglaubenzuwissen.

Lernen Sie, nicht zu verallgemeinern.

bm.koger
 
03
21.5.2011, 16:22
sie sollten an ihrem schreibstil arbeiten

und lernen, ihre aggressionen in seminaren zu bewältigen. ein forum ist nicht dazu da.

pitt stehler
01
20.5.2011, 07:15
sie meinen sicher managementqualitäten

wie sie die oberste chefin hat.

guzo
00
20.5.2011, 15:20
Die hat sie tatsächlich - sh. Bildungsministerium.

In den Schulen ist sie aber von der mittleren Ebene - sprich: von den DirektorInnen abhängig. Und diese sind zu 100 % dafür verantwortlich, dass so manches Lehrerzimmer zur SuderantInnenstube verkommen ist.

Sätze, wie: "Buhuhuhuuuu!!!! Das geht nicht!" sind dort Gang und Gäbe, obwohl gerade erst seit den großartigen Reformen der Frau Dr. Schmied und den ins Leben gerufenen Begleitprogrammen (zB: Schule macht Theater etc.) im Schulbereich so viel möglich ist wie wahrscheinlich noch nie.

Leider sehen das die Berufsopfer der Konferenzzimmer nicht. Bzw. wollen sie es nicht sehen. Wären ja dann keine bedauernswerten Opfer mehr.

Doch ist mittlerweile ein Umdenken bemerkbar. Und das ist gut so.

m rams
01
20.5.2011, 20:52
Zeigen sich

Managementqualitäten nicht gerade dadurch, dass man u.a. mit seinen Untergebenen gut umgehen kann? Mitarbeitermotivation sollte für einen guten Manager kein unbekanntes Fremdwort sein und momentan passiert ja das Gegenteil. Oder reicht es heute schon für einen guten Manager möglichst viel anzukündigen?

Umdenken bemerkbar? Wohl kaum. Ich habe eher das Gefühl, dass man halt irgendwas macht, solange das BMUKK noch nicht so genau weiß, wohin es gehen soll.

guzo
00
21.5.2011, 00:27
N eih

D/E
05
20.5.2011, 16:21
Ich weiß ja nicht, in welchen Lehrerzimmern Sie verkehren

(vermutlich in gar keinen), aber ich habe dort noch nie ein derartiges Geflenne gehört. "Geht nicht" sagt auch selten jemand.

Allerdings ist die Begeisterung eher verhalten, wenn z. B. eine Informationsveranstaltung über die Neue Reifeprüfung ergibt, dass man sich höhernorts nicht klar ist, wie die aussehen wird, aber traute Einigkeit darüber herrscht, dass die Lehrer/innen auf sie vorbereiten sollen.

Meiner Ansicht nach wäre ein neues Logo für das BMUK fällig: Drei Fragezeichen böten sich an.

guzo
20
20.5.2011, 19:23
Lesen Sie Ihr Posting noch einmal aufmerksam durch.

Genau das habe ich gemeint.

Viel Spaß beim Weitersudern!

D/E
01
20.5.2011, 22:52
Ich weiß, was ich geschrieben habe.

Offenbar stanzen Sie immer noch vom gleichen geistlosen Model.

m rams
04
20.5.2011, 22:02
Sudern Sie nicht rum.

Lesen Sie doch das Posting selber mal.

bm.koger
 
13
17.5.2011, 19:06
ich würde nie direktorin werden wollen

meine kollegin wurde direktorin an einer kleinen schule. sie macht: unbezahlte supplierstunden für erkrankte kolleginnen, alle abrechnungen müssen von ihr kontrolliert werden (schulbudget, hauswirtschaftsabrechnungen, werkpauschale, lehrmittel, projektwochen etc.), sie muss ein schulportfolio erstellen, die schulentwicklung dokumentieren und formulieren, pädagogische zusatzkräfte an land ziehen (gar nicht so einfach bei dem minigehalt, das die bekommen), an leitersitzungen teilnehmen, sich mit den anderen direktorinnen treffen, elternprobleme schlichten, kontakte mit dem jugendamt halten (auch eine heidenarbeit)... geht sich nicht aus im post was da noch dazu kommt. und sie verdient weniger als ich mit meinen zulagen.

Carla Sociale
12
17.5.2011, 09:39
Wegen meines Dienstalters bin ich bei Abwesenheit unseres Direktors seine Stellvertreterin.

Durch unaufschiebbare Arztbesuche wälze ich diese Ehre gerne auf den Nächstdienstältesten ab. Der beginnt jetzt auch zu kränkeln ...

Freddy alien merkury
00
18.5.2011, 20:38
Bei Stress hilft Vitamin "Be" und das Büchlein mit der Gebrauchsanleitung!

Ein Mann
10
16.5.2011, 10:38

Ich warte auf den nächsten Artikel, wo wieder einmal die "gläserne Decke" herauf beschworen wird, die die armen Frauen davon abhält, Direktor zu werden ;-)

Genau so wie Bürgermeisterin...

Günther Schmid
10
16.5.2011, 09:16
eine im Verhältnis zum Aufwand schlechte Bezahlung

könnte man das bitte einmal in Zahlen aufführen? zB 40 jähriger mit 15 Jahren Berufserfahrung bekommt durchschnittlich x Euro jährlich? Von mir aus auch noch die Unterschiede in den Bundesländern?

Diese Wischi-Waschi Aussagen sind wenig hilfreich.

D/E
03
16.5.2011, 09:35
Die Leiterzulage beträgt etwa 300 bis knapp unter 900 Euro brutto, je nach Schulgröße.

VS- und HS-Direktoren bekommen also weniger als 400 Euro und sind dienstrechtlich nicht einmal Vorgesetzte, sondern nur Dienststellenleiter.

Entscheiden können sie damit praktisch nichts. Dafür bleibt ihnen der gesamte Verwaltungskram, inklusive Buchhaltung usw., wofür ihnen in der Regel die Qualifikation fehlt.

Direktoren und -innen großer Schulen (100 Schüler und mehr) sind mit Zulagen von 700 bis 850 Euro auch nicht gerade überbezahlt. M. E. steht ihr Einkommen in keinem Verhältnis zum Verantwortungsbereich (über 150 Mitarbeiter/innen usw.).

Wenigstens verfügen sie über einiges an Hilfspersonal.

Günther Schmid
00
16.5.2011, 10:38
noch genauer...

Bei kleinen Schulen kann ich mir das durchaus jetzt vorstellen - entspricht in etwa der Zulage bei Kindergartenleiterinnen.

Und auch wenn ich jetzt 100 Schüler eher als kleine Schule sehe (da waren in meiner Volksschule schon locker doppelt so viele), was ist wirklich die Verantwortung? Personalverantwortung besteht ja anscheinend nicht. Geht es rein ums Organisatorische (also Stundenplan, Krankenstände, etc) sind 850.- nicht schlecht. Bei voller Personalverantwortung wäre das in Zukunft natürlich etwas ganz anderes.

Carla Sociale
00
17.5.2011, 09:32
Direktoren und -innen großer Schulen (100 Schüler und mehr)

Sie meinen vermutlich 1000 Schüler und mehr.

D/E
04
16.5.2011, 14:50
Sie missverstehen da etwas:

Pflichtschuldirektoren und -innen bekommen bis zu 400 Euro Zulage, müssen dafür eine Unmenge an Papierkram erledigen u n d entweder voll unterrichten oder unbezahlt m. W. bis zu einer halben Lehrverpflichtung supplieren.

Die 850 Euro sind für den Manager einer großen HTL oder HAK wahrlich recht knapp bemessen. AHS/BHS-Direktoren haben nämlich nicht nur die Aufgaben des pädagogischen Leiters, sondern auch die eines Dienststellenleiters wahrzunehmen, sind also direkte Vorgesetzte des gesamten Personals. So ein renitenter Schulwart kann einem engagierten Direktor ganz schön zusetzen.

Dass inzwischen auch noch Wahnideen wie Schulsponsoring, Projektentwicklung usw. selbstverständlich dazukommen, lässt die Zulage wie ein Taschengeld erscheinen

llewellyn
00
20.5.2011, 22:14

insbesonders wenn sie bedenken dass gleich-dienstalte kolleginnen die 850 euro mit wenigen überstunden auch erreichen!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 99
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.