Marxisten hören Signale

13. Mai 2011, 14:54

Historischer Wahlsieg in West-Bengalen für indischen "Graswurzel-Kongress"

Kolkata - Nach mehr als drei Jahrzehnten hat die linke Congress Partei Trinamool im ostindischen Unionsstaat West-Bengalen die Marxisten von der Macht verdrängt. Den am Freitag veröffentlichten vorläufigen Ergebnissen zufolge erlitt die Kommunistische marxistische Partei Indiens (CPI-M) eine historische Niederlage.

Demnach erhielt sie bei den am 18. April begonnenen Urnengang im Regionalparlament von Kolkata nur noch 67 Mandate, dagegen eroberte die Congress Partei Trinamool ("Graswurzel-Kongress") unter Führung von Mamata Banerjee mit ihren Verbündeten mehr als zwei Drittel der 294 Sitze.

"Dies ist der Sieg des Volkes über Jahre der Unterdrückung", sagte die in einen einfach Baumwollsari gekleidete Banerjee vor den vor ihrem bescheidenen Haus in Kolkata versammelten Menschenmenge. "Dies ist ein Moment zum Feiern für das Volk Bengalens."

Die 56-Jährige, die in der Bundesregierung in Neu Delhi den Posten der Eisenbahnministerin innehat, hatte seit Jahren daran gearbeitet, die Marxisten in West-Bengalen von der Macht zu verdrängen. Sie regieren seit 1977 den 90-Millionen-Bundesstaat an der Grenze zu Bangladesch.

Im indischen Fernsehsender CNN-IBN sagte sie, ihre Prioritäten seien "gute Regierungsführung, Demokratie und Entwicklung". Zugleich versprach Banerjee, deren Vater ein Dorflehrer war, die Macht werde sie nicht verändern. Die unverheiratete Politikerin, die als bodenständig und kämpferisch gilt, profitierte von der verbreiteten Unzufriedenheit der Bevölkerung, die den Marxisten vorwirft, den Unionsstaat heruntergewirtschaftet zu haben. Es wird erwartet, dass Banerjee nach ihrem Wahlsieg auch auf der nationalen Bühne eine größere Rolle spielen wird. (APA/AFP)

Kommentar posten
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Ernst Guevara
18
13.5.2011, 20:35
tja, blöd ist nur, und das verschweigt die APA-propaganda sicher absichtlich,

dass die CP-M in den letzten jahren für die sozialdemokratisierung der maoisten steht. investoren wurden angelockt und sonderwirtschaftszonen sollten eingerichtet werden. während die CP-M sich auf nationaler ebene gegen privatisierungen engagierte, betrieb sie in westbengalen eine für den neoliberalismus typische privatisierungswelle. zum zweck der üblichen investorenfreundlichen politik wurden kleinbauern von ihrem land vertrieben und massaker an demonstranten angerichtet. soviel nur zum "kommunismus" der indischen maoisten!
http://jungle-world.com/artikel/2... 20805.html

Hinguckerl
00
14.5.2011, 09:50
eine "erhellende" seite demonstriert, wie propagandistisch dort gearbeitet wird

http://leninunserallerlehrer.wordpress.com/2010/08/21/x/

Träume sind Schäume..
21
14.5.2011, 17:43
Auszug

Fest steht aber, dass man ohne revolutionären Volksterror in Bangladesh und Kambodscha nicht auskommen kann, damit aus Arbeitstieren Menschen werden. Sei es drum. Man grolle nicht den Kmher Rouge, die modernen großen Städte müssen beseitigt, die Bevölkerung möglichst gleichmäßig über das ganze Land verteilt werden.

Es wäre eine Überlegeung wert, Menchen wie sie isoliert in Schutzhaft zu nehmen.
Oder besser unter Androhung der Todesstrafe aus dem Land auszuweisen.
Konsequent.

Rein evolutionerisch mag ein Fan der Roten Khmer ja nicht weit kommen, solche Konzepte sind logischerweise systembedingt zum Scheitern verurteilt.
Allerdings hat der Schutz der Mehrheitsbevölkerung (99,999%) Vorrang ;)

Spielverderber1
11
14.5.2011, 09:41
Hoffentlich war die sozialdemokratisierung der Maoisten..

nicht nur eine Kampagne, um die Schlangen aus ihren Nestern zu locken..naja, wird ja vielleicht nicht mehr so wichtig sein in Zukunft..schön ist auch, dass sich Maoisten nun schon mit so kleinen Massakern zufriedengeben...das ist wahrer Humanismus, der da bei den Kommunisten maoistischer Prägung einzieht.

Hinguckerl
01
14.5.2011, 09:30

zitiert aus jungle-world: Überdies kündigten zahlreiche linke Filmemacher an, das in diesem Winter stattfindende 13.?Kolkata-Filmfestival boykottieren zu wollen. Das Festival ist eines der Prestigeprojekte der west­bengalischen Regierung, es soll den künstlerischen und politischen Gegenpol zum Bollywood-Kino bilden.http://jungle-world.com/artikel/2... 20805.html

Frauenzimmer
10
14.5.2011, 09:27

danke ernst für den hervorragenden hinweis. letzthin war ein interressanter beitrag dazu in arte-tv. für mich als frau ist bemerkenswert, daß es in dem wahrlich nicht frauenemanzipierten kontinent immer wieder so herausragende frauen gibt, die große politik machen. österreich hat nachholbedarf, ein bisserl indien würde uns nicht schaden.

Georg Schütt
31
13.5.2011, 21:45
Nun, der Nachweis, dass sich nach den Rezepten des alten Marx ein auskömmlicher Lebensstandard erreichen und halten lässt,

steht auch nach 100 Jahren und zig Versuchen noch aus.

Ernst Guevara
03
14.5.2011, 08:17
schwache antwort, lieber herr schütt

hätten Sie marx denn wirklich gelesen, dann wüssten Sie, dass er in seinem hauptwerk, dem "kapital", eine grundlegende analyse des kapitalismus abgeliefert hat, nicht weniger, aber auch nicht mehr. der unterschied zwischen der analyse (das hat marx getan) und dem entwurf einer utopie (das hat marx nicht getan) dürfte Ihnen geläufig sein, nehme ich an. ausserdem ist mir auch gar nicht klar, was Ihre antwort mit meinem posting zu tun haben soll.

Der Kluge
00
14.6.2011, 02:00

Was für ein Unsinn! Die Forderung nach der Vergesellschaftung der Produktionsmittel finden sie ja schon im Manifest.
Die Kritik an Lassalle, dem Gothaer Programm usw. usf. lassen keine Zweifel übrig, dass nicht nur der Kapitalismus (schlecht) beschrieben, sondern sehr wohl zu Revolution/Vergesellschaftung aufgerufen wird.

Genauso wie Maoisten/Stalinisten haben auch Sozialdemokraten versucht Marx für ihre Projekte zu instrumentalisieren. Sie sind offenbar so jemand?

DuesselDoofer
53
14.5.2011, 11:11
Blödsinn...

auch die Kapitalismus"analyse" von Murx wurde 1.000 mal in der Praxis und auch theoretisch widerlegt.

Murx ist tot, und das ist auch gut so.

Fritz Wunderlich
41
14.5.2011, 18:05

darum gibt es auch die mehrwertsteuer, weil das widerlegt wurde
:-))))

Apocalypse
03
14.5.2011, 16:11

Ich schicke seit Monaten Geld in die USA, eine Frau mit 3 Kindern ist soweit unter die Armutsgrenze gerutscht das sie mittlerweile auf die Straße gesetzt wurde und nur noch Nudeln hat. Währenddessen steigen die Boni und die Anzahl der Multimillionäre. Ich dachte eigentlich auch die Verelendungstheorie sei falsch gewesen, die USA liefert bei genauer Betrachtung als eines der reichsten Länder der Erde den Gegenbeweis, in der 3.Welt ist es noch viel schlimmer. Im Endeffekt fußt auch die Theorie der Kapitalakkumulation auf ähnlichen Prinzip. Nur solange das Kapital produktiv investiert wird steigt der Wohlstand, nimmt allerdings der Konsum und unproduktive Investitionen zu, verelenden die Massen. Marx sind keine essentiellen Fehler unterlaufen

Ernst Guevara
12
14.5.2011, 13:41
LOL

genau, weil irgendein doofer poster einen satz mit respektlosem tonfall ins forum rotzt, soll marx widerlegt sein? jaaaaa sicher! haben Sie vielleicht noch andere sekten-konforme glaubenssätze auf lager? und weil heute songcontest ist, vergebe ich sowohl für argumentation als auch stil: dusseldoofer, zero points.

Georg Schütt
10
14.5.2011, 10:14
Lieber Herr Guevara, ich nehme gern Ihre Hinweise auf:

Wo sind sie, die klaren Entwürfe zu einer sozialistischen Ökonomie, die in der Wirklichkeit Bestand hatten?

Halten wir uns lieber an die Fakten: Und die besagen leider, dass selbst in den am weitesten entwickelten sozialistischen Staaten Mangel und Vetternwirtschaft eher Regel als Ausnahme waren.

*space
01
14.5.2011, 14:09

Na dann freut es mich Ihnen zu sagen, das aus Überfluss bald Mangel wird.

Nick Tameer
01
14.5.2011, 13:12

Wo immer die Möglichkeit bestanden hätte, es mal zu testen, haben Ihnen ideologisch nahestehende Leute alle Hebel in Bewegung gesetzt, es zu verhindern.

Lenin hat nicht den Kapitalismus nebst Warenproduktion, Lohnarbeit etc. beseitigt, so auch weder die Arbeiterklasse aufgehoben noch sie in den Besitz der politischen Macht gesetzt und auch keine Schritte zur Abschaffung des Staates unternommen - insoweit eigentlich ganz in sozialdemokratischem Geist, muss man sagen -, sondern neben Installation einer diktatorischen Staatsform nur die ökonomischen Entscheidungen von den einzelnen Kapitalisten auf den Staat übertragen. Er konnte sein Projekt zwar durchsetzen, aber der halbherzige Kompromiss hat doch nicht viel getaugt.

*space
00
14.5.2011, 14:33

Die Jungs hatten halt Schwierigkeiten mit der Dialektik und aus einer Parteiendiktatur wäre nie eine Volksdemokratie geworden. Oder doch?

Politische Ökonomie zu Putin-Zeiten:
http://de.rian.ru/opinion/2... 12220.html

Nick Tameer
00
14.5.2011, 22:51

Man mag es "Schwierigkeiten mit der Dialektik" nennen, die Arbeiterklasse hat Lenin jedenfalls so geliebt, dass er sie unbedingt behalten wollte, aber im Grunde war es die Überzeugung, dass die Kapitalisten zwar schlecht, der Kapitalismus aber doch eine gute Sache sei, wenn man ihn anders nennt und selbst in die Hand nimmt.

*space
00
15.5.2011, 13:27

Lenin hat sich ganz bewusst für die Prinzipien des Kapitalismus entschieden, weil er wollte, dass sein Land so schneller industrialisiert wird. Es war eine politische Entscheidung, die ideologisch sich zu verwerfen war, aber Lenin sah, dass das junge Sowjetrussland eben nicht bereit war für einen Sozialismus mit einer starken Triebkraft. Das meine ich mit Dialektik...

Fritz Wunderlich
20
14.5.2011, 11:51

es gibt keine, sondern vermutungen
genausowenig sind aber die erzählungen der marktwirtschaftlichen großväter eingetroffen, deren utopien sind auch nirgends realisiert
und wenn man die neueren asiatischen erfolgsmodelle unter die lupe nimmt, fällt deren lange zeit undemokratischen politischen strukturen sofort ins auge, auch in japan, und dazu kommt die enge wirtschaftliche unterstützung durch die usa für taiwan, südkorea und japan
singapur ist eine wirtschaftliche ausnahmeerscheinung und eine diktatur
und "rotchina", darüber müssen wir nicht besonders diskutieren

Ernst Guevara
00
14.5.2011, 11:46
ich bin weder ökonomisch versiert noch bin ich utopist. daher kann ich Ihnen keine solchen klaren entwürfe geben, muss ich aber auch gar nicht.

wenn schon, dann können solche entwürfe nur der gesellschaftlichen debatte und praxis entspringen. da wir im moment auf globaler ebene nur kapitalismus haben, ist es nicht möglich, die möglichkeit der verwirklichung alternativer modelle zu "beweisen" oder auch zu entkräftigen. es gibt vielleicht auf lokaler ebene gegenentwürfe, deren umsetzbarkeit auf grössere räume erst erforscht werden müsste. dazu zählen für mich zb die selbstverwalteten fabriken in mehreren lateinamerikanischen ländern oder auch die zapatistischen kommunen in mexiko. was Sie ferner als "entwickelte sozialistische staaten" bezeichnen, waren in der regel nichts anderes als staatlich gelenkte kapitalistische modelle, also etwas radikalere varianten der sozialdemokratie.

Hinguckerl
00
14.5.2011, 09:38
nun Ernst, ganz so sehe ich das nicht:

Marx hat aus seiner analyse sehr wohl konkreten handlungsbedarf z.b. gegen den (stellvertretenden) manchester-kapitalismus abgeleitet. nur was im kommunismus daraus geworden ist, hat mit Marx, der ja selbst aus der kapitalistischen ecke kam, nichts mehr zu tun. für mich gilt: macht korrumpiert. deshalb sehe ich in der westlichen demokratie auch die einzige erstrebenswerte regierungsform. aber wahrscheinlich ist die eben nur über irrwege möglich?

Ernst Guevara
00
14.5.2011, 11:36
hier ist übrigens das zitat im wortlaut

"Der deutsche Philister ist neuerdings wieder in heilsamen Schrecken geraten bei dem Wort: Diktatur des Proletariats. Nun gut, ihr Herren, wollt ihr wissen, wie diese Diktatur aussieht? Seht euch die Pariser Kommune an. Das war die Diktatur des Proletariats." (Friedrich Engels)
http://deu.anarchopedia.org/Diktatur_... oletariats

Ernst Guevara
00
14.5.2011, 11:28
ja klar hat marx handlungsbedarf gesehen und das "kommunistische manifest" war ja auch ein kämpferisches pamphlet und ein aufruf, die verhältnisse zu verändern.

aber trotzdem hat marx in seinem werk nie eine utopie entworfen, wie die kommunistische gesellschaft nach der überwindung des kapitalismus aussehen könnte. die tragik liegt darin, was die marxisten in sein werk hineininterpretiert haben, sie haben aus der kritik des kapitalismus eine blaupause für den kommunismus gemacht und das kann nur schiefgehen und ist auch schiefgegangen mit milionen toten. von engels gibt es ein ganz gutes zitat, denn er meinte, dass diejenigen, die sich so sehr vor der diktatur des proletariats fürchten, nur einmal die pariser kommune von 1871 betrachten sollen. was dort vorgefallen ist, kam scheinbar den vorstellungen von engels und marx am nächsten, was unter kommunismus zu verstehen sei.

Nick Tameer
03
14.5.2011, 01:11
Rezepte?

Dazu hat er übrigens gesagt, dass er "keine Rezepte für die Garküche der Zukunft liefern" wolle. Aber Leute wie unser Georg Schütt, Träume sind Schäume und der flotte Denker, die hier versammelt sind, weil sie "Marxisten" gerochen haben, aber natürlich nicht nur keine Ahnung von den indischen Parteien haben, sondern auch von Marx allenfalls ein paar markige Sätze aus dem Kommunistischen Manifest kennen, sind sich ganz sicher, dass seine Werk vorwiegend als solchen Rezepten, gewürzt mit Aufrufen wie "Zur Bastille!", "Nieder mit .." und "Lang lebe ..!" bestehen.

Vor allem wissen Sie, dass der Kapitalismus uns alle glücklich und reich macht, nur Leistungsunwillige arbeitslos und natürlich die Steuern viel zu hoch sind.

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