Lokal im 2. Bezirk

Kanal, fatal

14. Mai 2011, 11:00
  • Artikelbild
    foto: gerhard wasserbauer
  • Artikelbild
    foto: gerhard wasserbauer

    Otto Wagner, möbliert by Kika: Das Schützenhaus am Donaukanal wurde auf exemplarisch uninspirierte Weise zum Restaurant umgebaut.

Jahrzehntelang blieb das Schützenhaus am Donaukanal ungenutzt - Jetzt werden dort "Monarchie-Schmankerln" serviert

Es ist schon verwunderlich, dass ausgerechnet der prominent gelegene Otto-Wagner-Bau gar so lange brachliegen musste. Schließlich hat die Wiederentdeckung des Jugendstils schon etliche Jahrzehnte am Buckel - das für eine (niemals in Betrieb gegangene) Schleuse geplante Schützenhaus aber blieb weitestgehend ungenutzt und verfiel zusehends.

Offenbar hat es den Erfolg des nebenan gelegenen "Tel Aviv Beach" gebraucht, um das Potenzial des Baus an der sonnigsten Biegung des Kanals zu entdecken.

Berüchtigte Sexmetropole

An Ideen hätte es nicht gemangelt: Christian Petz und Geri Ecker (Badeschiff) wollten ein Boutique-Hotel daraus basteln, Haya Molcho konnte sich gar ein "politisch korrekt aufgezogenes" Freudenhaus darin vorstellen. Skurril? Mag sein. Den Betrieben, dank denen Wien eine europaweit berüchtigte Sexmetropole ist, hätte ein nachhaltiger, den Beschäftigten gegenüber fair wirtschaftender Mitbewerber als Vorbild nur gut getan.

Aber auch eine gut patinierte Partylocation hätte man sich wünschen wollen: Für die Meierei im Stadtpark wurde schließlich niemals Ersatz geleistet, seit sie der hohen Gastronomie zum Opfer dargebracht wurde.

Es hat nicht sollen sein. Die trostlose Möblage aus dem Kika-Katalog aber, mittels der das Schützenhaus seit vergangener Woche in ein Restaurant mit, ja was wohl, "Monarchie-Schmankerln" verwandelt wurde - die hat sich der Bau nicht verdient. Die biederbraune Gastro-Landschaft (bis hin zu den Backhausen-Stoffen) würde alleweil in ein Seniorenheim passen - an diesem emblematischen Ort der Stadt aber bereitet sie körperliche Schmerzen.

Fiakergulasch, Schnitzel, Backhendl und Buchteln

Dass 2011 in Wien noch derart uninspiriert mit höchstem Kulturerbe verfahren werden darf, stimmt traurig. Man darf nicht daran denken, was in Städten wie Amsterdam, Kopenhagen oder Barcelona aus einem vergleichbaren Schmuckstück entstehen hätte dürfen.

Da kann auch das Essen nichts retten, bei dem naturgemäß kein Klischee ausgelassen wird: Von Fiakergulasch über Schnitzel und Backhendl bis zu letscherten Buchteln ist alles da, was der stereotypische Wientourist sich so reinschieben muss. Dass die Küche auch anders könnte, zeigt Wels mit Gansleber, Nusspüree und gebratenen Äpfeln (Bild): Das sind zwar nicht gerade frühlingshafte Aromen, dafür werden sie aber sehr gekonnt zusammengeführt. ( Severin Corti/Der Standard/rondo/13/05/2011)

Wiener Schützenhaus
Obere Donaustr. 26
1020 Wien
Tel.: 01/212 42 22
Küche tägl. 11-24 Uhr
VS EURO 4,20-11,90, HS EURO 8,20-18,90

Fotos: Gerhard Wasserbauer

Kommentar posten
16 Postings
Titeuf
 
00
Ein stinknormales Lokal, ja

und das empfinde ich persönlich als erfrischend. Nach dem Artikel geh ich noch ein Kerzerl anzünden, dass keines der "originellen" Projekte, die sich der Autor hätte wünschen wollen, verwirklicht wurde.
Beim so furchtbar biederen Schützenhaus kann ich wenigstens gemütlich draußen sitzen, ohne mich mit einem als Liegestuhl getarnten Foltergerät abplacken zu müssen.
Ach ja, die Bedienung ist auch total freundlich, das ist ja soooooo retro/spießig/unoriginell. ^^

jumpingjack flash
01
altwiener sushi

warum kein altwiener sushi?
erdäpflsalat in eine dünne scheibe schnitzelfleisch rollen und das ganze in bröseln wenden.....
:-)

santiago69
01
18.5.2011, 11:34
Tel Aviv Beach als Vorbild?

nun, nach vollmundigen Ankündigungen hat der Tel Aviv Beach voriges Jahr Anfang September gesperrt und heuer erst Anfang Mai wieder geöffnet. Der Service ist *ähäm* amateurhaft, irgendwie kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, Fam.Molcho findet andere Projekte inzwischen reizvoller. Tel Aviv Beach ist die eigentliche vertane Chance! Gottseidank ist etwas stromabwärts Adria Wien, dort wird seit März bespielt.

Victor Riviéra
14
16.5.2011, 12:00
Ein "koscheres" Freudenhaus von Frau Molcho??

DAS fänden sicher viele "spannend"- gut daß es nicht passiert ist.

Da wird sich der Herr Beer bald einen neuen Pächter suchen müssen...

Eine Griessnockersuppe- liest man- um 5 Euro? Was kann die? Zigaretten von der Tanke holen? Fliegen? Einen Witz erzählen??

Schade um die vertane Chance!

Peter Hammer 06
01
24.5.2011, 08:38
Tanke?

Experte für eeh alles
00
27.7.2011, 16:36

Dann doch lieber Pfannkuchenschnibbelbrühe als Grießnockerlsuppe.

Peter Hammer 06
00
24.5.2011, 10:39
Wird hier TANKSTELLE genannt.....

...sollten Sie als Fregent der stupiaseite wissen. ;-))

Shoe Shine Pad
00
16.5.2011, 11:57
"Offenbar hat es den Erfolg des nebenan gelegenen "Tel Aviv Beach" gebraucht"

Hat es nicht.
Das Schleusenwärterhaus "gehörte" dem Bundesamt auf der gegenüberliegenen Straßenseite und diente als Schulungsraum. Den wollte man lange Zeit nicht aufgeben.

die Resi-Tant Evil
34
14.5.2011, 14:03

Das Nusspüree sieht mir aber sehr grün aus - sind wir sicher, dass das kein Cremespinat ist?

Ansonsten finde ich es bauernschlau, den Touristen Kika als Jugendstil verkaufen zu wollen.
Naja, schon die bloße Nähe zum Apartheids-Gedenkstrand wird mich nicht in diese Gegend treiben.

Anton Hammerschmidt
21
16.5.2011, 17:05
Wissen´s was ?

Angesichts Ihrer Aussagen bin ich auch froh, dass Sie der Gegend fern bleiben wollen. Leute, die Ihnen gesinnungsmäßig recht nahe stehen, hat man übrigens unlängst aus der Gegend entfernt - für wahrscheinlich längere Zeit und auf Basis behördlicher Entscheidungen..

mistaG
10
19.5.2011, 10:37
gibts zu dieser anfeindung auch eine erklärung?

Emil Sacklinger
 
11
16.5.2011, 08:40

vermutlich ist's erbsenpüree.

(was der braune strich ist, möchte ich lieber nicht wissen, jetzt, wo die schwalben wieder im lande sind ...)

Peter Hammer 06
00
24.5.2011, 08:40
Brauner Strich UND Schwalben?

major grubert
05
14.5.2011, 13:48
gratuliere auch

zu der *raeusper* uninspirierten webseite :)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.