Das soziale Netzwerk kritisiert Googles Umgang mit Nutzerdaten
Inzwischen hat die Aufdeckerstory um Facebooks geheime PR-Kampagne gegen Google weltweit die Runde in den Medien gemacht. Wie der WebStandard berichtete, beauftragte das soziale Netzwerk die namhafte PR-Agentur Burson-Marstellar damit, Negativ-Meldungen zu verbreiten. Dass nicht alle auf den von Facebook gesteuerten Zug aufgesprungen sind, zeigen zwei Beispiele. USA Today brachte einen ausführlichen Hintergrundbericht zum Plan von Facebook und der Blogger Chris Soghoian veröffentlichte die E-Mail-Konversation zwischen ihm und Burson.
Viele meinen, ein derartiger Anschlag hätte von Googles Rivalen Microsoft oder AT&T stammen können, aber nun hat sich Facebook als "feiger Attentäter" angepatzt. Jedenfalls wird es so lange Tischthema sein, bis es wieder nach WWW-Gedächtnisverlust-Manier verschwindet.
Privatsphäre
Nun hat Wired die Geschichte weitergesponnen und erklärt, wieso es sich dabei um eine beeindruckende Angelegenheit handelt. Falls es Probleme bei der Privatsphäre von Facebook-Daten in Googles Social Circle - inzwischen in Social Search umbenannt - gab, hätte dies durchaus aus Facebooks eigener Vorgehensweise resultieren können. Laut der Beschuldigung kralle sich Google Nutzer-Informationen ohne ihre Genehmigung.
Datenzugang
Auf der anderen Seite sind zum Teil Informationen, die User über Facebook teilen, öffentlich zugänglich, sogar für Personen, mit denen man nicht "befreundet" ist oder die keine Facebook-Mitglieder sind. Und dies passiert nicht, weil sie sich den Zugang zu den Daten verschaffen, sondern weil - so die Behauptung von Wired - Facebook eine Veröffentlichung beschloss.
Opt out
Facebook hat mit seinen weltweit knapp 600 Millionen Mitgliedern eine Art stillschweigendes Abgekommen getroffen. Grundsätzlich galt dabei: Was in Facebook passiert, bleibt in Facebook. In den vergangenen Jahren weitete Facebook diesen Deal etwas aus. Auch außerhalb des sozialen Netzwerks flitzen Profil-Informationen wie Anzahl und Namen der "Freunde" immer wieder durch das Web und können zum Teil auch über Google ausfindig gemacht werden. Mit der Opt Out Funktion können User zwar die Einstellungen verändern, die wenigsten nutzen diese allerdings, womit Facebook wohl auch rechnet. Google und auch jeder andere Nutzer hätte damit die Möglichkeit zahlreiche Namen aus der "Freundesliste" auszuforschen.
Beweise
Viel leichter ist es, diese Information innerhalb des Netzwerks zu bekommen, aber mit dem Login wären einige Schwierigkeiten verbunden. Beispielsweise käme es damit zu einem Verstoß der Geschäftsbedingungen. Ob Google das tut, ist unklar. Burson verbreitete unter anderem, dass der Internetkonzern so vorgehe. Google selbst weist diese Anschuldigung zurück. Falls Facebook im Besitz von Protokollen ist, die eine solche Vorgehensweise bezeugen, wäre es interessant einen Blick drauf zu werfen.
Unter Beobachtung
Auch im Falle, dass Google Informationen aus dem Internet sammelt, kann man Pro-Contra-Argumente vorlegen. Worüber sich weniger streiten lässt ist, dass nicht Google, sondern Facebook Teile von Facebook-Informationen in die Weiten des WWW hinausschießt. Deshalb mutet die PR-Kampagne gegen Google bizarr an. In den kommenden Jahren werden Unternehmen samt ihrer Datenschutz-Praktiken unter genauer Beobachtung stehen - mit Google und Facebook an vorderster Front. (ez, derStandard.at, 13. Mai 2011)